"Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß." Dieses Zitat, das Fußball-Weltmeister Andreas Brehme zugeschrieben wird, beschreibt treffend, was der 1. FC Heidenheim bei der 0:2-Heimpleite im Keller-Duell am Samstag erleben musste.
Bezeichnend für die aktuelle Gesamtsituation der Heidenheimer war eine Aktion in der 84. Minute des Spiels, die den abstiegsbedrohten Gastgebern die Resthoffnung auf zumindest einen Punktgewinn nahm. Der vermeintliche 1:2-Anschlusstreffer von Stefan Schimmer wurde von Schiedsrichter Daniel Siebert nach Videobeweis zurückgenommen. Teamkollege Budu Zivzivadze stand Millimeter im Abseits. Heidenheim-Coach Frank Schmidt schaute sich die Szene sofort auf dem Tablet an – und winkte nach der Rücknahme des Tores konsterniert ab. Er wusste, es war ein gebrauchter Nachmittag für sein Team.
Nach dieser bitteren Niederlage zieht sich die Schlinge im Abstiegskampf der Bundesliga noch enger um den Heidenheimer Hals. Das Team von der Ostalb hat nach 21 Spielen als Tabellenletzter mit nur 13 Punkten bereits sechs Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz (Werder Bremen mit 19 Punkten). Die Mathematik ist gnadenlos, die Spieltage werden weniger.
Im Spiel gegen den HSV zeigte sich in vielen Bereichen, warum Heidenheim seit dem Nikolaustag am 6. Dezember 2025 (2:1-Sieg gegen den SC Freiburg) kein Bundesliga-Spiel mehr gewonnen hat und zudem das schwächste Heimteam (9 Punkte) der Liga ist.
Mangelnde Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor
Vor allem der Offensive fehlte vor dem Tor von HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes die Kaltschnäuzigkeit. Diese mangelnde Chancenauswertung zieht sich schon durch die gesamte Heidenheimer Saison. Dabei waren gegen die Hanseaten genügend Torchancen da. Dorsch (5.), Pieringer (30.), Mainka (67.) oder Gimber (76.) hätten bei ihren Möglichkeiten die Kugel im Tor unterbringen können. So aber bleibt der Konjunktiv.
Die dürftige Chancenverwertung sprach nach Spielende auch Kapitän Patrick Mainka im SWR-Interview an. "Nach Standards waren wir zwar gefährlich, aber aus dem Spiel heraus weniger." Leicht frustriert fügte er hinzu: "Wir bringen uns Woche für Woche um den eigenen Lohn."
Auch Trainer Frank Schmidt musste einmal mehr feststellen: "Wir haben wieder genügend Chancen gehabt. In einem ausgeglichenen Spiel macht der Gegner zwei Tore, wir aber keins. Das ist schade."
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Die gesamte Offensivabteilung der Heidenheimer hat in dieser Saison nur neun Tore erzielt (Stefan Schimmer ist mit fünf Treffern Top-Torschütze). Dass Arijon Ibrahimovic ligaweit der erfolgloseste Schütze ist, ist die traurige Krönung der zutiefst unbefriedigenden Abschlussschwäche des Schmidt-Teams.
Drei Punkte hatte Frank Schmidt gegen den HSV gefordert. Dies war nicht als Wunsch formuliert, sondern als Notwendigkeit. Nun bleiben noch 13 Saisonspiele, um das fast Unmögliche möglich zu machen. "Der Glaube wird bis zum Ende hochgehalten", sagte Mainka. "Wir haben es oft genug gezeigt, dass wir konkurrenzfähig sind. Aber wir müssen lernen, den nächsten Schritt zu gehen."
Mainka hatte vor allem zu Spielbeginn einige Fouls einstecken müssen. Entsprechend schmerzte sein ganzer Körper nach dem Abpfiff. Aber das werde er wegstecken. "Heute tut es im Kopf und im Herzen deutlich mehr weh", sagte der Heidenheimer Leader, der sein 89. Bundesliga-Spiel in Folge über die gesamte Spiellänge bestritt.
Frank Schmidt: "Es wird Woche für Woche schwieriger"
Auch sein Coach weiß, "dass es Woche für Woche für jeden schwieriger wird." Er könne nachvollziehen, dass die Hoffnung bei den Fans schwinde. "Aber wir wollen als Mannschaft versuchen, diesen brutalen Widerstand zu überwinden."
Am kommenden Sonntag (15:30 Uhr) muss Heidenheim beim FC Augsburg ran. Wenn die Heidenheimer nicht bald ihren vierten Saisonsieg einfahren, droht der Absturz in die Zweitklassigkeit.