SV Waldhof-Fan-Vertreter: "Viel Lärm um Nichts"

Sicherheit in Fußballstadien: Politik verzichtet auf harten Kurs gegen Fans

Keine personalisierten Tickets, keine Gesichtserkennung, Stadionverbotsfrage erst mal aufgeschoben. Die Beschlüsse der Innenministerkonferenz sorgen für Aufatmen bei den Fans.

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Von Autor/in Wolfgang Kessel

Die Politik verzichtet beim Streitthema "Sicherheit in deutschen Fußballstadien" auf drastische Maßnahmen. Stattdessen nehmen die Innenminister die Vereine in die Pflicht. Das sind - kurz zusammengefasst - die Ergebnisse der Innenministerkonferenz (IMK), die am Mittwoch in Bremen begonnen hat und am Freitag zu Ende gegangen ist.

Die Ministerrunde hat beschlossen, dass es für Fans beim Stadionbesuch weder personalisierte Tickets, noch Gesichtserkennung mit KI (Künstliche Intelligenz) geben wird. Beim Thema der Stadionverbote soll eine unabhängige Kommission eingesetzt werden. Was das Thema Pyrotechnik im Stadion angeht, kam es zu keinen Entscheidungen. Das soll erst beim kommenden Treffen im Juni 2026 wieder auf der Tagesordnung stehen.

Sören Runke vom Fandachverband PRO Waldhof
Sören Runke, Vorstandsvorsitzender des Fandachverbands PRO Waldhof e.V. Sören Runke

Waldhof-Fan-Vertreter: "Viel Lärm um Nichts"

Aus der Perspektive vieler Fußballfans könnte man sagen: Die Proteste der organisierten Fanszene haben offenbar Wirkung erzielt. Sören Runke vom Fandachverband des SV Waldhof Mannheim sagte dem SWR mit Blick auf die Ergebnisse der IMK, es sei am Ende "viel Lärm um Nichts" gewesen.

Vieles hätte man in sachlicher Diskussion auch einfacher haben können.

Sicherheit in Stadien: "Ein Dialog auf Augenhöhe?"

Dass die Politik mit den Fans nun offenbar mehr auf Dialog statt auf Konfrontation setzen will - der überzeugte Waldhof-Fan Sören Runke ist skeptisch: "Wird das wirklich ein Dialog auf Augenhöhe sein? Oder will man die Fans eher an den Pranger stellen und nur erklären, was die für einen Schaden anrichten?" Eine Alternative dazu sei, so Runke, ein "echter Dialog, bei dem man gemeinsame Schritte geht, schaut, was man machen kann, aber in dem es auch mal Rückschritte geben kann". Runke zufolge hätten viele Punkte auf der Tagesordnung der IMK "keine Sinnhaftigkeit gehabt". Zum Beispiel: personalisierte Tickets. Das könne in einem Stehplatzblock kaum funktionieren.

Fanorganisation "Unsere Kurve": Viele Fragen offen

Ähnlich verhalten äußerte sich die Fanorganisation "Unsere Kurve". Immerhin: Es sei "begrüßenswert, dass gerade Punkte der zentralen Überwachung, KI-Gesichtserkennung und dergleichen abgeräumt wurden", sagte Thomas Kessen, Sprecher der Fanorganisation, dem Sportinformationsdienst (SID). Gleichzeitig blieben aber noch viele Fragen offen.

Innenminister Strobl: "Fans nicht in Sippenhaft nehmen"

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) teilte am Freitag nach der IMK mit, Fußballfans in den Stadien dürften "nicht in Sippenhaft" genommen und "mit Randalierern und Vandalen" gleichgestellt werden. "Das wäre unfair". Allerdings, so Strobl, gebe es auch "wenige Störenfriede mit hoher Gewaltbereitschaft – und die haben die Innenminister genau im Blick und die werden richtigerweise im begründeten Einzelfall hart bestraft". In Baden-Württemberg setze man erfolgreich auf "Stadionallianzen".

Vereine, Verbände, Fanprojekte, Kommunen und Polizei arbeiten hier Hand in Hand für mehr Sicherheit bei Fußballspielen – und was in Baden-Württemberg funktioniert, kann auch anderswo funktionieren.

Proteste im Vorfeld: Schweigen in der Fankurve

Im Vorfeld der IMK hatten Fans wochenlang massiv gegen verstärkte Sicherheitsmaßnahmen in den deutschen Stadien protestiert. So hatten etliche Fangruppierungen verschiedener Vereine an den vergangenen Spieltagen in den ersten zwölf Spielminuten in ihren Fanblöcken jeweils kollektiv geschwiegen.

Sören Runke sagte dem SWR, er sei froh, dass der wochenlange Protest der Fans am Ende etwas gebracht habe. Er lobte in dem Zusammenhang auch die Vereine, die größtenteils "mitgegangen sind, sich nicht rausgehalten haben, statt nur hinzunehmen, was von der Politik kommt". DFL, DFB und mehrere Klubs hatten eine von der Politik diskutierte deutliche Verschärfung der Regeln für den Stadionbesuch abgelehnt.

Baden-Württemberg

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