"Es wäre ein schönes Tor gewesen", sagte Frank Schmidt nach dem 0:1 seines 1. FC Heidenheim bei Eintracht Frankfurt. "Wir sind gerade nicht verwöhnt mit spielentscheidenden Situationen, die für uns laufen." Erzielt hätte es Sirlord Conteh nach einem wunderbaren Pass von Hennes Behrens mit einem wunderbarem Lupfer über Eintracht-Keeper Michael Zetterer hinweg. Doch der VAR verweigerte diesem Kunstwerk die Anerkennung.
Denn Sirlord Conteh stand bei Behrens' Pass im Abseits. Hauchzart. Also hauch-hauchzart. So hauchzart, dass einzig das Vertrauen in die kalibrierte Linie über die Nachvollziehbarkeit dieser Entscheidung ausschlaggebend ist. "Knapper geht es kaum", sagte Heidenheims Chefcoach. "Ärgerlich."
Heidenheim mit hartem Kampf und lahmer Offensive
Auch sonst lieferte der 1. FC Heidenheim Eintracht Frankfurt einen harten Kampf. "Wir haben lange Zeit gar nichts zugelassen", lobte Schmidt. "Leider nutzt dann Frankfurt den Standard, um das Spiel in die eigene Richtung zu drehen." Und zwar in Person von Arnaud Kalimuendo, der bei seinem Seitfallzieher ausnutzte, dass Behrens den Ball nur zur Mitte klären konnte (53.). "Wir passen dann einmal nicht auf und kassieren gleich das Gegentor", ärgerte sich Eren Dinkci.
Zum Spiel gehört jedoch auch, dass Heidenheim nach vorne nicht viel zustande brachte - "außer einen Freistoß und zwei Eckbälle hatten wir nichts", resümierte Frank Schmidt. Auch nach Robin Kochs Ampel-Karte (74.) war Frankfurt der Entscheidung näher als Heidenheim dem Ausgleich. Gegen die Eintracht sei es halt "nicht so einfach, wenn man dann den Ball gewinnt, bei hohem Puls eine klare Birne zu haben", meint Dinkci. "Aber ich finde, dass wir es trotzdem gut gemacht haben." Doch auch er sagt, Heidenheim müsste sich "in Überzahl natürlich ein bisschen schlauer anstellen, um bessere Chancen herauszuspielen."
Schmidt zufrieden mit der Heidenheimer Leistung
War es der Tabellensituation geschuldet, dass Heidenheim sich so eingeigelt hat? "Das liegt an meinen Hirn", sagte Schmidt. "Ein bisschen was überlegen wir uns ja auch." Dann führte er aus: "Der Gegner braucht Tiefe, der braucht Räume. Man muss ja bloß mal die Auftstellung bei Frankfurt anschauen: viele schnelle Spieler, wendige Spieler. Und das Spiel ist nicht 6:0 für Frankfurt ausgegangen, sondern 1:0 - und wir hatten unsere Möglichkeiten gehabt, hier was mitzunehmen."
Mit Anstand zu verlieren, ist das der neue Anspruch, nachdem der Klassenerhalt bei zehn Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz in weite Ferne gerückt ist? "Jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt", erklärte Schmidt. "Das ist bei uns nicht die Tabelle oder der Klassenerhalt."
Heidenheim will die Bundesliga genießen
Am Kampf ist Heidenheim jedenfalls nicht gescheitert: "Die Mannschaft hat alles probiert, hier etwas mitzunehmen. Leider ist uns das nicht gelungen"; sagte Schmidt. "Wir müssen einfach mal wieder ein Spiel gewinnen, das ist unsere Motivation", ergänzte Dinkci. "Das hat man heute wieder gesehen: Dass wir Bock hatten, die Bundesliga zu genießen."
Achtmal darf Heidenheim die Bundesliga noch genießen - kommende Woche ist Bayer 04 Leverkusen auf dem Schlossberg zu Gast. Schmidt wird seine erneut antreiben, "das Maximale herauszuholen". Vielleicht ja einen Sieg - vorausgesetzt, die spielentscheidenden Situationen laufen doch mal für den FCH.