In den letzten zwei Jahren habe ich mich als Fußballreporter zweimal bei Trainer Frank Schmidt aufrichtig entschuldigt. Augenzwinkernd natürlich, nach meiner jeweiligen Fehleinschätzung, den 1.FC Heidenheim als klaren Absteiger aus der Bundesliga gesehen zu haben. Zweimal aber konnten die Schwaben die Klasse halten, zweimal lag ich fachlich daneben und war blamiert.
Ob ich mich nach der dritten Saison des FCH im Oberhaus ein drittes Mal entschuldigen muss? Wieder habe ich die Heidenheimer vor der Saison als krassen Abstiegskandidaten gesehen, weil Wille, Haltung und Mentalität allein nicht dauerhaft reichen. Und tatsächlich ist in diesem Jahr die (Bundesliga-) Luft oben auf dem zugigen Schlossberg noch dünner geworden.
Ernüchternde Zahlen
Nach der Niederlage im Kellerduell in Mainz ist das Team von Frank Schmidt zum Abschluss der Vorrunde ganz unten angekommen. 17 Spiele, Tabellenplatz 18, gerade mal zwölf Punkte, nur 16 Tore geschossen, dagegen mit 38 die meisten kassiert. Schlusslicht nach der Hälfte der Saison - eine ernüchternde Bilanz. Bittere Zahlen, die kaum Hoffnung auf den Klassenerhalt machen. Die Statistik sagt: In den vergangenen neun Jahren stieg der Letzte zur Bundesliga-Halbzeit am Ende immer ab.
Fehlerteufel in allen Mannschaftsteilen
Es sind aber nicht nur die nackten Zahlen allein, die beängstigen. Irgendwie fehlt es beim 1.FC Heidenheim sportlich zur Zeit in allen Bereichen. Zu viele leichte Fehler in der Defensive, zu ungefährlich in der Offensive. In Mainz patzte jetzt auch noch der Torhüter entscheidend. Richtig gute Phasen wechseln mit zu vielen schwachen Spielhälften. Konstanz? Fehlanzeige. Die unangenehme Wahrheit: Der FCH steht an diesem 14. Januar 2026 genau da, wo er aktuell hingehört: auf einem Abstiegsplatz.
Die neu entfachte Euphorie vor Weihnachten mit den beiden Siegen bei Union Berlin und gegen Freiburg ist viel zu schnell wieder erloschen, der erhoffte Aufschwung ins neue Jahr verpufft. Nur ein Pünktchen in den Spielen gegen St. Pauli und nach dem Jahreswechsel gegen Köln und Mainz - drei Kontrahenten auf Augenhöhe, das ist viel zu wenig zum Überleben. Am Samstag geht es nach Wolfsburg. Auch dort ist punkten Pflicht.
Was macht Hoffnung auf den Klassenerhalt?
Zweimal hat der Underdog allen Zweiflern zum Trotze den Klassenverbleib in der Bundesliga geschafft und der Hochglanz-Liga ein Stück verlorengegangene Fußball-Romantik zurückgegeben. Trotz des schmalen Budgets, trotz des Verlustes vieler Leistungsträger. Aber was macht diesmal Hoffnung in Heidenheim, dass es ein drittes Mal klappt?
Klar, da ist zum einen die bekannte Wagenburg-Mentalität rund um die FCH-Urgesteine Holger Sanwald und Frank Schmidt. Personelle Hauruck-Aktionen wird es auch ganz unten im Tabellenkeller nicht geben. Man bleibt ruhig rund um die kleine, stimmungsvolle Arena, arbeitet mit hochgekrempelten Ärmeln konzentriert weiter. Und, um zu den Zahlen zurückzukommen: Die Zweikampfbilanz, Sprintwerte und Laufleistung sind völlig in Ordnung.
Christian Conteh wechselt zum FCH Sprinter-Duo auf dem Schlossberg: Conteh-Brüder in Heidenheim wiedervereint
Der 1. FC Heidenheim verpflichtete am Montag (12.01.) mit Christian Conteh von Eintracht Braunschweig den Bruder von FCH-Stürmer Sirlord Conteh. Das 22. Brüderpaar bei einem Bundesligaverein - eine besondere Geschichte.
Abstände nach oben sind noch gering
Letzte Saison stand der FCH am 25. Spieltag noch auf Tabellenplatz 18 und schaffte mit einem Schlussspurt über die Relegation die Rettung. Auch der Blick auf die aktuelle Tabellenkonstellation zwingt Heidenheim nicht nur vorzeitigen Kapitulation. Die Abstände zu Mainz, St. Pauli, Augsburg und zum HSV sind noch recht gering und aufzuholen. Mit den beiden Winter-Neuzugängen Hennes Behrens und Christian Conteh sind begabte Fußballer dazugekommen, die den Konkurrenzkampf anheizen sollen.
Stefan Schimmer bester Joker der Liga
Und, nicht zu vergessen: Der Super-Joker der Bundesliga trägt das Trikot des 1.FC Heidenheim. Stefan Schimmer schoss in Mainz sein fünftes Saisontor als Einwechselspieler. Keiner kann es besser als der "Teilzeit-Bomber". Ein "Hoffnungs-Schimmer" für den FCH? Er allein wird nicht reichen.
Die Zweifel werden größer. Gerne aber liege ich erneut daneben mit meiner sportlichen Prognose und entschuldige mich dann ein drittes Mal bei Frank Schmidt für meine Fehleinschätzung. Wenn`s wieder klappt mit dem Klassenerhalt.