Der klare 4:1-Sieg gegen Arminia Bielefeld geriet fast zur Nebensache. Denn im ersten Spiel des Karlsruher SC nach der Verkündung des Abschieds von Trainer Christian Eichner hat die Mannschaft zwar geliefert. Für Ruhe im Innenleben des badischen Zweitligisten sorgte das Ergebnis jedoch nicht. Denn die Entscheidung für einen Neustart im Sommer löst nicht gerade Aufbruchstimmung unter den Profis aus. Sie wirft eher Fragen auf - und erste Zweifel innerhalb der Mannschaft.
"Wir haben schwere Tage hinter uns, das war nicht einfach für die Mannschaft", sagte Eichner im SWR-Interview. Der KSC sei wie eine "Familie", momentan ist es "schwer vorstellbar", etwas anderes zu tun. "Ich fürchte, es werden noch ein paar schwere Momente kommen." Nicht nur für Eichner selbst.
Marvin Wanitzek lässt Zukunft beim KSC offen
Kapitän Marvin Wanitzek gilt als enger Vertrauter von Eichner. Er habe dem 43-Jährigen viel zu verdanken: "Wenn man neun Jahre mit jemanden zusammenarbeitet, der mich zu dem Spieler gemacht hat, der ich heute bin", sagte Wanitzek im Interview mit SWR Sport. "Ich war davor beim VfB Stuttgart und bin dort immer zwischen der U23 und den Profis gependelt bin, aber meine Profi-Karriere ging hier erst richtig los. Und wenn man meine Spiele in der 2. Liga sieht: Ich habe jetzt - keine Ahnung - 230 Spiele gemacht, davon 210 unter Christian Eichner. Dafür gibt es keine Worte."
Wanitzek hatte im vergangenen Mai seinen Vertrag verlängert. Damals war jedoch nicht absehbar, dass Eichners Zeit enden würde. Denn der Vertrag des Chefcoachs war ursprünglich bis 2027 gültig. "Die Gegebenheiten sind im Sommer so nicht mehr da", sagte der 32-Jährige und ließ seine eigene Zukunft offen. Es seien turbulente Tage gewesen, ein turbulentes Jahr ohnehin - und nun brauche er Zeit. Der Führungsspieler spielte auch darauf an, dass bereits zuvor Co-Trainer Zlatan Bajramovic freigestellt worden war - ohne für die Öffentlichkeit ersichtlichen Grund.
Bleibt Fabian Schleusener beim KSC?
Neben Wanitzek vermieden auch andere Profis klare Bekenntnisse. Angreifer Fabian Schleusener sagte: "Ich weiß es, ehrlich gesagt, noch nicht. Es ist so, dass der Verein gewisse Vorstellungen hat, wir sprechen darüber. Auch ich habe meine Vorstellungen - und wir müssen schauen, inwieweit wir zusammenkommen."
Auch er müsse erst einmal das Jahr Revue passieren lassen, sagte der 34-jährige Routinier. Zumal die Zeit unter Eichner für ihn sehr bedeutsam und prägend gewesen sei. Auf eine Zukunft im KSC-Trikot ohne Eichner ging Schleusener nicht ein. Er holte zunächst weit aus und kehrte dann zurück auf die Fragestellung: "Ich habe darauf jetzt gar nicht geantwortet und ich glaube, das ist auch besser so." Damit ließ er bewusst Raum für Spekulationen.
KSC hat noch keinen Nachfolger präsentiert
Sport-Geschäftsführer Mario Eggimann hatte die Trennung von Eichner damit erklärt, dass nach mehr als sechs Jahren "frische Impulse" nötig seien. Ins Detail ging der Schweizer jedoch nicht, ließ viele Fragen unbeantwortet. Aus dem Umfeld des KSC war jedoch zu vernehmen, dass Eichner die Vereinsstrategie, sich künftig als Ausbildungsverein für junge Talente zu begreifen, nicht zu 100 Prozent mittragen wollte. Wer künftig an der Seitenlinie stehen wird, ließ Eggimann offen.
So entsteht ein Vakuum, das Spieler und Umfeld spürbar verunsichert. Nicolai Rapp sprach von einem "Schock", betonte zugleich den engen Draht zum Trainer. Die Mannschaft wolle Eichner nun zumindest einen würdigen Abschied bereiten - auch wenn sportlich nach dem Erreichen der 40-Punkte-Marke längst die Luft raus ist.
KSC-Fans starten Online-Petition
Teile der Anhängerschaft scheinen die Entscheidung indes nicht mittragen zu wollen. Denn im Internet wurde eine Petition auf der Plattform "change.org" gestartet, mit der Eichner gehalten werden soll. Gleichzeitig stellen sich die Unterzeichner gegen die Vereinsführung. Innerhalb eines Tages unterzeichneten mehr als 5.000 Fans den Antrag. Chancen auf Erfolg hat solch ein Vorgehen nicht - die Signalwirkung ist allerdings eindeutig.
KSC-Präsident reagiert auf Petition
Am Montag versuchte der KSC, die Situation zu beruhigen. Wie KSC-Präsident Holger Siegmund-Schultze der Deutschen-Presse-Agentur (dpa) sagte, habe der Verein versucht, den Initiator zu kontaktieren. Man wolle ihm ein Gespräch "mit mir und einem Kollegen aus dem Beirat anbieten". Und schob hinterher: "Unser Anspruch dabei ist es, dass wir als Verein unterschiedliche Perspektiven konstruktiv zusammenführen wollen."
Den Ton der Petition wies er dagegen zurück. "Gleichzeitig erwarten wir, dass bei aller Emotionalität ein respektvoller Umgang gegenüber den handelnden Personen im Verein gewahrt bleibt", sagte er. Dies sei bei der Petition "nicht der Fall", weil beide Geschäftsführer "öffentlich diskreditiert werden und deren Freistellung gefordert wird".