Sport erklärt

Vom Verbot bis zum Hype: Wann gibt es Equal P(l)ay im Frauenfußball?

Eine Rekordprämie winkt den DFB-Frauen bei einem EM-Titelgewinn. Doch von gleichen Gehältern ist der Sport noch weit entfernt: Wo steht der Frauenfußball und wo will er hin?

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Von Autor/in Lena Bergmann

125-jähriges Jubiläum feiert König Fußball dieses Jahr, der Lieblingssport der Deutschen. Und auch der Frauenfußball hat etwas zu feiern: Nämlich 55 Jahre nicht verboten zu sein.

55 Jahre nach dem Verbot: Frauenfußball bricht Rekorde

Dieser kleine Fakt wird mitunter gerne vergessen, wenn auf die Frage nach "equal pay" im Fußball die Überlegenheit des Männerfußballs begründet wird: unterhaltsamer, schneller, besser. Frauenfußball ist vor allem eins: jünger.

Sport erklärt: Vom Kaffeeservice zur Rekordprämie – Equal P(l)ay im Frauenfußball | SWR Sport

Doch nicht erst seit die Männer bei der Klub-WM vor leeren Stadien spielend Millionen verdienen wird der Frauenfußball für die Fans immer attraktiver: Knapp 18 Millionen Menschen hatten das Endspiel der deutschen Frauen-Nationalmannschaft gegen England bei der Europameisterschaft vor drei Jahren verfolgt. Sechs Millionen Deutsche sahen auch das Auftaktspiel der DFB-Frauen bei der WM 2023, obwohl das Spiel an einem Montag lief, um 10.30 Uhr.

Auch bei der diesjährigen EM in der Schweiz dürfte das Interesse wieder groß werden: Der nächste Zuschauerrekord liegt in Reichweite, denn fast alle Partien waren bereits eine Woche vor Turnierbeginn ausverkauft.

Rekordprämie statt Kaffeeservice

Bei einem Titelgewinn winkt den DFB-Frauen diesmal eine Rekordprämie von 120.000 Euro pro Spielerin. Doppelt so viel wie bei der EM 2022 und kein Vergleich mehr mit dem 41-teiligen Kaffeeservice, das als Anerkennung für den ersten Europameistertitel 1989 dienen sollte.

Seit dem Frauenfußball-Verbot durch den DFB 1955 hat sich einiges getan: Die Trainingsbedingungen werden professioneller, die finanzielle Sicherheit im Falle von Verletzungen oder bei einer Schwangerschaft verbessert sich. Und: die Gehälter steigen.

Auf Liga-Ebene: Enormes Potenzial aber auch riesige Unterschiede

Inzwischen verdient eine Bundesliga-Spielerin im Schnitt 4.000 Euro im Monat. Fakt ist jedoch auch, dass die Unterschiede selbst innerhalb der Liga enorm sind: Laut einer Umfrage der Sportschau von 2023 haben 70% der befragten Spielerinnen, die eigentlich Profis sind, noch einen anderen Job.

Welches enorme Wachstumspotenzial im Frauenfußball steckt, zeigt die Women’s Super League in England. 2024 hat sich die englische Frauenliga abgespalten und die Rechte für die kommenden fünf Saisons für die Rekordsumme von 65 Millionen Pfund verkauft. Die Folge: Bessere Sendezeiten, mehr Reichweite und höhere Sponsoring-Einnahmen. Auch für die Spielerinnen bedeutet das: mehr Sichtbarkeit und mehr Geld.

Laut DFB wäre ein ähnliches Modell auch hierzulande denkbar: "Wir würden dem nicht im Wege stehen. Der DFB sagt ganz klar: alles, was zur Förderung, und zum Wachstum der Frauen- Bundesliga gehört, da gehen wir mit," so die DFB-Vizepräsidentin Sabine Mammitzsch im Interview mit SWR Sport.

Frauenfußball überzeugt mit attraktiven Werten

Wohin geht es also für den Frauenfußball in Zukunft? Immer wieder betonen Spielerinnen, dass sie keine Millionen-Gehälter fordern, sondern professionelle Bedingungen. "Equal play" statt "equal pay" also.

Dass beim Frauenfußball noch die Liebe zum Kicken im Mittelpunkt steht, den Eindruck haben auch die Fans. So stehe der Frauenfußball derzeit vor allem für Familienfreundlichkeit, Diversität und eine friedliche Atmosphäre.

"Ich glaube, das macht im Moment den Unterschied aus. Bei Männer-Spielen entstehen teilweise diese Aggressionen, woher sie auch immer kommen mögen. Das ist zum Glück beim Frauenfußball nicht der Fall. Und ich hoffe, das behalten wir uns ganz, ganz lange bei. Und das soll auch unser Steckenpferd sein," so DFB-Vizepräsidentin Mammitzsch.