Der Heidenheimer Coach fand im Interview mit der Süddeutschen Zeitung deutliche Worte zum seiner Ansicht nach überhitzten Profifußball-Geschäft. Das Rad sei überdreht wie noch nie, sagte der 52-Jährige. "Mein Eindruck: So sehr ums Geld wie zurzeit ging es noch nie. Die Spieler, die vom Karrierestatus her zu uns passen und die wir immer bekommen haben, die haben wir im vergangenen Sommer zum ersten Mal nicht mehr bekommen."
Heidenheim sei daher trotz des Aufschwungs der vergangenen Jahre in einer schwierigen Situation. "Man könnte vermuten: drittes Jahr Bundesliga, Europapokal gespielt, Geld für Transfers eingenommen, das läuft. Aber die Rahmenbedingungen um uns herum haben sich verändert, der Markt ist überhitzt wie noch nie", so Schmidt. Besonders die Erinnerung an die Demut während der Coronazeit lässt Schmidt im Rückblick stutzen. "Die große Frage war damals ja: Wird es den Profifußball überhaupt weiterhin geben? Und falls ja, dann müssen wir aber wirklich darauf achten, dass das Rad nicht gleich wieder überdreht wird... und jetzt ist genau das Gegenteil passiert", sagte er.
"Wir wurden benutzt, um die Preise nach oben zu treiben"
Schmidt, seit über 18 Jahren Cheftrainer in Heidenheim und dienstältester Coach der Bundesliga, nannte ein konkretes Beispiel, wie schwer es für den Verein sei, im hochpreisigen Geschäft wettbewerbsfähig zu bleiben. Vor der laufenden Saison, so Schmidt, habe man mit drei Linksverteidigern gesprochen, einem Spieler aus der dritten Liga, zwei Profis aus der zweiten, also Heidenheims klassisches Beuteschema.
"Am Ende haben wir keinen von ihnen bekommen. In diesem Fall bin ich mir relativ sicher, dass wir benutzt wurden, um die Preise nach oben zu treiben." Er habe den Eindruck, "so sehr ums Geld wie zurzeit ging es noch nie. Die Spieler, die vom Karrierestatus her zu uns passen und die wir immer bekommen haben, die haben wir im vergangenen Sommer zum ersten Mal nicht mehr bekommen."
Schmidt: "Der Patient Heidenheim ist auf dem Weg der Besserung"
Dennoch will er sich über die begrenzten wirtschaftlichen Möglichkeiten seines Clubs nicht beschweren. Als er bei seiner Vertragsverlängerung 2021 mit der Entwicklung konfrontiert worden sei, habe er gesagt: "Ich gehe diesen Weg zu 100 Prozent mit."
Vor dem wichtigen Auswärtsspiel seiner Mannschaft beim 1. FC Köln (Sonntag, 17:30 Uhr) lebt nach wie vor die Hoffnung auf den Klassenverbleib in Heidenheim. Schmidt: "Der Patient Heidenheim ist gerade massiv auf dem Weg der Besserung. Der Arzt hat gesagt: Könnte noch gut ausgehen."
Wenn durch Schmidts Ansage ein Ruck durchs Team geht
Noch vor acht Wochen hätte er sich nie vorstellen können, jetzt noch zwei Endspiele in der Bundesliga zu haben. Damals hatte Heidenheim zehn Punkte und 15 Tore Rückstand auf den Drittletzten. Daraufhin verkündete Schmidt auf einer Pressekonferenz, er werde auch im Falle eines Abstiegs Heidenheim-Trainer bleiben. Offensichtlich sorgte diese Klarheit für einen Ruck im Team. "Auffällig ist jedenfalls, dass wir seitdem wieder Heidenheim-Fußball spielen", sagte Schmidt.
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Zuletzt hatte der Coach, der seit September 2007 bei den Heidenheimern an der Seitenlinie steht, angedeutet, dass die kommende Saison "mutmaßlich" seine letzte in Heidenheim sein könnte. "Im Moment fühlt es sich für mich so an, als würde ich hier keinen neuen Vertrag mehr unterschreiben und dementsprechend im Sommer 2027 hier aufhören."
Doch jetzt heißt es erst mal volle Konzentration auf das Bundesliga-Finish. Die Sache mit dem Klassenverbleib wird nicht einfach. "Aber es wäre wieder eine echte Heidenheim-Geschichte", sagt Schmidt.