Fußball-Bundesliga

1. FC Heidenheim: Mit Tacheles aus dem Tabellenkeller?

Der 1. FC Heidenheim ist mit einer bitteren Niederlage in Leverkusen und als Tabellenletzter in die Länderspielpause gegangen. Das Ziel aber bleibt der Klassenerhalt.

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Stand

Von Autor/in Ann-Kathrin Rose

So lief die Saison bisher

Frank Schmidt und Patrick Mainka haben mit dem 1. FC Heidenheim schon fast alles erlebt – Last-Minute-Aufstiege, Überraschungssiege in der Bundesliga, der FCH international oder den späten Klassenerhalt in der Relegation in Elversberg im Mai. In der aktuellen Saison aber machen Trainer und Kapitän Erfahrungen, auf die sie beide wohl gern verzichtet hätten. Nach zehn Spieltagen sind die Heidenheimer Tabellenschlusslicht, mit gerade einmal fünf Punkten.

Am vergangenen Wochenende erlebten Schmidt, Mainka und Co. in Leverkusen den sportlichen Tiefpunkt dieser Spielzeit – ein 0:6. 90 Minuten zum Vergessen. Für Routinier Schmidt, der beim FCH seit 18 Jahren an der Seitenlinie steht und auch schon sportlich schwierige Zeiten erlebt hat, "mit der bitterste Moment". Mainka, der sich gemeinsam mit Teamkollegen und Trainerstab erst den mitgereisten Fans stellte und dann an die Mikros, sagte schließlich: "Es sah ganz, ganz schlimm aus und hat sich auch ganz schlimm angefühlt."

Wie schlimm, das fasst eine Szene nach Spielschluss zusammen. Die Heidenheimer Fans hissten die weiße Fahne. Ein Symbol, das in seiner Deutlichkeit kaum misszuverstehen ist. "Die Fetzen sind von den Fans schon geflogen, jetzt müssen wir auch untereinander Tacheles reden", sagte Mainka. Tacheles im Tabellenkeller, dabei war bis zum vergangenen Samstag in Leverkusen auch beim Tabellenletzten nicht alles schlecht.

Die Fans des 1. FC Heidenheim hissen die weiße Fahne
Die Fans des 1. FC Heidenheim hissten nach dem 0:6 in Leverkusen die weiße Fahne.

Was läuft gut?

Nach der Klatsche in Leverkusen würden viele Fans vermutlich sagen: "Nichts." Dabei hat das Team von Trainer Schmidt in den vergangenen Wochen – bis zum 0:6 in Leverkusen – sehr wohl gezeigt, dass es sich in einigen Bereichen entwickelt. Vor allem beim Remis gegen Champions-League-Teilnehmer Eintracht Frankfurt haben die Heidenheimer Zweikampf- und Einsatzwerte stark verbessert, schafften es bisweilen gar, die Hessen mit taktischen Kniffen vor Probleme zu stellen. Eine entscheidende Rolle dabei spielte Keeper Diant Ramaj, der seit dem Sommer die neue Nummer eins der Heidenheimer ist, und mit seinen langen und öffnenden Bällen etwa gegen die Eintracht enorm wichtig war. Ramaj ist mitspielender als etwa Vorgänger und Routinier Kevin Müller, geht dabei aber auch viel Risiko ein.

Und: Gegen die Eintracht fand die Schmidt-Elf zu alter Laufstärke zurück. Im ersten Bundesliga-Jahr war das ein enormer Vorteil der Heidenheimer, die nicht nur mit mannschaftlicher Geschlossenheit, individuellen Könnern wie etwa Tim Kleindienst, sondern auch mit starken Laufwerten punkteten – und in dieser Statistik weit oben mitspielten. In dieser Spielzeit kamen die Heidenheimer Profis aber auch da nur allzu selten an ihre einstigen Bestwerte heran. Immerhin: Gegen Frankfurt (123,4 km) lief der FCH (124,5) über einen Kilometer mehr als der Gegner. Ein kleiner Trend, mehr aber auch nicht.

Was muss besser werden?

"Nach zehn Spielen ist es sehr bitter und ernüchternd, hier zu stehen und gerade mal fünf Punkte auf dem Konto zu haben. Das haben wir auch verdient", sagte Trainer Schmidt nach dem 0:6 in Leverkusen und sprach dabei nicht nur schonungslos über den Tabellenstand der Heidenheimer, sondern auch über die Art und Weise, wie die Entwicklung zuletzt ihren sportlichen Tiefpunkt erreicht hatte: zumindest in Leverkusen ohne kämpferische Gegenwehr. "Die Fans haben das zurecht moniert. Das ist das Mindeste, was man erwarten kann", so Schmidt.

Das Mindeste – und das, was die Heidenheimer einst stark gemacht hat. Gehörte der FCH in seiner Premierensaison noch zu den laufstärksten Teams der Bundesliga, läuft die Mannschaft in dieser Spielzeit im Schnitt gut drei Kilometer weniger als der Gegner. In Leverkusen waren es sogar sieben Kilometer weniger. Sieben Kilometer, dafür aber sechs Gegentore.

Der Kader hat auch in diesem Sommer – und mit dem Abgang von Leonardo Scienza – noch einmal an individueller Klasse und Kreativität verloren. Auch über Standards geht inzwischen nur noch selten was. In der Offensive mangelt es vor allem im letzten Drittel an der Verarbeitung der Zuspiele, etwa über den Flügel. In Leverkusen war das aber nicht das Problem – da kamen die Heidenheimer ohnehin nur selten ins letzte Drittel, den ersten Torschuss gab gut zwanzig Minuten vor Schluss Arijon Ibrahimovic ab.

Ibrahimovic ist einer von wenigen Neuen im Team des FCH. Gerade einmal 19 Jahre alt, ist er ein Allrounder in der Offensive, hat dort schon auf vielen Positionen gespielt und setzt immer wieder Impulse. Etwas Zählbares ist dabei allerdings noch nicht herausgesprungen. Das Potenzial ist bei der Bayern-Leihgabe aber vorhanden.

Wie sind die Aussichten?

Zehn Spieltage, fünf Punkte, Tabellenende – die Zwischenbilanz der Heidenheimer ist ernüchternd. "Sorgen sollte jeder bei uns haben. Aber das wussten wir, dass das in der Saison so werden kann", fasst es Trainer Schmidt zusammen. Sorgen haben Fans und Verantwortliche vielleicht auch deshalb, weil Stand jetzt gerade wenig Mut macht. Der Kader ist schmal, es fehlt an Qualität und Konstanz – was Leistung und Ideen auf dem Platz angeht.

Sorgen sollte jeder bei uns haben. Aber das wussten wir, dass das in der Saison so werden kann.

Hinzu kommt der Ausfall von Sirlord Conteh sowie die schwere Verletzung von Leart Paqarada, der eigentlich die Defensive stabilisieren sollte – sich aber bei seinem Debüt für den FCH das Kreuzband riss. Die Heidenheimer müssen in der Länderspielpause ihre Klarheit wiederfinden – oder wie Mainka sagte: "Tacheles reden." Aber auch personell braucht das Team spätestens im Winter noch einmal Verstärkung.

Für den FCH bleibt das Ziel der Klassenerhalt. Wie schwer das aber wird, das haben Trainer Schmidt und Kapitän Mainka zuletzt klar ausgesprochen. Die nächste Aufgabe wartet nach der Länderspielpause: Dann kommt Borussia Mönchengladbach (22.11.25, 15:30 Uhr) auf die Ostalb.