"Wir hatten sie am Rande eine Niederlage", sagte Kapitän Patrick Mainka nach dem 3:3 beim FC Bayern München. Der 1. FC Heidenheim hat in seinem 100. Bundesliga-Spiel in der 100. Minute den Ausgleich gefangen. Durch ein Billard-Tor. Michael Olise hatte aus 20 Metern abgezogen und an den Pfosten geschossen. Vom Aluminium prallte der Ball an den Rücken von Torwart Diant Ramaj. Und von dort kullerte er ins Tor. Doppelt bitter: Die lange Nachspielzeit gab es nur, weil Ramaj seinem Verteidiger Jonas Föhrenbach bei einer unglücklichen Abwehr-Aktion die Nase gebrochen hatte.
Zivzivadze schnürt den Doppelpack für Heidenheim
Budu Zivzivadze (22.) und Eren Dinkci (31.) hatten Heidenheim in Führung geschossen. Und als Leon Goretzka diese Führung ausglich (44. und 57.), hatte Zivzivadze Heidenheim einfach nochmal in Führung geschossen. Das Team von Patrick Mainka war der Sensation nahe. "Es ist trotzdem ein besonderes Spiel für uns gewesen. Das kann uns keiner nehmen", sagte der 31-Jährige, der in München ebenfalls sein 100. Bundesliga-Spiel gespielt hatte. "Aber es ist Wahnsinn, einfach so enttäuscht zu sein nach dem Spiel."
Heidenheim war über weite Strecken hinweg die bessere Mannschaft, "weil alles, was wir uns vorgenommen haben, funktioniert hat. Wir wussten, dass die Umschalt-Momente da sein werden. Und wir wussten, dass das die Momente sind, in denen den Bayern zwischen diesen beiden wichtigen Spielen [in der Champions League gegen Paris Saint Germain] vielleicht ein paar Prozente fehlen ."
Frank Schmidt ist stolz auf seine Heidenheimer
Da konnte auch der Trainer nicht widersprechen: "Ich bin unheimlich stolz auf meine Mannschaft", sagte Frank Schmidt. "Natürlich ist es so, dass es sich anfühlt, wie eine Niederlage, weil wir den Sieg verdient gehabt hätten, weil wir genügend Chancen haben, weil wir für ein offenes Spiel gesorgt haben, weil wir mutig waren und weil wir offensiv gespielt haben."
Es hat an diesem Samstag eigentlich alles gepasst - bis auf den Ausgleich in der wirklich allerletzten Sekunde. "Das ist unfassbar bitter für die Mannschaft", sagte Schmidt. "Man kann das negativ sehen. Aber ich sehe es trotzdem positiv: Einen Punkt bei den Bayern geholt und alle sind enttäuscht - das heißt, dass wir ein gutes Spiel gemacht haben."
Heidenheims Zivzivadze in Feierlaune
Darum war Doppelpacker Zivzivadze auch sehr nach Feiern zumute: "Unglaublich. Ich bin so glücklich", sagte der 32-Jährige. "Als ich Kind war, habe ich immer davon geträumt, gegen die ganz großen Klubs zu spielen. Und dann gleich zweimal zu treffen, ist ein unbeschreibliches Gefühl. Meine ganze Familie war heute im Stadion und wenn ich nach Hause komme, feiern wir diesen Erfolg."
Was ist der Punkt für Heidenheim wert?
Der eine Punkt ist nicht der große Befreiungsschlag. Allerdings hat der FC St. Pauli gegen Mainz 05 verloren. Damit stand am Sonntagnachmittag auch unabhängig vom Wolfsburger Ergebnis beim SC Freiburg fest, dass Heidenheim sich noch immer Hoffnung auf den Klassenerhalt machen kann.
Frank Schmidt hatte am Sonntag jedoch keine Lust, vor dem Fernsehen zu zittern: "Ich schaue es nicht", sagte er lapidar. "Die Ergebnisse stehen auch ohne mich fest. Wir können nur beeinflussen, was wir selber umsetzen können."
Und damit meinte er die Leistung seiner Mannschaft: "Wenn man die letzten Wochen und das Spiel heute nimmt - wenn wir es schaffen, das auch in die nächsten Wochen bekommen, dann traue ich uns zwei Siege zu", sagte Schmidt. Deren Wert zeigt sich jedoch erst in der Abschluss-Tabelle. Denn Heidenheim muss bis zum letzten Spieltag hoffen, dass nicht nur die eigenen, sondern auch die Ergebnisse von St. Pauli und Wolfsburg stimmen. Schmidt will jedoch nicht spekulieren: "Was wir nicht beeinflussen können, juckt mich nicht."
Heidenheim hofft auf den Showdown
Patrick Mainka will die beiden Spiele beim 1. FC Köln (Sonntag, 10.5., 17:30 Uhr) und gegen Mainz 05 (Samstag, 16.5., 15:30 Uhr) auf jeden Fall genießen: "Wir werden auch in den letzten beiden Spielen nochmal alles auf dem Platz lassen. Dann wollen wir noch sechs Punkte holen. Und was die dann wert sein können, das werden wir dann sehen."
Das sieht Frank Schmidt so: "Wir stehen dafür, nie aufzugeben. Wir stehen dafür, zu kämpfen, bis zum Schluss. Und ich denke, das hat man heute gesehen. Als Tabellenletzter hier so zu spielen das zeigt, dass die Mannschaft bereit ist, diesen ganz schweren Weg bis ganz ans Ende zu gehen."