Das Duell des Karlsruher SC mit Holstein Kiel war auch das Duell zweier Fußball-Trainer, die massiv unter Druck standen. Auf Seiten des KSC gab es zuletzt nach nur einem Sieg aus elf Pflichtspielen deutliche Kritik an Coach Christian Eichner. Nach dem 1:5 in Nürnberg vor knapp einer Woche stand sogar Eichners Rauswurf knapp anderthalb Tage im Raum, ehe sich Sport-Geschäftsführer Mario Eggimann in einem Klub-Statement zu seinem Trainer bekannte - allerdings nicht über das Kiel-Spiel hinaus. Bei Holstein war der im badischen Pforzheim geborene Coach Marcel Rapp nach vier Pflichtspiel-Niederlagen in Serie hinterfragt worden.
KSC-Coach Christian Eichner: "Wollten etwas zurückgeben"
Nach dem 3:1-Heimerfolg des KSC gegen die Schleswig-Holsteiner dürfte eine Last von den Schultern Eichners abgefallen und sein Job vorerst gesichert sein. "Es war für die Kabine und die Zuschauer extrem wichtig. Wir wollten uns selbst etwas zurückgeben - und die Anhänger mitnehmen", sagte der Coach im Gespräch mit SWR Sport: "Es war nicht Fußball 3000. Wir haben nicht die Sterne vom Himmel gespielt. Aber wir haben das gespielt, das der KSC-Fan haben möchte. Jetzt müssen wir das konserviert bekommen."
Marvin Wanitzek trifft doppelt - und scheitert vom Punkt
Kapitän Marvin Wanitzek (8. Minute/83.), dem ein Doppelpack gelang, sowie Louey Ben Farhat (61.) trafen für die Badener. Wanitzek vergab in der 90. Minute sogar noch einen Foulelfmeter, für die Gäste war das Tor durch Marcus Müller (90.+6) nur noch Ergebniskosmetik.
KSC erfüllt die Forderung von Coach Christian Eichner
Eichner hatte vor dem Spiel eine Reaktion gefordert - und bekam sie. Seine Mannschaft führte jeden Zweikampf mit vollem Einsatz und warf sich in jeden Ball. Sie überließ zudem das Spielgerät weitgehend den Kielern, um nach Ballgewinnen blitzschnell umzuschalten. Zudem zeigte sie sich vor dem gegnerischen Tor äußerst effizient - von Wanitzeks verschossenem Strafstoß einmal abgesehen.
Eichner sagte nach dem Spiel, dass er mit seiner Situation vorab gut klargekommen sei. "Der Vorteil, wenn du den Job seit sechs Jahren an einem Standort machst, ist die Tatsache, dass man eine gewisse Gelassenheit bekommt. Wenn ich erst drei Monate im Amt gewesen wäre, wäre ich unruhiger gewesen. So war die Gemengelage für mich klar und ich konnte damit normal umgehen", sagte er und betonte: "Es sind nur drei Punkte."
Das sah auch Sport-Geschäftsführer Eggimann so - der Schweizer konsatierte aber auch, dass etwas Druck nun weg sei. "Für Christian Eichner persönlich war der Sieg brutal wichtig. Er war ja auch nicht zufrieden mit den letzten Leistungen. Aber der Coach hat wieder Lösungen gefunden", sagte der frühere Profi.
Soll heißen: Eichner bleibt KSC-Trainer und es wird rund um den Wildpark mutmaßlich etwas ruhiger. "Es ist total wichtig, dass Christian Eichner jetzt ein Stück weit weniger Druck hat. Das Trainer-Thema kommt immer in so einer Situation - und darum war der Sieg gut für uns alle", führte Eggimann aus: "Aber wir müssen ganz dringend dranbleiben. Jede Niederlage tut verdammt weh - und wir müssen punkten. Jedes Spiel ist wichtig, jedes Spiel zählt - bis zum Ende."
Christian Eichner denkt auch an Marcel Rapp
Das weiß natürlich auch Eichner, der nach der Partie auch an Kiels Coach Rapp dachte. "Aufgrund des Druckes, der auf diesem Spiel lag, auch für meinen Kollegen Marcel Rapp, war in beide Richtungen klar: Wenn dieses Spiel schiefgeht, dann ist immer noch ein Drittel der Saison zu spielen. Dann geht hier nicht das Licht aus." Das gelte auch für Holstein.
"Wir müssen noch mindestens zehn Punkte holen", forderte Eichner, der mit seinem Team nach den Samstagsspielen mit 30 Zählern auf Rang neun liegt: "Diese Punkte müssen wir auch holen, um nächste Saison ein Ticket für die zweite Liga zu bekommen."
Weiter geht es für Eichner und den KSC mit dem Auswärtsspiel beim 1. FC Magdeburg (Sonntag, 01.03.26, 13:30 Uhr). Rapp und seine krisengeplagten Kieler empfangen einen Tag vorher das Topteam aus Elversberg - eine maximal schwere Aufgabe nach fünf Pleiten in Serie.