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Das sind die Gründe für den Fehlstart des SC Freiburg

Der SC Freiburg ist mit zwei Niederlagen und bereits sieben Gegentoren in die neue Bundesliga-Saison gestartet. Der Fehlstart dürfte nicht nur viele Fans überrascht haben. Aber es gibt Gründe.

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Von Autor/in Anna Klär

Nach der 1:4-Niederlage am Sonntagabend in Köln schaute man den Freiburg-Spielern nach Abpfiff ins Gesicht und sah vor allem eines: Leere. Während die 1:3-Pleite gegen Augsburg am ersten Spieltag vielleicht etwas unglücklich war, aber mit durchaus ansehnlichen spielerischen Elementen versehen, war davon in Köln wenig zu sehen. "Wir müssen hart zu uns selbst sein und können das nicht so stehen lassen", sagte Keeper Noah Atubolu: "So wie wir aktuell den SC Freiburg repräsentieren im ersten und zweiten Spieltag. Das sind nicht wir. Das ist nicht das, was wir letzte Saison gezeigt haben." Wieso aber steht das Team von Julian Schuster, das sich im Mai noch einen starken fünften Platz in der Bundesliga sichern konnte, aktuell mit null Punkten da?

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Fußball | Bundesliga "Verwöhnt" und "auf die Fresse gekriegt": SC Freiburg nach Fehlstart ernüchtert

Ein Torverhältnis von 2:7, enttäuschende Leistungen und das Tabellen-Schlusslicht: Der SC Freiburg sieht sich nach der Klatsche in Köln auf dem Boden der Tatsachen angekommen.

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Probleme in der Defensive

Das Prunkstück der Freiburger in der vergangenen Spielzeit war die Defensive. Eine stabile Innenverteidigung mit dem eingespielten Duo aus Matthias Ginter und Philipp Lienhart, dazu kam immer mal wieder der (aktuell verletzte) U21-Nationalspieler Max Rosenfelder auf der rechten Seite, der überzeugende Leistungen ablieferte. "Die Grundlage, um Spiele in der Bundesliga für sich zu entscheiden zu können, ist die Defensive", sagte Abwehrchef Ginter nach dem Köln-Spiel, "das hat uns ausgezeichnet und hat uns auch erfolgreich gemacht."

Warum das bisher in dieser Saison nicht funktioniert und die Freiburger viel zu leicht sieben (!) Gegentore kassierten, obwohl das Personal eigentlich dasselbe ist, weiß Ginter auch: Es fehlten die "Basics". Deutlich wurde das etwa beim 2:0 der Augsburger: Eine Ecke, bei der die Zuordnung im Freiburger Strafraum nicht passte, so dass der Gegner viel zu leicht einköpfen könnte. Sorgen sollten den Freiburgern zwei Gegentore in Köln bereiten, die innerhalb weniger Spielminuten nach einer gegnerischen Seitenverlagerung von der rechten auf die linke Seite fielen - beide Treffer waren nahezu identisch.

Dein SCF Freiburg geht in Köln unter

Unterschiedsspieler Doan fehlt

Deutlich wurde in den beiden Partien bisher aber auch, wie sehr dem Freiburger Spiel ein Ritsu Doan fehlt. Neben seiner offensiven Qualität, hatte er in den letzten beiden Saisons auch die Arbeit gegen den Ball für sich entdeckt und war im Spiel nach hinten unerlässlich. Eren Dinkci, der jetzt zweimal auf der rechten Seite starten durfte, kann diese Stärken aktuell nicht adäquat ersetzen. Weder offensiv noch defensiv. Nun liegt es nicht allein an ihm, den starken Doan zu vertreten, aber auch im Gesamtgefüge hatte man in Köln den Eindruck, dass die Kreativität des Japaners an allen Ecken und Enden fehlte.

Einer der für diese kreativen Momente sorgen kann ist Johann Manzambi. Immer wieder zeigte er die zuletzt auch, musste aber in den beiden Bundesligapartien nicht wie sonst auf der Zehner-Position, sondern zusammen mit Maximilian Eggestein im Zentrum agieren, weil Patrick Osterhage mit muskulären Problemen fehlte. Sicher nicht die Eins-A-Lösung, sondern dem Osterhage-Ausfall geschuldet, denn Manzmabi kann in der offensiveren Zehner-Rolle immer wieder gefährlich im gegnerischen Strafraum werden - für Stabilität im Zentrum zu sorgen, gelang ihm aber zu selten.

Offensiv zu harmlos

In Köln waren hochkarätige Chancen Mangelware, gegen Augsburg wurden sie nicht genutzt. Die Chancenverwertung und offensive Kaltschnäuzigkeit war bereits in der vergangenen Saison eine Baustelle - viel zu oft war es die individuelle Klasse von Doan oder Grifo, die zum Erfolg führte. Zur Wahrheit gehört aber auch: der neue Freiburger Stürmer, Igor Matanovic, fehlt seit Saisonstart verletzt. Er zeigte in der Vorbereitung überzeugende Leistungen und wäre sicher auch einer für die Startelf. Nach der Länderspielpause könnte er wieder mit dabei sein. Eine Rückkehr, die dem Freiburgern gut tun wird. Ebenso wie die von Osterhage. Jetzt gibt es erst mal noch die Chancen zwei Wochen lang die "Basics" wieder draufzubekommen und danach mit fittem Personal wieder zurück in die Spur zu finden.

Ohnehin kommt die Länderspielpause zum richtigen Zeitpunkt. Einmal durchatmen, sich nicht verrückt machen, aber: auch nichts Schönreden. Dass das nicht der Fall sein wird, wurde bereits in den Interviews am Sonntagabend klar. "Das muss ein Warnschuss sein", sagte Kapitän Günter. "Das müssen wir analysieren und hart ins Gericht mit uns gehen." Denn der Schock über die eigene Leistung sah man auch den Spielern an.