Ende November hatten sich nach dem 4:1-Heimsieg des 1. FC Kaiserslautern gegen Holstein Kiel beide Fanlager in der Halle Nord im Fritz-Walter-Stadion getroffen. Zahlreiche Fahnen wehten. Die Stimmung der beiden Seiten war kämpferisch. Denn Fans des FCK wie auch der Kieler Sportvereinigung sehen die deutsche Fankultur in Gefahr - durch die Pläne der Politik.
Vom 3. bis 5. Dezember tagen die 16 deutschen Innenminister in Bremen. Auf der Innenministerkonferenz wollen sie weitgehende Entscheidungen treffen, die Fußball-Fans betreffen. Sie wollen damit die Gewalt in Stadien eindämmen. Im Gespräch sind Stadionverbote, die vorsorglich ausgesprochen werden können - also, bevor eine betreffende Person eine Straftat begangen hat.
FCK-Fans lehnen zentrale Überwachung ab
Beispiel: Ein Ultra-Fan ist vor einem Fußballspiel auf der Straße mit der Polizei aneinandergeraten - er könnte dann mit einem solchen vorsorglichen Stadionverbot belegt werden. Eine zentrale Stelle von Deutschem Fußball Bund und Deutscher Fußball Liga könnte die Verdachtsfälle überwachen. Für das Fanbündnis 1. FC Kaiserslautern gehen die Pläne der Innenminister zu weit.
"Damit würde die Unschuldsvermutung de facto ausgehebelt. Fans könnten ausgeschlossen werden, ohne jemals eine Straftat begangen zu haben", kritisiert das Bündnis in einem öffentlichen Statement. Zahlreiche FCK-Fanclubs aus der Region haben sich dem Bündnis bereits im Vorfeld angeschlossen.
Doch auch bundesweit machen Fans seit Wochen gegen diese Pläne mobil. Zum einen mit Spruchbändern in den Stadien, zum anderen mit einem Fanmarsch am vergangenen Wochenende in Leipzig, an dem Fans verschiedener Vereine teilgenommen haben. Anhänger aus Kaiserslautern waren ebenfalls mit dabei.
Nein der Fans zu personalisierten Tickets
Denn neben der Neuregelung bei Stadionverboten könnte es auch personalisierte Tickets geben - und das lehnen Fans aus ganz Deutschland ab. Das Fanbündnis 1. FC Kaiserslautern fürchtet dadurch unter anderem eine umfassende Datenerfassung von jedem Stadionbesucher und lange Warteschlagen durch die Einlasskontrollen.
"Was als Sicherheitsgewinn verkauft wird, bedeutet in Wirklichkeit Überwachung auf Kosten aller Fans. Wir wollen ins Stadion, nicht in ein Hochsicherheitsgefängnis", heißt es vom Fanbündnis Kaiserslautern.
FCK: Keine vorsorglichen Stadionverbote
Und was hält der 1. FC Kaiserslautern von den Plänen? Wenig bis nichts. FCK-Sprecher Stefan Roßkopf sagte, ein Stadionverbot sei ein großer Einschnitt in das Leben der betreffenden Person. "Man nimmt dem Menschen etwas, das er am Wochenende am liebsten macht." Stadionverbote sollten seiner Meinung nach nicht auf Verdacht, sondern nur mit einer klaren Begründung ausgesprochen werden.
Auch die zentrale Stelle zur Überwachung dieser Stadionverbote sieht Roßkopf kritisch. Er hielte es für besser, wenn die Vereine mit den betreffenden Fans in Kontakt blieben. Denn die Vereine würden die Fanstruktur vor Ort sehr viel besser kennen.
Und die personalisierten Tickets? Da sieht Roßkopf vor allem organisatorische Probleme. "Was passiert, wenn ich nicht ins Stadion kann? Kann ich eine solche Karte einfach an einen Freund weitergeben?" Die WM 2006 in Kaiserslautern mit personalisierten Tickets habe gezeigt, dass das alles nicht so einfach sei. Außerdem sieht er Probleme mit dem Datenschutz.
FCK-Fans unterstützen bundesweite Petition
Die Fans des 1. FC Kaiserslautern wollen bis zur Innenministerkonferenz in Bremen weiter auf die Belange der Fankultur aufmerksam machen. Sie unterstützen auch die bundesweite Petition "Der Fußball ist sicher". Die Online-Petition richtet sich an die Innenminister von Bund und Ländern. 100.000 Unterschriften sind das Sammelziel. Derzeit haben über 61.000 Personen die Petition unterzeichnet (Stand: 23. November).