SWR Sport: Hallo Pascal Stenzel, wie geht es Ihnen?
Pascal Stenzel: Gut, gut. Anders natürlich als die Jahre davor, wo man irgendwie seinen klaren Ablauf hatte im Fußball. Jetzt habe ich viel Zeit für die Familie, und es gibt trotzdem viel zu tun. Aber mir geht's gut, danke.
Sie waren bis zum Sommer sieben Jahre beim VfB Stuttgart, sind aktuell vereinslos. Wie ist die Perspektive? Was haben Sie in Ihrem Profileben noch vor?
Pascal Stenzel: Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, weil man das ja nicht alles selbst in der Hand hat. Wenn ich mir das alles frei aussuchen könnte, dann würde ich natürlich gerne noch mal irgendwo eine Herausforderung annehmen, die zu mir passt, die zu meiner Familiensituation passt. Einfach noch mal die Möglichkeit haben, ein bisschen mehr auf dem Platz zu stehen. Zu zeigen, was man kann, so in allen Facetten.
Ich glaube, das, was ich beim VfB erleben durfte, das hat mich dann schon irgendwo auch geprägt und mich zu einem Spieler und zu einem Menschen gemacht, der alles in eine Mannschaft einbringen kann, in jeder Rolle. Aber ich weiß auch, dass es nicht immer so ist, wie man sich das wünscht. Und deswegen bin ich da auch nicht zu festgefahren, dass man dann am Ende irgendwie enttäuscht wird, wenn es doch nicht aufgeht.
Sie sind inzwischen mit Ihrer Familie nach Freiburg gezogen, Ihre Frau stammt aus Freiburg. Was würde Sie denn reizen? Vielleicht auch das benachbarte Ausland? Mit 30 Jahren sind Sie ja noch im besten Fußballalter.
Pascal Stenzel: Ja, das auf jeden Fall. Ich bin auch ständig dran, mich fit zu halten, das habe ich nicht vernachlässigt. Deswegen bin ich schon vorbereitet auf alles, was jetzt kommt. Ich würde gerne eine neue Aufgabe annehmen, die zu meiner Situation passt, zu meiner Familie. Ich möchte jetzt ehrlicherweise nicht mehr komplett ohne die Familie leben. Aber ich weiß natürlich auch, dass es für manche Herausforderungen Kompromisse geben muss. Sie haben ja das Ausland, wahrscheinlich dann mit der Schweiz angesprochen...
Beispielsweise, ja...
Pascal Stenzel: Sowas wäre auf jeden Fall interessant, aber auch da steckt man ja nicht immer selber drin. Aber klar, sowas ist natürlich interessant. Grundsätzlich würde ich jetzt erstmal nichts ausschlagen, aber im Laufe der Gespräche wird man dann ja schon irgendwann merken, was passt. Wenn es eine gute Option gibt, dann höre ich mir gerne erstmal alles an und kann dann abwägen, ob es stimmt oder nicht.
Pascal, Sie waren insgesamt sieben Jahre beim VfB Stuttgart. Was ist denn da hängen geblieben, was ist übrig geblieben aus dieser doch sehr intensiven Zeit?
Pascal Stenzel: Die Menschen auf jeden Fall. Man muss das ja irgendwie einteilen in zwei Richtungen. Einmal das Sportliche und einmal das, was so drumherum passiert ist. Und ich habe jetzt tatsächlich mit der Zeit gemerkt, dass mir vor allem der tägliche Umgang fast am meisten fehlt. Also diese Kleinigkeiten, die gar nicht so richtig messbar sind.
Da kommt jetzt nicht als erstes der Pokalsieg in meinen Kopf oder irgendein besonderes Spiel. Es ist dann doch eher das Kaffeetrinken am Morgen mit den Jungs, was irgendwie Routine war. Das Frühstücken, das Quatschen, auch mal mit dem Trainer unter vier Augen. Einfach sich auszutauschen. Das ist das, was fehlt.
Aber natürlich sind auch sportlich gesehen extrem viele Sachen hängengeblieben. Von der Zweiten Liga, an die ich noch ganz viele Erinnerungen habe, weil es mein erstes Jahr in Stuttgart war. Da gibt es auch die schwierigen Phasen, die ganz erfolgreichen, die Champions League. Da ist schon ganz, ganz viel bei mir hängengeblieben.
Und was auch hängen geblieben ist bei vielen VfB-Fans: Sie sind oder waren über lange Zeit der "Fußballgott" bei den Anhängern des VfB Stuttgart. Obwohl Sie, bei allem Respekt, nicht einer der ganz großen Stars waren. Wie können Sie sich das im Nachhinein erklären? Und wie gut hat Ihnen das getan?
Pascal Stenzel: Ich habe ja oft in Interviews gesagt, dass ich den Namen jetzt nicht unbedingt bräuchte und dass ich das gut einschätzen kann. Wahrscheinlich hat das ein Großteil der Fans irgendwie mit einem Schmunzeln gerufen. Ein anderer Teil war vielleicht dankbar, dass ich nicht nur die positiven Zeiten vom VfB kennengelernt habe, sondern auch davor schon da war. Und: ich habe mich einfach auch nicht so wichtig genommen. Ich habe stattdessen immer versucht, meine Rolle, die ich hatte, mit Leben zu füllen.
Ich glaube, es ist so ein Mix aus einem Augenzwinkern und Dankbarkeit von vielen Menschen. So habe ich es zumindest wahrgenommen. Auch in Gesprächen mit Fans und Anhängern, die das einfach geschätzt haben, so wie ich war und was ich gemacht habe. Und darüber bin ich natürlich sehr, sehr dankbar. Also das ist ja dann schon irgendwie das schönste Feedback, was man bekommen kann. Ob es jetzt den Namen gebraucht hätte oder nicht, das lassen wir mal dahingestellt.
Fußballfans haben ja auch eine ganz sensible Ader. Kann es sein, dass die einfach gespürt haben: da ist einer, der steht nicht über uns, der ist eher unter uns?
Pascal Stenzel: Ja, ich glaube jeder, der mich kennenlernte, der hat gemerkt, dass ich relativ normal bin und man ganz gut mit mir reden kann. Ich habe immer versucht, beim VfB mit meiner Art und Weise ein Stück weit alles zu tun, damit wir erfolgreich sind. Ich glaube, das wurde dann irgendwann auch gesehen und geschätzt.
Pascal Stenzel, zur aktuellen Bundesliga. Am Samstagabend gibt es das Topspiel zwischen zwei Ihrer ehemaligen Vereine. Der VfB Stuttgart empfängt Borussia Dortmund. Wie nah sind Sie da noch dran, wie würden Sie dieses Duell einschätzen?
Pascal Stenzel: Also am BVB bin ich jetzt ehrlicherweise fast gar nicht mehr dran, außer dass jetzt mein bester Freund im Verein arbeitet. Auf jeden Fall ist es ein sehr, sehr spannendes Duell. Der VfB hat gerade mit den Heimfans im Rücken oft gezeigt, dass er den BVB schlagen kann, auch klar und deutlich. Aber Borussia Dortmund ist Borussia Dortmund und gehört zu den größten Vereinen, die werden mit Sicherheit nicht kommen, um sich mit einer Niederlage oder einem Unentschieden zufriedenzugeben. Es kommt auch ein bisschen auf die Tagesform an, wie so oft. Deswegen wird es, glaube ich, ein spannendes Duell.
Der Tabellenführer der Bundesliga heißt SC Freiburg. Pascal Stenzel, Sie haben ja auch einige Jahre für Freiburg gespielt, bevor Sie dann nach Stuttgart sind, und Sie leben jetzt auch wieder in Freiburg. Wie überraschend kommt für Sie diese Tabellenführung, auch diese Entwicklung zu einem, muss man ja fast schon sagen, zu einem Top-Team der Bundesliga?
Pascal Stenzel: Ja klar, das ist irgendwo natürlich überraschend, weil man jetzt vor fünf, sechs, sieben Jahren, als ich noch da war, nicht gesagt hätte, dass Freiburg das klassische Team ist, das oben um die Champions League mitspielt. Aber wenn man den Weg beobachtet, den sie gegangen sind, dann finde ich es ehrlicherweise gar nicht überraschend. Weil sie nicht zwei Schritte auf einmal genommen haben, sondern sich immer Step by Step in ihrem Tempo und auf ihre Art und Weise entwickelt haben.
Das fängt an bei der Vereinsführung und geht über die Transfers. Freiburg hat nie sein Gesicht verloren und schon immer eine spezielle Rolle gehabt in der Bundesliga. Dass sie so stabil sind, das überrascht mich jetzt tatsächlich gar nicht. Ich würde zwar mal behaupten, dass die Tabellensituation nicht bis zum Ende der Saison so bleibt. Aber wenn man die Freiburger Spiele gesehen hat, dann ist es auch nicht unverdient, dass sie so klar ihre Spiele gewonnen haben.
In jedem Fall ist es eine wunderbare Momentaufnahme im Breisgau. Pascal Stenzel, herzlichen Dank für das Gespräch mit SWR Sport und alles Gute für die Zukunft, und dass doch noch mal die große Herausforderung auf Sie wartet im Profifußball.