"Ich kann es gar nicht begreifen. Wir im Euro-League-Finale. Wir, der kleine SC Freiburg". Mittelfeld-Routinier Nicolas Höfler suchte nach dem Halbfinal-Sieg gegen Sporting Braga nach den richtigen Worten für das, was der Sport-Club mit dem 3:1-Sieg gegen die Portugiesen geschafft hatte. Im Finale der Europa League treffen die Breisgauer jetzt auf den englischen Vertreter Aston Villa. Damit spielt der SC im laufenden Turnier bereits gegen die elfte Nation.
Nachbarschaftsduell zum Start der internationalen Reise
Ihren Anfang nahm die erfolgreiche Europapokalreise mit einem Nachbarschaftsduell. Im ersten Spiel der Ligaphase traf der SC Freiburg auf den FC Basel. Etwa 70 Kilometer mussten die Schweizer für ihr Auswärtsspiel in Freiburg zurücklegen. Der Nachhause-Weg für ein Europa-League-Auswärtsspiel also sehr entspannt, aber schmerzhaft aus Schweizer Sicht. Denn der SC Freiburg gewann die Partie mit 2:1. Danach fuhr der SC über die Alpen nach Italien. Dort wartete der FC Bologna auf den Sport-Club. In einem schweren Spiel vor malerischer Kulisse mussten die Breisgauer beim 1:1 das erste Mal Punkte abgegeben.
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SC Freiburg im Jahr 2025 ungeschlagen in der Europa League
Es folgte ein ungefährdeter 2:0-Heimsieg gegen die Niederländer aus Utrecht und ein 3:1-Erfolg an der französischen Küste gegen den OGC Nizza. Mit dem Sieg in Südfrankreich behauptete sich der Sport-Club in der Spitzengruppe und stand nach der Hälfte der absolvierten Ligaspiele auf Tabellenplatz zwei mit zehn Punkten. Einem müden 0:0 in Tschechien gegen Viktoria Pilsen ließen die Südbadener dann im heimischen Stadion nochmals einen Sieg folgen.
Durch den 1:0-Erfolg gegen RB Salzburg blieb der SC im Jahr 2025 ungeschlagen in der Europa League. Vor den letzten beiden Ligaspielen hatte Freiburg bereits 14 Punkte auf dem Konto. Dadurch war klar, dass sie mindestens in die Play-offs kommen werden. Doch die bissigen Breisgauer wollten die direkte Qualifikation für das Achtelfinale und damit einen Platz unter den ersten acht Mannschaften.
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Direkte Qualifikation fürs Achtelfinale mit nur einer Niederlage
Mit dem ersten Europapokalauftritt im neuen Jahr verdeutlichten die Freiburger ihre Ambitionen. Igor Matanovic erlöste den Sport-Club gegen Maccabi Tel Aviv in der 82. Minute. Sein später Treffer reichte zum 1:0-Sieg und stieß das Tor zur direkten Achtelfinalqualifikation weit auf. Daran änderte auch die knappe 0:1-Pleite im letzten Ligaspiel gegen Lille nichts mehr. Freiburg qualifizierte sich als Tabellensiebter direkt für die Runde der besten 16 Mannschaften. Es folgten Spiele, "die man in seiner Karriere nicht so oft spielen darf", wie Trainer Julian Schuster vor dem Achtelfinale sagte.
Achtelfinale: Auf Hinspielniederlage folgt Rückspiel-Gala
Freiburg erwischte den vermeintlich einfacheren Turnierbaum in der K.O-Runde, musste zunächst in Belgien gegen den KRC Genk ran. Dort setzte es aber den ersten Rückschlag. Der Sport-Club unterlag im Hinspiel mit 0:1 und musste im Rückspiel mit zwei Toren Abstand gewinnen, um erstmals in der Vereinsgeschichte in ein europäisches Viertelfinale einzuziehen. Freiburg hielt dem Druck stand und fegte die Belgier mit 5:1 aus dem heimischen Stadion. Im bisherigen Turnierverlauf überzeugte der SC mit minimalistischen Ergebnissen und einer starken Defensive. Jetzt zeigte sich auch die Offensive in Torlaune.
Ab in den Süden: Über Spanien und Portugal in die Türkei
Im Viertelfinale wartete dann der spanische Vertreter Celta Vigo. Einem souveränen 3:0-Erfolg aus dem Hinspiel ließ der Sport-Club einen 3:1-Sieg in Vigo folgen. Yuito Suzuki schnürte im Rückspiel in Spanien einen Doppelpack und sorgte so dafür, dass die Freiburger ohne große Probleme ins Halbfinale der Europa League marschierten.
Dort wartete Sporting Braga. Die Route war für viele Fans nicht unbekannt. Braga, etwas mehr als 100 Kilometer entfernt vom Viertelfinal-Ort in Vigo. Nur eben nicht in Spanien, sondern in Portugal. Und auch sportlich war die Route für das Team von Trainer Julian Schuster klar: Über Braga sollte das Ticket für Istanbul gelöst werden.
Doch der Start war holprig. In Portugal musste Freiburg eine bittere 1:2-Pleite hinnehmen. Erst kurz vor Spielende erzielte Braga den Siegtreffer. Im Rückspiel folgte dann die pure Ekstase. Der Sport-Club, getragen von seinen Fans, führte bereits zur Pause mit 2:0. In Durchgang zwei legten die Breisgauer sogar den dritten Treffer nach. Das Braga-Tor zum 3:1 kam zu spät, Freiburg qualifizierte sich zum ersten Mal für ein internationales Endspiel.
Istanbul calling: Der Bosporus als Ziel einer langen Reise
Um es mit Nicolas Höflers Worten zu sagen: "Der kleine SC Freiburg" steht im Europa-League-Finale. In Istanbul trifft der Sport-Club auf Aston Villa, die sich im Halbfinale gegen Nottingham Forest durchsetzten. Mit dem Endspielort in der Türkei bereisen die Freiburger das siebte Land auf ihrer Europapokalroute in dieser Saison. Dabei hätte aus Freiburger Sicht wohl niemand was dagegen, wenn auf der Rückreise ein zusätzliches Gepäckstück angemeldet werden müsste: Der große silberne Europa-League-Pokal.