Fußball | Bundesliga

"Zirkusdirektor" Christian Ilzer - zwischen sportlichem Erfolg und politischen Querelen

Trotz der Querelen in und um den Klub erlebt Fußball-Bundesligist TSG Hoffenheim eine sportliche Erfolgsserie. Am Samstag schlugen die Kraichgauer RB Leipzig mit 3:1.

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Die Partymusik aus der Kabine wummerte so laut durch die Gänge, dass die Nebengeräusche im Kraichgau wenigstens für ein paar Minuten in den Hintergrund traten. "Wir sind unglaublich glücklich. Wir können auch Topteams besiegen", frohlockte Trainer Christian Ilzer nach dem 3:1 (2:1) der TSG Hoffenheim gegen RB Leipzig. Es sei "extrem erfreulich, so ein Spiel zu gewinnen", so der TSG-Trainer am SWR-Mikrofon. Zufrieden verwies der Coach auf eine aufkommende "Gruppendynamik" in seinem Team. Diese Dynamik des im Sommer runderneuerten Fast-Absteigers der vergangenen Saison, die mittlerweile zu vier Siegen in Folge in der Fußball-Bundesliga geführt hat, erscheint angesichts der Begleitumstände umso erstaunlicher.

Wie aufgeladen die Atmosphäre rund um die TSG ist, machte die fragwürdige Protestaktion einiger Fans vor der RB-Partie deutlich. Die Anhänger verteilten rund um die Sinsheimer Arena "Steckbriefe" des umstrittenen Spielberaters Roger Wittmann. In dem "Fahndungsaufruf" wurde Wittmann aufgrund seines großen Einflusses auf den mittlerweile 85 Jahre alten TSG-Gesellschafter Dietmar Hopp als "Enkeltrickbetrüger" bezeichnet.

Sprechchöre gegen Wittmann

Während der Begegnung wurde Wittmann mit Sprechchören immer wieder nahegelegt, sich vom Verein fernzuhalten. Am Mittwoch hatte der Klub bekannt gegeben, dass Markus Schütz (Vorsitzender der Geschäftsführung) sowie Finanzchef Frank Briel die TSG verlassen müssen. Die Trennung soll Medienberichten zufolge das Resultat interner Streitigkeiten gewesen sein. Dabei geht es um das erlassene Haus- und Stadionverbot gegen Wittmann, einen engen Freund Hopps. Schütz und Briel galten als Hauptinitiatoren hinter der Verhängung des Verbots für Wittmann, dem Beleidigungen und eine Drohung gegen die Geschäftsführung vorgeworfen wurde. Er hatte dem Verbot zuletzt per einstweilige Verfügung erfolgreich entgegengewirkt und sich anschließend gemeinsam mit Hopp im TSG-Stadion gezeigt.

Trotz aller vereinspolitischer Querelen - sportlich hatte die Hoffenheimer Mannschaft eine Antwort auf dem Rasen gezeigt. Toptalent Yan Diomande hatte RB Leipzig zwar früh in Führung gebracht (9. Minute). Albian Hajdari (20.) und Tim Lemperle (38.) drehten die Partie jedoch noch vor der Pause zugunsten der Hoffenheimer, die nach einem Konter durch Grischa Prömel (79.) nachlegten.

"Zirkusdirektor" Christian Ilzer

Für Christian Ilzer gab es danach kein Halten mehr. Mit vollem Körpereinsatz jubelte der TSG-Coach in seiner Coaching-Zone: "Der Trainer ist der Zirkusdirektor in der Unterhaltungsbranche", erklärte Ilzer nach dem Spiel verschmitzt: "In gewissen Momenten kann man seinen Emotionen dann auch freien Lauf lassen. Aber ich war brav in meiner Coaching Zone!", so der Cheftrainer lachend.

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Pirmin Styrnol

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