Zwischen einem Abenteuer und dem nächsten liegen manchmal nur wenige Wochen. Mitte Mai kämpfte der SSV Ulm 1846 Fußball noch um den Klassenerhalt in der 2. Fußball-Bundesliga, Mitte Juni aber muss er sich für die neuen Aufgaben eine Etage tiefer wappnen: Nach dem Abstieg in die 3. Liga widerfährt dem Kader der Spatzen das, wofür jedes Fußball-Lexikon den Begriff "Umbruch" bereithält.
SSV Ulm 1846: 15 Abgänge, darunter viele Leistungsträger
Allein die Zahl von aktuell 15 Abgängen macht deutlich, wie sehr sich das sportliche Erscheinungsbild der Mannschaft in der Saison 2025/2026 verändern wird. Was aber noch wichtiger ist: Unter diesen 13 Spielern befinden sich viele Leistungsträger, die maßgeblichen Anteil daran hatten, dass der SSV bis zum 33. Spieltag eine realistische Chance auf den Zweitliga-Verbleib hatte.
Mit Zwölf-Tore-Stürmer Semir Telalovic (wechselt zum 1. FC Nürnberg) verliert Ulm seinen besten Knipser. Auch Innenverteidiger Niklas Kolbe (Hertha BSC), die Mittelfeldspieler Bastian Allgeier (Hannover 96) und Robert Leipertz (1. FC Magdeburg/Leihende) sowie Angreifer Felix Higl (Greuther Fürth) bleiben in der 2. Liga.
Tom Gaal künftig in der Schweiz aktiv
Gleiches gilt für Abwehrspieler Philipp Strompf und Torhüter Niclas Thiede, die es (wieder) zum VfL Bochum zieht. Für Thiede ist es nach dem Ende des Leihgeschäftes die Rückkehr zum Bundesligaabsteiger. Innenverteidiger Tom Gaal wird künftig für den Schweizer Erstligisten FC St. Gallen auflaufen.
Weg sind zudem die Mittelfeldspieler Maurice Krattenmacher (FC Bayern), Luka Hyryläinen (Hoffenheim II) und Aaron Keller (Unterhaching/Greuther Fürth), die in der abgelaufenen Runde an die Spatzen ausgeliehen waren. Romario Rösch, Lennart Stoll, Thomas Geyer sowie Andreas Ludwig werden ebenfalls nicht mehr für den SSV am Ball sein.
Trainer Robert Lechleiter verlängerte frühzeitig
Immerhin auf der wichtigen Trainerposition hatte der Club bereits vor geraumer Zeit für Klarheit gesorgt. Die Vertragsverlängerung mit Robert Lechleiter bis 2027 war fix, da stand der durch ein 1:6 beim Hamburger SV besiegelte Abstieg erst wenige Tage fest.
Fußball | 2. Liga Vertrag verlängert: Lechleiter bleibt Trainer des SSV Ulm 1846
Die Entscheidung fällt schon vor dem letzten Saisonspiel: Robert Lechleiter bleibt auch in der 3. Liga Coach des SSV Ulm. Geschäftsführer Markus Thiele lobt den 44-Jährigen.
In der Vereinsmitteilung sprach der 44-Jährige damals von einem "sehr wichtigen Auftrag". Wie der konkret aussieht, ist mittlerweile auch klar: ein mehr oder weniger komplett neues Team formen. Den 13 Abgängen stehen acht Neuzugänge gegenüber. Darüber hinaus kehren nach derzeitigem Stand drei Akteure von ihren Leihen zurück.
Die Neuen beim SSV Ulm
Die "frischste" Verpflichtung ist die von Torwart Max Schmitt. Der SSV leiht den 19-Jährigen von der zweiten Mannschaft des Rekordmeisters FC Bayern München aus. Der U17-Weltmeister von 2023 komme für ein Jahr an die Donau und komplettiere das Torwart-Trio mit Christian Ortag und Marvin Seybold.
Stürmer André Becker kommt von Arminia Bielefeld nach Ulm und unterschrieb bis zum 30. Juni 2028, wie der Zweitliga-Absteiger am Tag des Trainingsauftakts am Montag (23.06.2025) bekanntgab. In der vergangenen Rückrunde war der 28 Jahre alte gebürtige Brasilianer an den SV Waldhof Mannheim ausgeliehen. "Mit André bekommen wir einen Stürmer, der die 3. Liga sehr gut kennt, viel Erfahrung und Torgefahr mitbringt", sagte SSV-Geschäftsführer Markus Thiele.
Für die Defensive verpflichteten die Ulmer zudem Sadin Crnovršnin von den Young Boys Bern und Max Scholze von den Amateuren des FC Bayern München. Crnovršnin unterschrieb bis zum Sommer 2027. "Für mich ist es toller Schritt, zum ersten Mal außerhalb der Schweiz zu spielen", sagte der 23-Jährige. Scholze, dessen Wechsel die Ulmer am Freitag (20.06.2025) bekanntgaben, steht exemplarisch für das Muster, das in den Transfers des SSV zu erkennen ist: Ein Großteil der Neuzugänge ist nicht älter als 25 und hat in der vergangenen Saison bei einem Viertligisten gespielt. Scholze ist 20 Jahre alt.
Ausnahmen bilden die Wechsel von Ben Westermeier, der zuletzt für Hannover 96 II in der 3. Liga gekickt hat, und Julian Etse - der Innenverteidiger kommt aus der Bochumer U19 und soll bei den Spatzen zum Profi reifen. Transfers mit Weitsicht. Oder doch mit Risiko?
Spatzen brauchen Drittliga-Erfahrung im Kader
Ein Grund für den Abstieg war die mangelnde Zweitliga-Erfahrung im Ulmer Kader der vergangenen Saison. Eine Erkenntnis, die Lechleiter und Co. auch in die 3. Liga mitnehmen sollten. Mit Niklas Kölle (VfL Osnabrück) und Niklas Castelle (Alemannia Aachen) haben zwei Rückkehrer zuletzt Drittliga-Luft geschnuppert.
Inwiefern das ausreicht - gepaart mit dem Gerüst an Spielern wie Eigengewächs Dennis Chessa, der seinen Vertrag nach dem Abstieg verlängert hat - wird sich zeigen müssen. Der Trainingsauftakt war der Beginn eines weiteren Abenteuers.