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Scienzas Abgang aus Heidenheim: Mit Konsequenz zum Klassenerhalt?

Nach dem Abgang von Leo Scienza hat der 1. FC Heidenheim trotz hoher Ablöse keinen Last-Minute-Ersatz verpflichtet. Warum hat Trainer Frank Schmidt erklärt.

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Von Autor/in Ann-Kathrin Rose

Als um kurz nach 20 Uhr am Montagabend noch immer kein neuer Post auf dem Instagram-Account des 1. FC Heidenheim zu sehen war, dürften viele Fans auf der Ostalb kurz aufgeatmet haben. Das Transferfenster geschlossen – und für einen Moment noch die Hoffnung, dass mit Leo Scienza der Kreativspieler der vergangenen Wochen und Monate doch beim FCH bleiben könnte. Zwar hielten sich die Gerüchte um einen möglichen Abgang hartnäckig, viele hofften dennoch, dass Scienza sich doch für Schloss statt Southampton entschieden haben könnte.

Heidenheim, Southampton

Fußball | Bundesliga Scienza verlässt Heidenheim - Wechsel nach Southampton fix

Der 1. FC Heidenheim muss den Abgang eines wichtigen Offensivspielers verkraften. Für den Wechsel von Leo Scienza in die zweite englische Liga kassiert der FCH immerhin eine Rekordsumme.

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Keine drei Stunden später stand fest: Scienza hat die Heidenheimer verlassen und der englische Zweitligist schon die ersten in Hochglanz produzierten Videos mit dem 26-Jährigen auf seinen Kanälen gepostet. Fotos und ein als Computer-Spiel animierter Clip – mit dem Hinweis, dass dieser Neuzugang das Warten wert gewesen sei, schmerzte auf dem Schlossberg. Also die Anhänger.

Scienza als Heidenheimer Rekordtransfer?

Denn der englische Club soll zwischen neun und zehn Millionen Euro für Scienza gezahlt haben. Damit wäre er der Rekordtransfer des FCH nach Niklas Beste, der im Sommer 2024 für acht Millionen Euro zu Benfica Lissabon gewechselt war. "Die erzielte Einigung mit dem FC Southampton befindet sich nun in einer solchen wirtschaftlichen Größenordnung, dass wir diesem Wechsel jetzt zustimmen konnten", so Holger Sanwald, FCH-Vorstandvorsitzender.

Zwar war Scienza nicht ganz so prägend wie Beste, der gemeinsam mit Tim Kleindienst und Eren Dinkci eines der Gesichter und vor allem ein Leistungsträger des Heidenheimer Aufstiegsteams in die Bundesliga war, sorgte am Ende der vergangenen Bundesliga-Saison aber dafür, dass die Heidenheimer überhaupt noch dort spielen. Im Relegations-Rückspiel bei Zweitligist Elversberg war es Scienza, der den FCH zum Klassenerhalt schoss.

Mit Relegations-Treffer in die Vereinsgeschichte

In der fünften Minute der Nachspielzeit zeigte der Kreativspieler, in welchen Momenten er den Unterschied machen kann – tanzte durch die Defensive der Elversberger und traf zum Klassenerhalt. Dass er in den Monaten zuvor im Abstiegskampf eigentlich nur als Einwechselspieler eingesetzt wurde und so selten Akzente setzten konnte, war in diesem Moment vergessen. Scienza war all das in den Tiefen der Elversberger Stadionbaustelle mit einem lauwarmen Bier in der Hand "scheißegal" und Trainer Frank Schmidt betonte: "Für ihn war es nicht einfach mit mir, andersrum vielleicht auch nicht immer. Aber das ist wie in einer Ehe – da rumpelt es halt manchmal, am Ende muss man aber zusammenstehen."

Scienza, der sich nach seinem Wechsel aus Ulm bisweilen schwer tat und nur Monate vor eben jenem Tor als disziplinarische Maßnahme aus dem Kader flog, schien irgendwie angekommen im Team – und hätte in dieser Saison tatsächlich einer der prägenden Spieler werden können. Schließlich sorgte er etwa beim spielerisch ansonsten schwachen Saisonstart, dem 1:3 gegen den VfL Wolfsburg, für das einzige Heidenheimer Tor, zirkelte einen Freistoß direkt ins Tor und nährte bei vielen Fans die Hoffnung, dass vielleicht doch was geht in dieser Saison.

Scienzas Kreativität wird fehlen

Scienza wird dem Team mit seiner Kreativität, dem Heidenheimer Spiel mit eben jenen Momenten fehlen. Zumal sich der Verein entschieden hat, am Ende dieses in der Bundesliga wilden Transfersommers mit dem gerade eingenommenen Geld nicht noch schnell einen Scienza-Ersatz zu verpflichten. Und das offenbar nicht aus Ermangelung an Alternativen, sondern ganz bewusst.

In der offiziellen Mitteilung des Clubs zum Wechsel des Zauberfußes, heißt es, Schmidt habe sich sogar dafür "eingesetzt". "Vor allem auch deshalb, weil Leo Scienza zuletzt als Stürmer agierte und Marvin Pieringer in den nächsten Wochen auf den Platz zurückkehren wird. Aus diesem Grund vertraue ich zu einhundert Prozent unserem bestehenden Kader, der sich als verschworene Einheit dem großen Ziel Klassenerhalt verschreiben muss", so Schmidt.

Die Mission? Klassenerhalt

Am Ziel also ändert sich nichts. Und bei genauerem Blick auch nicht an Schmidts Überzeugungen. Dass Spieler von ihrer Aufgabe in Heidenheim überzeugt sein müssen, sich dem Ziel und dem Team unterordnen müssen – mit letzter Konsequenz, dafür aber das Vertrauen von Trainer und Verein bekommen. Mit dieser Überzeugung scheint der FCH jetzt auch auf dem Transfermarkt zu agieren, oder wie nach dem Abgang von Scienza, bewusst nicht zu agieren. Das Ziel bleibt.

"Diese erneute Sensation kann uns nur gelingen, wenn wir als Mannschaft bedingungslos zusammenhalten und uns die gesamte FCH-Familie dabei auf diesem Weg geschlossen unterstützen wird. Darauf setze ich als Trainer!", wird Schmidt weiter zitiert. Das Ausrufezeichen am Ende des Satzes, es ist kein Versehen – es ist die Mentalität, mit der die Heidenheimer in die nächsten Wochen und Monate gehen.

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Ann-Kathrin Rose