SWR Sport: Karlheinz Förster, wie bewerten Sie die aktuelle Lage im Fall Nick Woltemade?
Karlheinz Förster: Ich bin der Meinung, dass er mindestens noch ein Jahr beim VfB spielen sollte. Aber nach allem, was ich gehört und gelesen habe, wird es schon so sein, dass Woltemade nach München geht. Da bin ich mir fast sicher.
Sie sind schon lange im Fußballgeschäft dabei. Hat Sie im Fall Woltemade die Schnelligkeit überrascht?
Ja, schon. Vor allem, wenn man seine Karriere anschaut. Bei Werder Bremen ist er noch nicht so aufgefallen. Dann kam er ablösefrei zum VfB. Dort musste er sich am Anfang auch erst reinspielen. Aber plötzlich war er da und hat die Saison hervorragend zu Ende gespielt. Er ist dann Nationalspieler geworden. Das ging sehr schnell, und da besteht natürlich die Gefahr, dass man dieses Niveau nicht halten kann.
Fußball | Meinung Der VfB hat alle Trümpfe in der Hand - Woltemade sollte noch ein Jahr in Stuttgart bleiben
VfB-Angreifer Nick Woltemade soll sich mit dem FC Bayern München über einen Wechsel im Sommer einig sein. SWR-Sportredakteur Johann Schicklinski findet, dass ein Transfer aktuell zu früh käme.
So extrem wie seine sportliche Entwicklung sind auch die kolportierten Zahlen rund um diesen möglichen Wechsel. Stuttgart will angeblich 100 Millionen Euro Ablöse, den Bayern schweben angeblich 50 Millionen Euro vor. Was sagen Sie zu dieser Diskrepanz?
Dass der VfB so viel Ablöse wie möglich haben will ist klar. Die Bayern werden aber keine 100 Millionen Euro zahlen. Ich glaube, am Ende wird man sich in der Mitte treffen. Und dann kommen noch zehn bis 20 Millionen Boni obendrauf. Dann sind wir auch bei 70 Millionen. Das ist wirklich unglaublich viel. Aber man muss auch Verständnis für den Spieler haben. Er wird in München mindestens das Doppelte verdienen. Schließlich weiß keiner, wie lange eine Karriere dauert.
Wäre Nick Woltemade 100 Millionen Euro wert?
Nein. Er hat jetzt eine Saison top gespielt. Dafür ist diese Summe utopisch.
Fußball | Bundesliga Nick Woltemade: Kritik am EM-Torschützenkönig vom VfB Stuttgart
Nick Woltemade hat mit der deutschen U21 den Europameistertitel dramatisch verpasst. Der Torschützenkönig (sechs Treffer) steht aufgrund seiner Wechselgedanken in der Kritik.
Wer ist für Sie in der besseren Verhandlungsposition, der VfB oder die Bayern?
Eigentlich hat der VfB eine gute Ausgangsposition. Auf der einen Seite hat der Spieler noch einen laufenden Vertrag. Auf der anderen Seite weiß man aber nicht, ob er noch einmal die Leistung so bringt, wenn man ihn nicht weg lässt. Das könnte in der kommenden Saison eine schwierige Situation werden - auch mit den Fans.
Könnte FCB-Nachwuchstalent Paul Wanner in einem Deal "mitverrechnet" werden?
Ja, das ist denkbar.
Wäre der FC Bayern München überhaupt die richtige Adresse für Nick Woltemade?
Er müsste in München eine neuneinhalb Position hinter Harry Kane spielen. Er braucht ja den Platz, und so spielt er auch in Stuttgart. Ich kann mir das schon vorstellen. Nur da müsste dann weiter hinten einer von den großen Namen auf die Bank. Stichwort Konkurrenz: Auch von daher würde ich ihm raten, noch ein Jahr in Stuttgart zu bleiben.
Was glauben Sie, wie die Sache ausgeht?
100 Millionen wird der VfB nicht bekommen. Aber wenn der VfB mit einer festen Ablöse und Boni auf 70 bis 80 Millionen kommt, dann wird es so ablaufen.