Es war bereits weit in der Nachspielzeit, als die Arena auf dem Schlossberg urplötzlich in ihren Grundfesten bebte und zitterte. Marvin Pieringer hatte den Ball zum vermeintlichen Last-Minute-Siegtreffer ins Frankfurter Tor geköpft. Doch der Torjubel erstarb sekundenschnell: Klare Abseitsstellung des lange verletzten Top-Scorers. Es blieb beim hart erkämpften 1:1-Unentschieden. Den Lucky-Punch von "Piere" hätte auch der starke FCH-Keeper Diant Ramaj nur zu gerne mitgenommen: "Die drei Punkte hätten wir gerne gehabt", so der Torhüter, "aber wir haben vor unseren Fans ein gutes Gesicht gezeigt. Das geht schon klar so."
Verdienter Punktgewinn im Abstiegskampf
Am Ende bedeutete das Remis einen durchaus verdienten Punktgewinn des Außenseiters gegen das hochgeschätzte Champions-League-Team aus der Hessen-Metropole: "Die erste Hälfte ging an uns", resümierte Trainer Frank Schmidt nach Spielende gegenüber SWR Sport, "wir haben uns nicht versteckt. Das haben wir lange Zeit gut gemacht, in der zweiten Halbzeit standen wir dann unter Druck."
Die Bilanz des FCH-Coaches unterm Strich: "Der Punkt geht in Ordnung." Und die Erkenntnis von SWR Sport nach den 95 Minuten von Heidenheim: Das FCH-Feuer brennt, das Team um Frank Schmidt lebt und das in höchst intensiver Art und Weise.
Zivzivadzes erster Treffer nach fast acht Monaten
Nach nur vier Zählern aus acht Spielen war das Unentschieden, der erste Punktgewinn überhaupt gegen die Frankfurter Eintracht, durchaus überlebenswichtig. Und nach 32 Minuten durfte auf dem Schlossberg auch herzerfrischend die 1:0-Führung bejubelt werden. Nach dem wunderbar ausgespielten Konter über Honsak und Ibrahimovic schob Budu Zivzivadze den Ball über die Frankfurter Linie. Zunge raus, Arme ausgebreitet, Jubellauf - der Treffer des Georgiers wurde frenetisch gefeiert.
Es geht ja doch, mochten sich viele der zuletzt so frustrierten Heidenheimer Fans bei dieser wunderbaren Szene gedacht haben, und das in diesem Fall auf höchstem fußballerischen Niveau. Und endlich: Es war Budus erster Treffer in dieser Bundesligasaison und der erste für den FCH seit dem 16. März, als der 31-Jährige beim 3:1 daheim gegen Kiel gewonnen hatte.
Schimmer vergab den möglichen zweiten Treffer
Zivzivadzes Nebenmann Stefan Schimmer hätte nur ein paar Minuten später sogar auf 2:0 erhöhen können. Es wäre möglicherweise der Siegtreffer gewesen. Der "Bomber" aber löffelte den Ball aus bester Position weit übers Eintracht-Gehäuse. Die harmlosen Gäste verbuchten zwar deutlich mehr Ballbesitz, verfingen sich aber immer wieder wie die Mücke im Spinnennetz in der tiefstehenden und vielbeinigen FCH-Defensive, die die Räume geschickt besetzten, die Wege versperrten und auf schnelles Konterspiel setzten.
Was dennoch gefährlich wurde, war ein sicherer Fang des reaktionsschnellen Keepers Diant Ramaj: "Unser Plan mit den langen Bällen hinter die Frankfurter Kette ist in der ersten Hälfte gut aufgegangen", so Ramaj, "danach war dann bis zum Ende mehr Kampf drin."
Unermüdlicher Abwehrkampf nach der Pause
Die solide Heidenheimer Deckung hielt dem zunehmenden Dauerdruck der Hessen nach der Pause einmal aber nicht stand. Als Rasmus Kristensen zum 1:1-Ausgleich einköpfte (55. Minute), war das Momentum für den FCH dahin. Die dominante Ballbesitznahme der Gäste steigerte sich Richtung Spielende auf mehr als 70 Prozent. Frankfurt spielte dreimal so viele Pässe als die mit Herz und Leidenschaft verteidigenden Gastgeber, die dennoch - wie geschildert - durch Pieringers Abseitstreffer kurz vor Toresschluss beinahe noch den Sieg herausgeköpft hätten.
Bundesliga Heidenheim punktet gegen Eintracht Frankfurt
Der 1. FC Heidenheim erkämpft sich einen Punkt gegen Eintracht Frankfurt und rutscht trotzdem auf den letzten Tabellenplatz ab.
Torhüter und Stürmer machen Hoffnung
Was bleibt, sind mehrere wertvolle Erkenntnisse: Mit dem jungen Diant Ramaj besitzt der FCH einen hochtalentierten Torhüter, der immer mehr zum Rückhalt des Teams wird. Wie die 24-jährige Dortmund-Leihgabe beispielsweise Minuten vor Spielende den Schuss von Theate gerade noch über die Torlatte lenkte, war feinste Streckgymnastik. "Starker Torwart, vielbeinige Abwehr", lobte dann auch FCH-Coach Schmidt, "ich bin mit meiner Mannschaft zufrieden."
Und auch die Renaissance der Stürmer lässt hoffen: Torjäger Budu Zivzivadze weiß endlich wieder, wo der gegnerische Kasten steht. Und der Beinahe-Siegtorschütze Marvin Pieringer zeigte, dass er sich nach monatelanger Verletzungspause mit jedem Joker-Einsatz Schritt für Schritt seiner alten Form nähert.
SWR Sport | 24. Mai ab 22:00 Uhr SWR Sport mit DFB-Pokalfinale, Europa League-Finale und Nils Petersen
Europa League-Finale mit dem SC Freiburg, DFB-Pokalfinale VfB Stuttgart gegen FC Bayern und der deutsche WM-Kader. Viel Gesprächsstoff mit Studiogast Nils Petersen, Ex-Freiburg-Profi.
FCH trotz des Punktgewinns Tabellenletzter
Dass der FCH trotz des Punktgewinns gegen Frankfurt auf den letzten Tabellenplatz abrutschte, ist für Frank Schmidt nur eine Momentaufnahme: "Entscheidend ist das Datum des letzten Spieltags. Trotzdem brauchen wir Winterproviant, da müssen wir uns noch was anfuttern." Und, so Schmidt nach fünf Heimzählern aus den letzten drei Spielen: "Wir müssen jetzt aber auch anfangen, auswärts zu punkten." Gar nicht einfach, denn nächsten Samstag geht`s nach Leverkusen...