Es ist ein historisch außergewöhnliches Datum, dieser 9. November 1989. Und das sogar gleich aus zweierlei Hinsicht. An jenem nassgrauen November-Tag vor mehr als 36 Jahren fiel in Berlin die Mauer, ein weltpolitisches Ereignis höchsten Ranges und in der Geschichte Deutschlands ein Meilenstein. Und: Der VfB Stuttgart gewann am selben Abend im DFB-Pokal-Achtelfinale glatt mit 3:0 gegen den FC Bayern München.
Warum das auch fußballerisch historisch bewertet werden muss? Ganz einfach deshalb, weil es der einzige Sieg der Schwaben in bislang zehn Duellen im DFB-Pokal war. Aber der Reihe nach...
1974: Uli Hoeneß sorgt für die Entscheidung
Am 7. September 1974 trafen der VfB Stuttgart und der FC Bayern erstmals im DFB-Pokal aufeinander. Die Münchner, voller Ruhm und Ehre als Deutscher Meister, Europacupsieger und mit sechs Weltmeistern im Team, schlugen die Gäste aus Baden-Württemberg im Olympiastadion mit 3:2 und zogen damit in die zweite Runde ein.
Stuttgart hatte zwar lange gut mitgehalten und sogar durch Tore von Heinz Stickel und Buffy Ettmayer - ein für den knuffigen Österreicher typischer weil fulminanter Freistoß aus 30 Metern gegen Sepp Maier - mit 2:1 geführt. Gerd Müller und kurz vor Schluss Uli Hoeneß versauten dem VfB mit ihren Treffern schließlich doch noch den Pokaltag in München.
DFB-Pokal Titelverteidiger hat "Blut geleckt" - VfB Stuttgart will den FC Bayern knacken
Der VfB Stuttgart kämpft gegen den FC Bayern um die Titelverteidigung. Vor dem Finale haben Trainer Sebastian Hoeneß und Kapitän Atakan Karazor mit SWR Sport über den großen Tag gesprochen.
1986: Erste Finalpleite für den VfB in Berlin
Erstmals trafen die beiden Teams am 3. Mai 1986 in einem DFB-Pokalfinale aufeinander. Bei wunderbar sonnigem Nachmittagswetter im ausverkauften Berliner Olympiastadion führten die Münchner den VfB regelrecht vor. Sie gewannen hoch und völlig verdient mit 5:2. Allein Roland Wohlfarth traf dreimal für Bayern, Michael Rummenigge schoss zwei Tore.
Bei Stuttgart, mit Interimstrainer Willi Entenmann auf der Bank, sorgten lediglich die Nationalspieler Guido Buchwald und Jürgen Klinsmann für Ergebniskosmetik. Auch diese Pokalpartie stand übrigens im Schatten weltweiter Schlagzeilen: Wenige Tage vor dem Finale von Berlin war im damals noch völlig unbekannten Tschernobyl in der heutigen Ukraine ein Kernkraftwerk explodiert.
DFB-Pokal VfB Stuttgart: Der Weg ins DFB-Pokalfinale
Berlin, Berlin, der VfB fährt (wieder) nach Berlin. Die Stuttgarter stehen zum zweiten Mal in Folge im DFB-Pokalfinale. Der Weg dorthin hatte allerdings einige Höhen und Tiefen zu bieten. Ein Rückblick.
1989: Mauerfall und einziger VfB-Erfolg
Torjäger Fritz Walter war der Mann des Abends beim 3:0-Pokalerfolg der Stuttgarter im November 1989 im mit 67.000 Fans ausverkauften Neckarstadion. Der flinke Fritz erzielte zwei Tore, den dritten VfB-Treffer markierte Jürgen Hartmann. Die Schwaben mit Trainer Ari Haan gewannen dieses Achtelfinalspiel verdientermaßen gegen das enttäuschende Team von Jupp Heynckes. Es war im dritten Pokal-Duell endlich der erste Erfolg für Stuttgart - und bis heute der einzige.
Während in Stuttgart an jenem Abend der Jubel riesengroß war, wurde der Fußball erneut emotional in den Schatten gestellt: In Berlin fiel an diesem historischen Tag die Mauer, die Grenze zwischen DDR und BRD war plötzlich offen. In der ARD wechselten Bilder zwischen der Live-Übertragung des Spiels aus Stuttgart und den sensationellen Geschehnissen in Berlin. Der 9. November 1989, er bleibt unvergessen.
1998 - 2012: Immer wieder VfB-Niederlagen im Pokal
Erst neun Jahre nach den Ereignissen des 9. November 1989 trafen München und Stuttgart im DFB-Pokal erneut aufeinander. Der FC Bayern gewann am 17. Februar 1998 das Halbfinale im Olympiastadion glatt mit 3:0 durch Tore von Dietmar Hamann, Mehmet Scholl und Michael Tarnat schon nach 25 Minuten. Der VfB als Titelverteidiger hatte die erneute Endspielteilnahme unter Jogi Löw verpasst.
Es sollte der Auftakt weiterer bitterer Pokal-Pleiten für den VfB gegen die Münchner sein. In den sechs Duellen von 1989 bis 2012 gewannen jeweils die Bayern teils überdeutlich: 3:0, 3:0, 3:0, 5:1, 6:3 und 2:0. München ließ die frustrierten Stuttgart auf dem Weg zum deutschen Rekord-Pokalsieger in diesen Jahren stets links liegen.
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Der VfB Stuttgart steht wieder im DFB-Pokalfinale. Dieses Jahr geht es gegen den FC Bayern München. Was steht an und worauf können sich die Fans einstellen? Die Infos gibt es hier.
2013: Wieder siegen die Bayern in Berlin
Auch das letzte Pokalduell mit dem VfB gewann der FC Bayern. Am 1. Juni 2013 hieß es im Berliner Olympiastadion 3:2 für den Triple-Sieger jenes Jahres. Es war das zweite Final-Duell zwischen beiden Teams. München lag bereits deutlich mit 3:0 vorne, unter anderem durch zwei Treffer des Ex-VfB-Torschützenkönigs Mario Gomez, ehe der Österreicher Martin Harnik mit seinen zwei Toren die Partie kurz vor Spielende noch einmal spannend machte.
Zu mehr aber reichte es nicht mehr für die Mannschaft von VfB-Trainer Bruno Labbadia. Erneut gab es, wie 1986, Final-Frust und Tränen bei den Stuttgartern. Zweites Endspiel in Berlin - zweite Niederlage gegen die Bayern.
2026: Endlich der zweite VfB-Erfolg?
Die Stuttgarter Bilanz nach bislang zehn DFB-Pokalspielen gegen München ist also ernüchternd: Einem einzigen VfB-Sieg stehen neun Erfolge des FC Bayern gegenüber. Es ist also höchste Zeit, die Bilanz am Samstag in Berlin (20 Uhr, live in SWR1 Stadion) aufzupolieren. 13 Jahre nach dem letzten Duell. Und mehr als 36 nach dem Sieg am Tag des Mauerfalls.