Kurz vor der Innenministerkonferenz (IMK) haben fünf Proficlubs aus Baden-Württemberg eine gemeinsame Stellungnahme zur Sicherheitsdebatte in deutschen Fußballstadien veröffentlicht. Der VfB Stuttgart, der SC Freiburg, die TSG 1899 Hoffenheim, der 1. FC Heidenheim und der Karlsruher SC wollen damit "zur Versachlichung der Debatte beitragen" und warnen die Politik vor Maßnahmen, die aus ihrer Sicht unverhältnismäßig wären.
Der Erhalt unserer einzigartigen Atmosphäre im Stadion sowie die Sicherheit aller Stadionbesucher sind untrennbare Verantwortungen, die nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen."
Zentraler Bestandteil der Stellungnahme ist der Verweis auf die Stadionallianzen in Baden-Württemberg, die von den Clubs als "bundesweit anerkanntes und empirisches Erfolgsmodell" bezeichnet werden. Vereine, Verbände, Fanprojekte, Kommunen und Polizei arbeiteten dort "vertrauensvoll zusammen für mehr Sicherheit bei Fußballspielen". Dies habe zu "mehr Sicherheit und weniger Einsatzstunden der Polizei" geführt.
Nach Angaben der Clubs wurden durch die Stadionallianzen seit ihrer Einführung bis zur Corona-Pandemie jährlich rund zwei Millionen Euro an Einsatzkosten eingespart. Auch nach der Pandemie seien landesweit mehr als eine Million Euro weniger angefallen. Diese Einsparungen entsprächen etwa den Summen, die den Vereinen für Hochrisikospiele hätten in Rechnung gestellt werden können - "einen Sicherheitsgewinn hätte es durch bloße Rechnungsstellung nicht gegeben", so das Schreiben.
Die fünf Vereine sprechen sich deutlich für "evidenzbasierte Maßnahmen" aus, die sowohl Sicherheit gewährleisten als auch rechtsstaatliche Grundsätze wahren. "Gleichzeitig sprechen wir uns klar gegen kollektiv wirkende Einschränkungen wie verpflichtende Ticket-Personalisierungen oder pauschale Sanktionen aus, die den Großteil der Fans, die friedlich agieren, unverhältnismäßig treffen würden."
Mit Blick auf die anhaltenden Fanproteste mahnen die südwestdeutschen Clubs an, Prävention zu stärken und Dialogformate auszubauen. Die Zusammenarbeit aller Netzwerkpartner sei "essenziell für gelingende Fußballgroßveranstaltungen". Eine bundesweite Umsetzung der Stadionallianzen könne diese Zusammenarbeit stärken.
Auch beim Thema Stadionverbote fordern die Vereine Zurückhaltung. "Wir erachten einen Automatismus bei der Entscheidung über die Verhängung von Stadionverboten bei Einleitung eines Ermittlungsverfahrens seitens der Strafverfolgungsbehörden als nicht zielführend", heißt es in der Stellungnahme. Stattdessen müssten die behördlichen Verfahren "wesentlich zügiger, individuell belastbarer" werden, um klare Entscheidungsgrundlagen zu schaffen.
Die bestehenden lokalen Stadionverbotskommissionen müssten erhalten bleiben. Eine zentrale verbandsseitige Instanz solle lediglich eine Rechts- und Fachaufsicht ausüben. Stadionverbote seien ein präventives Instrument, das "in unmittelbar zeitlicher Nähe zu etwaigen Vorfällen, die nachweislich belastbar und individuell zuordenbar sein müssen, konsequent anzuwenden gilt".
Verständnis für Fans auch vom FCK
Hintergrund der Stellungnahme sind bundesweite Diskussionen und teils massive Fanproteste gegen mögliche neue Sicherheitsmaßnahmen, darunter Ticket-Personalisierungen, zentrale Stadionverbote und Gesichtserkennung. Auch andere Vereine wie der 1. FC Kaiserslautern, Bayern München, Borussia Dortmund und Hertha BSC hatten zuletzt Verständnis für die Kritik aus den Kurven geäußert.
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Stadionverbote auf Verdacht oder auch personalisierte Tickets - das planen die Innenminister für Fußball-Fans. Der 1. FC Kaiserslautern hält davon wenig. Fans protestieren dagegen.