"You have to win Zweikampf." So heißt nicht nur ein Album der Sportfreunde Stiller, dieser Slogan stellt auch eine der sogenannten Tugenden des Fußballs dar. Nach der 1:2-Niederlage nach Verlängerung beim VfB Stuttgart im DFB-Pokal-Halbfinale kann sich der SC Freiburg davon allerdings recht wenig kaufen.
DFB-Pokal: Großer Unmut beim SC Freiburg
Die Badener fühlten sich gleich in mehreren Szenen benachteiligt. Schon in der ersten Hälfte hatten sie nach einem Kontakt von Angelo Stiller im Zweikampf mit Maximilian Eggestein einen Elfmeter gefordert.
Diese Szene war schlicht eine 50:50-Entscheidung zugunsten der Schwaben. Wir werden nie erfahren, was passiert wäre, hätte sich Eggestein einfach fallen lassen und hätte nicht noch versucht, das Tor zu treffen.
Viel krasser aus Freiburger Sicht war allerdings beim Stand von 1:1 der aberkannte Treffer von Lucas Höler in der ersten Minute der Nachspielzeit. Weil der Offensivspieler nach dem Zuspiel in seine Richtung angeblich zu sehr mit dem Körper gegen den fallenden VfB-Verteidiger Jeff Chabot arbeitete, pfiff Schiedsrichter Tobias Welz (Wiesbaden) die Aktion ab.
Kein Foul, "Fehlentscheidung": Schuster und Höler sind sich einig
Verständlicherweise war da der Ärger beim Sport-Club groß. "Ich weiß nicht, warum man da abpfeifen muss. Das ist ein reguläres Tor", sagte SC-Trainer Julian Schuster in der ARD über die strittige Szene: "Entschuldigung, das ist kein Foul. Das tut weh."
Höler pflichtete seinem Trainer bei. "Für mich ist es absolut kein Foulspiel. Für mich ist das in dieser Situation absolut eine Frechheit, das abzupfeifen", sagte Höler. Er hatte sofort nach der Szene Kontakt mit Schiri Welz. Dieser habe aber nicht mit sich reden lassen. Und er habe gesagt, dass es eine glasklare Entscheidung gewesen sei.
"Also, ich weiß nicht, was er in dieser Szene gesehen hat", so der Freiburger Stürmer: "Das ist niemals ein Foul. Mit dem Schubser muss Chabot nicht zu Boden gehen. Jeder, der auf mich zugekommen ist, sagt, dass das kein Foul ist. So glasklar kann es nicht gewesen sein."
Freiburg im DFB-Pokal raus: Günter will kein schlechter Verlierer sein
Auch Innenverteidiger Matthias Ginter kritisierte die Handhabung der Szene. "Es wird bei drei Meter Abseits weitergespielt, dann lass' hier auch weiterspielen. Dann kannst du es danach immer noch zurücknehmen", sagte der Weltmeister von 2014: "In der Szene abzupfeifen, vor dem Abschluss, ist einfach nicht richtig."
Die Art und Weise, wie Schiedsrichter Welz die Partie geleitet hat, hat auch Christian Günter nicht gefallen. Der Freiburger Abwehrspieler meinte: "Wenn das ein Foul ist, kann ich hier und heute meine Karriere beenden. Das ist wirklich gar nichts. Der läuft gegen einen 1,95-Mann, der fliegt einfach hin, und es ist niemals ein Foul."
Zudem ärgerte den Linksverteidiger, dass der Schiedsrichter in der Verlängerung bereits nach gut zwei statt der angezeigten drei Minuten Nachspielzeit abpfiff. Günter wolle aber die Schuld am Ausscheiden nicht nur beim Schiedsrichter suchen. "Wir wollen auch keine schlechten Verlierer sein", betonte der 33-Jährige.
Verständnis aufseiten des VfB Stuttgart
Sogar Stürmer Deniz Undav vom siegreichen VfB Stuttgart kritisierte die Schiedsrichter-Entscheidung scharf. "Einen krasseren Fehler, glaube ich, kannst du nicht machen als Schiri. Gut für uns natürlich, aber das darfst du nie und nimmer wegpfeifen", sagte der Nationalspieler des Titelverteidigers.
Auch Stuttgarts Coach Sebastian Hoeneß konnte Freiburgs Frust verstehen. "Die Situation darfst du nicht abpfeifen. Da hätten wir genauso reagiert, wie es die Freiburger getan haben", meinte er. Da musste selbst der DFB beipflichten: Es habe es sich um einen "robusten, aber regelkonformen Zweikampf" gehandelt, urteilte Marco Fritz, Leiter Regelauslegung und Evaluation in der DFB Schiri GmbH, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Es wäre jedoch "deutlich besser gewesen, die Partie weiterlaufen zu lassen und das unmittelbar folgende Tor von Höler zu geben", sagte Fritz.
VfB-Stürmer Undav: "Ich mag den eh nicht"
Undav ließ aber auch sonst kein gutes Haar am Unparteiischen. "Er hat das Spiel nicht wirklich kontrollieren können. Man kann auch nicht mit ihm reden, er hat dich direkt angeschrien", monierte der 29-Jährige und schob süffisant hinterher: "Ich mag den eh nicht."
Zurück zu der Tugend "You have to win Zweikampf": Manchmal hat dieses Motto eben keine Gültigkeit.
DFB-Pokal-Halbfinale Traumtor in der Verlängerung - Titelverteidiger VfB Stuttgart dreht Spiel gegen den SC Freiburg
Die Schwaben bringen sich durch eine unnötige Ecke selbst in Bedrängnis, doch im zweiten Durchgang macht das Team von Sebastian Hoeneß den erneuten Finaleinzug perfekt. Ein Traumtor von Tiago Tomas sorgt dür die Entscheidung.