SWR Sport: Silvan Widmer, der Sieg am Sonntag gegen Werder Bremen war wichtig, klar. Aber was hat Sie besonders froh oder glücklich gemachtbeim Zustandekommen dieses Erfolgs?
Silvan Widmer: Wir hatten in den letzten Wochen oft Spiele, in denen wir gut gespielt haben und trotzdem nur mit einem Unentschieden dastanden. In Bremen war nicht alles perfekt, aber wir haben die drei Punkte geholt. Und ich glaube, das wichtigste war, dass wir im ganzen Spiel unser eigenes Tor verteidigt und mit aller Macht geschützt haben. Mit dem Ball haben wir phasenweise guten Fußball gespielt, phasenweise nicht so guten Fußball - aber insgesamt war es ein verdienter Sieg. Und das gibt uns Selbstvertrauen für die kommenden zwei Spiele vor der Länderspielpause.
Wie können Sie den Fußball beschreiben, den Trainer Urs Fischer beim 1. FSV Mainz 05 implementiert hat?
Wir agieren aus einer kompakten Organisation heraus und wir machen keine wilden Sachen. Jeder weiß, was er in diesem Konstrukt zu tun hat. Und da gehört es auch einfach mal dazu, im tiefen Block zu stehen und zu verteidigen. Das können wir auch echt gut. Da lassen wir sehr, sehr wenig zu. Und dann haben wir vielleicht auch mal ein bisschen weniger Ballbesitz als der Gegner - so war es in Bremen und häufiger in den letzten Wochen. Aber viele Chancen haben die Gegner nicht herausgespielt. Ich glaube, da müssen wir anknüpfen.
Es freut viele, dass Paul Nebel wieder der Paul Nebel ist, den man aus der letzten Saison kennt. Es ist ja im Fußball verrückt: Er wird jetzt gebraucht. Sie werden auch wieder gebraucht. Sind Sie da eigentlich gelassen, weil Sie mit Ihrer Erfahrung wissen: Im Fußball passiert so schnell etwas, dass man bald wieder gebraucht wird?
Wichtig ist, dass man immer dran bleibt. Ich glaube, jeder Fußballer hat schon weniger gute Zeiten durchgemacht. Ich auch. Letzte Saison lief nicht immer alles nach meinem Geschmack - persönlich gesehen, obwohl es sportlich im Verein sehr gut lief. Ich bin aber dran geblieben. Ich habe die Mannschaft unterstützt, ich habe weiterhin Gas gegeben, weil ich genau wusste, dass irgendwann wieder die Möglichkeit kommen würde. Und in dieser Saison spiele ich wieder sehr oft - und darüber bin ich sehr glücklich.
Bundesliga Mainz 05 feiert "dreckigen Sieg" im Keller-Duell bei Werder Bremen
Mainz 05 hat sich im Keller-Duell bei Werder Bremen drei wichtige Punkte geholt. Paul Nebel erzielte dabei "ein wichtiges Tor". Trainer Urs Fischer war trotzdem nur ein bisschen erleichtert.
Haben Sie mal mit Paul Nebel in der Zeit, in der es nicht so lief, gesprochen - so als Kapitän? Was haben Sie ihm da gesagt?
Genau das gleiche. Paul hat im letzten Jahr eine unglaubliche Saison gespielt. Klar, man wünscht sich, dass es immer so weitergeht. Aber es war auch ein Stück weit absehbar, dass es nicht immer so weitergehen kann in seiner Entwicklung. Er hat ein paar Wochen und Monate gebraucht, um wieder dahin zu kommen, wo wir ihn alle gerne hätten. Und jetzt ist er wieder voll da und liefert Woche für Woche Topleistungen ab. Ich wünsche ihm, dass er das bis zum Ende der Saison aufrechterhalten kann.
Es war eine wichtige Geste von Paul Nebel und von der Mannschaft war es, den verletzten Silas zu würdigen. Es gibt auch noch andere Verletzte. Das ist keine einfache Saison. Warum kriegen Sie es trotzdem hin, zu gewinnen, wenn jetzt auch noch Nadiem Amiri fehlt?
Wir haben in dieser Saison wirklich viele Langzeitverletzte mit Anthony Caci, Benedict Hollerbach, Robin Zentner, der auch schon lange ausfällt - und jetzt fehlt auch noch Nadiem Amiri in einer sehr entscheidenden Phase. Aber wir haben einen breiten Kader, und wir haben eben nicht nur elf oder zwölf Spieler, die Startelf-Qualitäten haben, sondern - keine Ahnung- vielleicht 20 oder noch mehr. Und die, die auf dem Platz stehen, die geben ihr Bestes. Und jeder weiß, was er zu tun hat. Das ist auch das Verdienst von Urs Fischer und seinem Team, dass wir da viel im taktischen Bereich arbeiten und viel rotieren - und dass dann wirklich jeder seine Rolle und seine Aufgabe kennt, wenn er gebraucht wird.
In Bremen war aber jemand auf dem Platz, der zusätzlich geholfen hat: die Taube, die den Bremer Marco Grüll vor dem Einwurf abgelenkt hat, mit dem Phillipp Mwene das 1:0 für Mainz 05 einleitete. Haben Sie das mitgekriegt? War das ein Thema in der Analyse, dass Sie so ein bisschen Unterstützung bekommen haben?
Das war jetzt kein Thema in der Analyse, aber ich hatte natürlich gesehen, dass eine Taube auf dem Platz war. Ich hatte das Gefühl, die kann nicht mehr fliegen, denn man konnte sie nicht wegscheuchen. Aber dann war sie plötzlich doch weg. Also hat sie noch die Kurve gekriegt.