"Vielleicht ging alles zu schnell"

Chaos in Ulm: Dem SSV droht der direkte Sturz in die Regionalliga

Erst marschierte der SSV Ulm 1846 Fußball aus der Viertklassigkeit in die 2. Bundesliga durch - dann folgte der jähe Absturz. Nun droht der Fall in die Regionalliga Südwest.

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Vielleicht verlief beim SSV Ulm wirklich alles ein wenig zu rasant - und der schnelle Aufschwung seit 2022 trug den heutigen Absturz als Keim bereits in sich. "Der sportliche Erfolg hat eine Rieseneuphorie in Ulm und der Region ausgelöst. Aber gleichzeitig war es wie bei Unternehmen, die zu schnell wachsen", sagt der Ulmer Vorstandsvorsitzende Dominik Schwärzel. "Es müssen Strukturen und Strategien angepasst werden. Das gelang beim SSV nicht überall, weil es vielleicht alles ein bisschen zu schnell ging."

SSV Ulm kämpft gegen den neuerlichen Sturz in die Regionalliga

Nach mehreren Insolvenzen und vielen Jahren im Amateurfußball war der frühere Bundesligist am Ende der Saison 2022/2023 aus der Regionalliga in die 3. Liga aufgestiegen und danach in die 2. Bundesliga durchmarschiert. Doch nach dem direkten Abstieg zurück in Liga drei nach nur einem Jahr kämpft der Tabellen-18. nun gegen den neuerlichen Sturz in die Regionalliga.

Dominik Schwärzel: "Ich glaube an eine Trendwende"

Der Vorstandschef hofft auf die Trendwende. Schon vor dem ernüchternden 2:3 beim Tabellenletzten 1. FC Schweinfurt am vergangenen Samstag hatte Trainer Pavel Dotchev die Chancen auf den Nichtabstieg auf nur noch 20 Prozent beziffert. Wie viele sind es wohl jetzt noch, wenn es nicht mal gegen das abgeschlagene Schlusslicht zu drei Punkten reicht? Er wolle nicht in Prozentzahlen sprechen, sagt Schwärzel vor dem Heimspiel gegen den FC Ingolstadt 04 (Sonntag, 19:30 Uhr). Aber der Klassenverbleib sei noch möglich. "Ich glaube an eine Trendwende."

Bei acht Punkten Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz zehn Spieltage vor dem Saisonende ist das eine gewagte Aussage - aufgeben wollen die Ulmer aber jedenfalls nicht. 

Ulm und sein "großes Potenzial"

Stattdessen glaubt Schwärzel weiter an eine Zukunft des möglicherweise bald wieder viertklassigen Traditionsclubs im großen Profifußball. Dabei wirken die vergangenen Jahre sportlich wie eine wilde Achterbahnfahrt. "Der SSV und die ganze Region haben ein sehr großes Potenzial, was die Begeisterung für Fußball, aber auch die Wirtschaftskraft angeht. Dieses gilt es in Zukunft abzurufen", erklärt der Chef eines Ulmer Software-Unternehmens.

Finanziell würde der Club auch einen Abstieg in die Regionalliga verkraften und könne sich dort neu aufstellen. "Wir haben mittlerweile sicher den Vorteil, dass wir eine Dichte an Sponsoren haben, die zum Verein stehen", erklärt Schwärzel. Er will mit seinen Kollegen in der Vereinsführung eine mittel- bis langfristige Strategie entwickeln. 

Stephan Schwarz ist beim SSV Ulm Geschichte

Nicht mehr mitmischen wird dabei der bisherige Sport-Geschäftsführer Stephan Schwarz. Als ob der SSV nicht schon genug Probleme hat, trennten sich beide Seiten am Dienstag. Es habe unterschiedliche sportliche Auffassungen gegeben, sagt Schwärzel, der selbst erst seit Januar Vorstandschef ist. 

Zwei Sportchefs, drei Trainer - viel Unruhe

Der Weggang von Schwarz passt gut ins Bild. Denn Personalwechsel sind in Ulm derzeit Programm. Dotchev ist nach Robert Lechleiter und Moritz Glasbrenner der dritte Cheftrainer in dieser Saison. Schwarz war bereits der zweite Geschäftsführer und Sportchef. Erst Mitte November war er als Nachfolger des geschassten Markus Thiele in die Donaustadt gekommen. Thiele hatte im vergangenen Sommer nach dem Zweitliga-Abstieg einen großen Kaderumbruch vorgenommen und dabei keine glückliche Hand gehabt.

Und nach dem Kreuzbandriss von Kapitän Johannes Reichert gleich zu Saisonbeginn fehlt der Mannschaft eine Führungspersönlichkeit auf dem Platz. Den Ulmer Fans geht angesichts der mangelnden Chancenverwertung und der häufigen Fehler in der Defensive mittlerweile der Glaube daran ab, dass es unter dem als großer Hoffnungsträger gekommenen Dotchev noch einmal besser wird. In Schweinfurt zeigten sie ihren Ärger mehr als deutlich. "Absteiger, Absteiger!", riefen sie aus ihrem Block. Nich zu unrecht - die Viertklassigkeit ist ein realistisches Szenario für den SSV Ulm.

Erstmals publiziert am
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Johann Schicklinski

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