Heidenheim vor Spiel gegen Stuttgart

"Als Einheit überragend": Heidenheim mit alten Tugenden zu neuer Stärke?

Der 1. FC Heidenheim hat mit der Rückkehr zu sportlichen Tugenden, die den Club einst stark gemacht haben, die ersten drei Punkte der Saison geholt. Die könnten auch gegen den VfB Stuttgart wichtig werden.

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Von Autor/in Ann-Kathrin Rose

Sirlord Conteh legte seine Stirn in Falten und lächelte, fast ein wenig verlegen. All die Emotionen zu sortieren, all das zu ordnen, was in den gut 90 Minuten zuvor und nach dem Spiel gegen den FC Augsburg passiert war, fiel ihm sichtlich schwer. "Es ist schwer in Worte zu fassen", sagte Conteh, rieb sich mit der Hand über die Schläfe und fügte hinzu: "Wir hoffen einfach nur das Beste. Das ganze Team steht auf jeden Fall hinter ihm." Die Hoffnung und Wünsche für den Heidenheimer Fan, der kurz vor Ende der Partie des FCH gegen den FC Augsburg, aus dem Fanblock mehrere Meter tief gestürzt war, sich schwer verletzt hatte, war an diesem Samstagabend (27.09.2025) das zentrale Thema bei Spielern, Fans und Verantwortlichen. Zu sehr hatten die dramatischen Ereignisse alle im Stadion emotional mitgenommen.

Heidenheim als Einheit zum Erfolg

Dabei waren die fast 90 Minuten zuvor sportlich zum ersten Mal in dieser Saison wieder etwas leichter. Die Heidenheimer hatten sich in die Partie reingearbeitet, nicht ausschließlich schön, aber mit viel Intensität die harmlosen Augsburger vor Probleme gestellt und sich schließlich dafür belohnt. Letzteres war dem FCH zuletzt etwa beim Gastspiel in Hamburg nicht gelungen. "Das ist immens wichtig gewesen", sagt Conteh über die sportliche Bedeutung der ersten drei Punkte dieser Saison. "Es war wichtig, dass wir als Team, als Einheit gespielt haben. Das hat man auch gemerkt."

Eben jene Einheit hatte es auf dem Platz geschafft, sich in einem bisweilen zerfahrenen Spiel defensiv geschlossen und in der Offensive zwar nicht ausschließlich mit Leichtigkeit zu agieren, aber eben jene zwei Chancen zu nutzen, die beim 2:1 gegen den FCA den Unterschied machen sollten. "Es hat Spaß gemacht, Fußball zu spielen", sagte Conteh und hatte damit etwas verinnerlicht, an das Trainer Frank Schmidt in den Wochen vor dem ersten Saisonsieg immer wieder erinnert hat: den Spaß - am Fußball, am Privileg Bundesliga, den der Coach auch auf dem Trainingsplatz sehen wollte.

Sportliche Steigerung, starkes Duo

Der Glaube daran, dass bei den Heidenheimern mit einem Sieg – in diesem Fall sogar mit dem ersten Heimsieg seit Mitte März – die Überzeugung von der eigenen Stärke wieder etwas greifbarer und sichtbarer würde, hatten Spieler und Schmidt in den vergangenen Wochen immer wieder betont. Sportlich aber war sie gegen Augsburg auch wieder zu sehen und dazu bisweilen auch jene Stärken, die die Heidenheimer einst in die Bundesliga gebracht haben. Das zeigt ein Blick auf die Statistik.

Defensiv stabil ließ die Heidenheimer Hintermannschaft nur einen Torschuss der Augsburger zu, der allerdings zum Anschlusstreffer saß. "Natürlich kassieren wir ein blödes Gegentor. Aber die Jungs waren da und haben alles wegverteidigt. Ein Riesenlob an sie", vergab Conteh. Und nicht nur in der Defensive agierten die Heidenheimer konsequent. Sie agierten "als Einheit. Das ist überragend gewesen", sagte er, der gemeinsam mit Mikkel Kaufmann zudem die Torflaute der vergangenen Wochen beendet hatte.

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Auch gegen den VfB zurück zu alten Tugenden?

Zwei Tore, zwei Mal fast schon Copy/Paste: Zur Führung legte Conteh für Kaufmann auf (47. Minute), beim 2:0 machten es die beiden dann genau anders herum. "Darüber freue ich mich wirklich sehr. Das hat man gemerkt, dass wir uns das gönnen", verriet Conteh, der in dieser Partie genau so viele Scorer-Punkte sammelte, wie in seinen ersten 32 Bundesliga-Spielen zusammen. Kaufmann verdoppelte seinen Wert sogar.

All das dürfte auch am Sonntag (15:30 Uhr, im Audio-Livestream auf sportschau.de) beim Gastspiel beim VfB Stuttgart wieder von zentraler Bedeutung sein. "Ich hoffe, dass wir die Leistung auch in Stuttgart zeigen können", so Conteh. Das aber dürfte alles andere als einfach werden.

Personalsorgen auch um Kapitän Mainka

Denn nicht nur die Torschützen Conteh und Kaufmann, auch Stefan Schimmer, Mathias Honsak und Kapitän Patrick Mainka sind angeschlagen. "Sie haben diese Woche bis jetzt noch nicht trainiert oder nur Teile vom Mannschaftstraining absolviert", sagte Schmidt auf der Pressekonferenz vor dem Spiel in Stuttgart. "Der Kader ist groß genug, natürlich wird es in der Offensive bei den Namen ein bisschen schwieriger. Wir müssen noch mal alle Kräfte bündeln", sagte Schmidt, der noch einmal darauf verwies, dass sein Team sich in den vergangenen Wochen stetig gesteigert habe.

"Der VfB ist Favorit, aber es ist alles andere als ausgeschlossen, dass wir in Stuttgart was holen können", sagte Schmidt. Mit defensiver Stabilität und offensiver Kraft wollen die Heidenheimer so die nächsten Punkte holen. "Back to the Roots" also, mit den einstigen Tugenden wieder zum Erfolg.