Einzug ins Pokal-Halbfinale

Deniz Undavs "Dosenöffner" bringt den VfB Stuttgart auf Kurs

Der DFB-Pokalsieger VfB Stuttgart darf weiter von der Titelverteidigung träumen. Entsprechend zufrieden sind die Schwaben nach dem Spiel im "Gefrierfach" Holstein-Stadion. Einmal mehr spielt Deniz Undav eine Hauptrolle.

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Stand

Von Autor/in Michi Glang

Der VfB Stuttgart hat sich im Viertelfinale mit 3:0 (0:0) bei Zweitligist Holstein Kiel durchgesetzt. Bei frostigen Temperaturen und scharfem Wind im hohen Norden hatten die Schwaben aber vor allem im ersten Abschnitt mit giftigen und forschen Kielern zu kämpfen.

"Es war unfassbar kalt. Wir sind es in Stuttgart nicht gewohnt, dass es so kalt ist. Gott sei Dank sind wir weitergekommen, aber meine Hände frieren und mein Körper hat gefroren. Aber ich bin irgendwie im Spiel warm geworden", sagte ein erleichterter Deniz Undav im Sportschau-Interview.

Das Ergebnis spiegelte dabei nicht den Spielverlauf wider. "So klar war es sicher nicht", sagte VfB-Trainer Sebastian Hoeneß. "Aber es war verdient. Ich habe keine richtige Phase gesehen, in der ich das Gefühl hatte, dass wir schwimmen oder dass der Gegner gerade extrem aufkommt. Das rechne ich meiner Mannschaft hoch an, es ist immer noch Pokal."

Holstein Kiel mit den ersten Chancen

Die Schwaben waren gewarnt. Schließlich hatten die Störche mit dem VfL Wolfsburg und dem Hamburger SV bereits zwei Bundesligisten aus dem Wettbewerb geworfen.

Und den Kielern gehörte auch die erste große Chance der Partie, doch VfB-Keeper Alexander Nübel konnte den Abschluss des frei vor ihm auftauchenden Adrian Kapralik zur Ecke abwehren. "Da sehen wir nicht gut aus. In den ersten zehn Minuten hatten wir keinen Zugriff. Die Kieler haben uns rausgezogen und uns dann im richtigen Moment überspielt", sagte Hoeneß.

Der VfB hatte zwar deutlich mehr Ballbesitz, gefährlicher waren in den ersten 20 Minuten aber die Kieler, wenn sie nach Ballgewinnen blitzschnell umschalteten. Danach übernahm der VfB nach und nach das Kommando, der Druck des Favoriten wurde größer. Die Stuttgarter erspielten sich Gelegenheiten, ohne die ganz große Torgefahr zu erzeugen. Folgerichtig ging es torlos in die Halbzeit.

Undav bricht den Bann für den VfB Stuttgart

Im zweiten Durchgang hatte der VfB die forsch auftretenden Kieler besser unter Kontrolle und agierte mit mehr Druck in der Offensive - und belohnte sich schnell. Bilal El Khannouss brachte einen Freistoß aus dem Halbfeld auf den langen Pfosten, Atakan Karazor legte den Ball per Kopf quer vors Tor, wo Deniz Undav aus kurzer Distanz abstaubte (56.).

Nach seinem Abschluss hatte Undav Torhüter Timon Weiner mit der Sohle am Oberschenkel getroffen, weshalb dieser nach Abpfiff aus seiner Sicht von einem Foul sprach. Undav sah das anders: "Ich treffe den Ball und mach das Tor. Beim Schießen treffe ich ihn auch. Aber wenn das ein Foul ist, dann ist mittlerweile alles ein Foul. Ich glaube nicht, dass es ein Foul ist, aber jeder hat eine andere Meinung. Schiedsrichter Tobias Welz schloss sich der Sichtweise Undavs an, der Treffer zählte.

Für Hoeneß war das Tor die entscheidende Szene des Spiels: "Eine Standardsituation, es war ein Dosenöffner. Gerade in solchen Spielen ist das wichtig. Es steht 0:0 und wir sind ein bisschen 'laissez-faire' mit den Chancen umgegangen", sagte der VfB-Trainer. "Deshalb war es enorm wichtig, in Führung zu gehen."

Führich und Karazor machen den Deckel drauf

Gegen nun wieder aktiver werdende Kieler kontrollierte der VfB das Geschehen bis in die Schlussphase. Erst ein Fehler im Aufbau ermöglichte Kapralik die große Chance zum Ausgleich, doch der Slowake verzog. (81.). In den letzten Minuten warfen die Kieler alles nach vorne, doch die Stuttgarter setzten den entscheidenden Konter: Undav bediente Chris Führich, der Keeper Weiner umkurvte und zum 2:0 einschoss (90.). In der Nachspielzeit besorgte Karazor den 3:0-Endstand.

"Es war ein hartes Spiel, das wir am Ende verdient gewonnen haben. Wir hatten die klareren Chancen", analysierte Undav knapp. "Das 3:0 war am Ende aber zu hoch." Mit dem Sieg in Kiel geht der Tanz auf drei Hochzeiten für den VfB weiter. In der Bundesliga stehen die Schwaben auf Rang vier. In der Europa League geht es in den Playoffs gegen Celtic Glasgow um den Einzug ins Achtelfinale.

DFB-Pokal: Zwei Viertelfinals in der kommenden Woche

Neben dem VfB, der am Samstag um 15:30 Uhr zum Bundesligaspiel beim FC St. Pauli antritt, steht Bayer Leverkusen als zweiter Halbfinal-Teilnehmer fest. Die Werkself hatte sich am Dienstag mit 3:0 gegen den FC St. Pauli durchgesetzt.

In der kommenden Woche finden die weitere Viertelfinals zwischen Hertha BSC und dem SC Freiburg (10. Februar) sowie zwischen dem FC Bayern und RB Leipzig (11. Februar) statt. Die Halbfinals werden am 22. Februar im ZDF ausgelost und am 21./22. April ausgetragen. Das Finale in Berlin steigt am 23. Mai.

Wer der Gegner im Halbfinale wird, steht also noch nicht fest. Das Ziel des VfB schon: "Wir wollen nach Berlin, dafür spielt man Fußball. Es wäre schön, wieder da zu sein", sagte Undav und verzog sich zum Aufwärmen in der Kabine.