Wer dachte, dass beim FSV Mainz 05 nach dem 2:1-Auswärtssieg beim FC St. Pauli und dem damit verbundenen Klassenerhalt eine große Nichtabstiegsparty zelebriert wird, der lag falsch. Die Rheinhessen feierten zwar, aber gemäßigt, für Mainzer Verhältnisse sogar recht verhalten.
Starke Bilanz unter Trainer Urs Fischer
Was vor allem daran lag, dass es für die Mannschaft von Trainer Urs Fischer plötzlich noch um etwas anderes als den Verbleib in der Bundesliga geht. Denn eine neuerliche Europapokal-Qualifikation ist unter bestimmten Umständen möglich. Wer hätte das gedacht, als Coach Fischer Anfang Dezember Mainz 05 übernommen hatte? Damals lagen die Rheinhessen mit sechs Punkten aus 13 Spielen auf Tabellenrang 18. Unter dem Schweizer holten Nadiem Amiri, Paul Nebel und Co. dann 32 Zähler aus 19 Spielen - und das trotz der langen Doppelbelastung mit Spielen in der Conference League unter der Woche.
Und genau für diesen Wettbewerb ist eine abermalige Qualifikation möglich. Es gibt noch eine minimale Chance auf die Conference League. Und auch wenn es keiner offiziell sagt, schielen die Nullfünfer jetzt schon noch einmal heimlich Richtung Europa.
So kann Mainz 05 noch ins internationale Geschäft einziehen
Fakt ist: Für das internationale Geschäft müsste alles passen. Mainz 05 ist Zehnter mit aktuell 37 Punkten (Torverhältnis minus 9). Das Fischer-Team muss in jedem Fall seine beiden finalen Bundesligaspiele gegen Union Berlin (10.05., 19:30 Uhr) und beim 1. FC Heidenheim (16.05., 15:30 Uhr) gewinnen. Maximal ist für die Rheinhessen noch Rang acht möglich. Dort liegt derzeit der Rhein-Main-Rivale Eintracht Frankfurt mit 43 Zählern (Torverhältnis minus 3). Die Hessen, die eine arg schwache Rückrunde spielen, müssen allerdings noch beim BVB und zuhause gegen den VfB Stuttgart ran. In der aktuellen Form sind zwei Niederlagen für die SGE nicht unwahrscheinlich.
Zwischen Mainz und Frankfurt liegt noch der FC Augsburg (40, minus 14). Hier müssten die Nullfünfer also drei Punkte gut machen, der FCA trifft noch auf Gladbach und Union Berlin.
Daumen drücken für den SC Freiburg
Die eigenen Hausaufgaben zu machen, während die Konkurrenz Federn lässt, reicht aber nicht. Damit Platz acht für die Conference League reicht, müsste zudem der SC Freiburg die Europa League gewinnen, dürfte aber keinen europäischen Startplatz in der Liga belegen, da dieser sonst an die UEFA zurückgehen würde. Die Breisgauer spielen am Donnerstag vor heimischer Kulisse das Rückspiel gegen Sporting Braga (21:00 Uhr, live im Audiostream auf swr.de/sport), nachdem sie das Hinspiel mit 1:2 verloren haben. Holt der Sport-Club, der in der Bundesliga aktuell mit 44 Punkten auf Rang sieben liegt, den Titel, startet er nächste Saison in der Champions League.
Einen weiteren Startplatz gäbe es auch, wenn die Bundesliga in der laufenden UEFA-Saison-Wertung noch Spanien von Platz zwei stößt. Nach dem Ausscheiden von Atletico Madrid in der Champions League gegen den FC Arsenal am Dienstagabend (05.05.) hat Spanien mit Rayo Vallecano (im Conference-League-Halbfinale gegen Straßburg) nur noch einen Klub im Wettbewerb. Die Bundesliga als Dritter hat aktuell mit Freiburg und dem FC Bayern in der Champions-League-Vorschlussrunde gegen Paris St. Germain noch zwei Vertreter. Kommen der FCB und der SCF ins Finale, während Rayo rausfliegt, wäre ein fünfter Königsklassen-Startplatz für Deutschland sicher.
UEFA-Rangliste Chance für die Bundesliga: Neun Vereine könnten nächste Saison international spielen
Das UEFA-Ranking ermöglicht in diesem Jahr wieder einen fünften Startplatz für die Champions League. Das Duell zwischen den deutschen Klubs und den Spaniern ist dabei denkbar knapp.
Unter Umständen reicht sogar Rang neun für die Conference League
Auch in diesem Fall würde Rang acht für die Conference League berechtigen. Wenn beides eintreten sollte - weiterer Klub in der Champions League dank dem UEFA-Ranking und ein Triumph des SC Freiburg in der Europa League (und kein europäischer Startplatz in der Liga) - dann würde sogar Rang neun für die Conference League reichen.
Es bleibt also spannend für Mainz 05, obwohl das Primärziel, der vorzeitige Klassenerhalt, mit Bravour eingefahren wurde. Neben dem möglichen internationalen Startplatz geht es auch noch um die Fernsehgelder. Dafür sind die Platzierungen der Vereine in den vergangenen Jahren ausschlaggebend - plus der aktuelle Tabellenstand am Ende der laufenden Saison. Je besser die Mainzer im Endklassement abschließen, desto lukrativer. Und Wettbewerbsverzerrung in den letzten beiden Spielen will sich bei den Rheinhessen ohnehin niemand vorwerfen lassen.
Es gab also gute Gründe, mit der Feier noch zu warten und den Erfolg auf St. Pauli nur gemäßigt zu zelebrieren. Doch wer die Nullfünfer und Mainz kennt weiß: die richtige Party kommt noch - und zwar nach Saisonende. Und möglicherweise wird dann ja noch etwas ganz anderes als ein weiteres Jahr Bundesliga gefeiert.