Heimniederlage gegen Mainz 05

"Unser schwerster Moment": Fast schon surreale Szenen nach Heidenheims Abstieg

Das Wunder bleibt aus: Der 1. FC Heidenheim steigt nach drei Jahren aus der Bundesliga ab, geht aber mit erhobenem Kopf. Die Fans honorieren die Leistung der vergangenen Wochen.

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Stand

Von Autor/in Johann Schicklinski

Nach Abpfiff der Bundesligapartie des 1. FC Heidenheim gegen den FSV Mainz 05 (0:2) spielten sich auf dem Schlossberg fast surreale Szenen ab. Es lief die Hymne "You'll Never Walk Alone", die FCH-Fans reckten ihre Schals hoch und sangen mit voller Stimme mit, die Lautstärke war ohrenbetäubend und schließlich standen die Mainzer Spieler noch applaudierend Spalier für das Team von der Ostalb.

Frank Schmidt bedankt sich bei den Anhängern

Nach drei Jahren endet somit das "Abenteuer Bundesliga" für die Schwaben - aber sie gehen runter mit maximalem Respekt. "Riesenkompliment an unsere Fans, das war unglaublich", sagte Trainer Frank Schmidt nach dem Match im Interview mit SWR Sport. "Da werden Fahnen geschwenkt, wir werden gefeiert. Wo gibt es denn sowas?"

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Jetzt ist es amtlich. Heidenheim ist abgestiegen. Ein Verein, der mit seinem Dauertrainer Frank Schmidt einen ganz eigenen Stil prägte und deshalb eine Lücke hinterlässt, so die Meinung von SWR-Sportreporter Kersten Eichhorn.

Stadion SWR1

Das, so der gefasst wirkende Coach weiter, sei eben das Besondere am 1. FC Heidenheim. "Unser Verein funktioniert schon immer so. Es gibt nicht nur ein Miteinander, sondern auch ein Füreinander. Es bedeutet mir sehr viel, dass die Enttäuschung nicht am Trainerteam und der Mannschaft ausgelassen wird, sondern dass gesehen wird: Wir haben alles gegeben, es hat nur nicht gereicht."

Diese Haltung helfe "wieder aufzustehen und die Akkus schnell wieder aufzuladen", sagte der 52-Jährige. "Das alles passiert ja in unserem schwersten Moment. Wir dürfen ja nicht in irgendeiner Form zufrieden sein, weil wir am Ende abgestiegen sind. Aber dann so einen Zuspruch zu bekommen, das hilft und motiviert."

Heidenheim fahrig in der Abwehrarbeit

Die Aufholjagd der letzten Wochen mit zwölf Zählern aus sieben Spielen hatte offensichtlich Kraft gekostet. Körperlich, vor allem aber psychisch. Heidenheim agierte gegen Mainz 05 seltsam nachlässig und körperlos in der Defensive, dabei sind voller Einsatz, Kampf und unangenehm zum Gegner sein eigentlich die Kerntugenden der Ostälbler. Den 05ern reichte eine professionelle und abgeklärte Leistung, um nach den Treffern von Phillip Tietz (7. Minute) und Nadiem Amiri (43.) die drei Punkte mitzunehmen.

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Die Aufholjagd des 1. FC Heidenheim in den letzten Wochen war umsonst: Durch eine Heimniederlage gegen den 1. FSV Mainz 05 am letzten Bundesliga-Spieltag müssen die Schwaben den bitteren Gang in die 2. Liga antreten.

Stadion SWR1

Die Enttäuschung war unmittelbar nach Spielende groß. "Es tut weh", analysierte FCH-Mittelfeldspieler Niklas Dorsch nach der Partie. "Wir hatten uns andere Sachen vorgenommen, aber unser Plan ist nicht aufgegangen."

Patrick Mainka: "Es tut einfach weh"

Ähnlich sah es Kapitän Patrick Mainka, der in drei Bundesligajahren keine einzige Minute verpasst hat. "Das ist furchtbar traurig. Nach dem schnellen Rückstand hat es im Kopf angefangen zu rattern. Wir haben es nicht geschafft, das Momentum auf unsere Seite zu ziehen", sagte der Abwehrspieler. "Es tut einfach weh! Aber wie man sich verabschiedet, so kommt man auch wieder. Und auf die letzten Wochen können wir wirklich stolz sein. Das nehmen wir mit." Auch für Mainka war die Anerkennung der Anhänger "Wahnsinn. Das ist der 1. FC Heidenheim. Das haben wir uns erarbeitet".

Holger Sanwald: "Wir werden wieder kommen"

Der 31-Jährige wirkte im Interview klar und gefasst. Das eint ihn mit den anderen Protagonisten des 1. FC Heidenheim. Etwa mit FCH-Boss Holger Sanwald, der bei "Sky" direkt den Blick nach vorne richtete. "Wir werden wiederkommen", kündigte der Geschäftsführer an: "Davon bin ich überzeugt. Ein Neuaufbau, in der 2. Liga wieder anzugreifen, das kann auch Spaß machen."

Klar ist, dass dieser Neuaufbau mit Coach Schmidt, dessen Vertrag bis 2027 läuft, in Angriff genommen wird. Und Schmidt wäre nicht Schmidt, wenn er nicht im "schwersten Moment" schon wieder Angriffslust verspüren würde. "Wir werden es sacken lassen, es verarbeiten, dann stellen wir uns neu auf und werden die richtigen Entscheidungen treffen. Der Trainer bleibt wie immer der gleiche", blickte der 52-Jährige voraus. "Es wäre übertrieben jetzt zu sagen, dass ich schon Lust auf den Trainingsauftakt habe. Aber das wird relativ schnell kommen, weil die positiven Bilder und Emotionen bleiben werden. Das tut gut - und bedeutet gleichzeitig auch eine Riesenverantwortung."

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Johann Schicklinski