Fußball | 2. Bundesliga

KSC-Trainer Christian Eichner über Aufstieg: "Vielleicht sind wir irgendwann mal dran"

Was ist für den Karlsruher SC in der kommenden Saison möglich? Zum Saisonauftakt spricht KSC-Trainer Christian Eichner mit SWR Sport über Ziele und Wünsche für die neue Spielzeit.

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SWR Sport: War die Pause für Sie als Trainer ausreichend?

Christian Eichner: Die war perfekt, sie war vor allen Dingen notwendig, weil das Jahr schon sehr intensiv war. Der Zeitpunkt und die Länge waren wichtig, aber trotzdem ist es immer wieder so, dass wir uns auf die Mannschaft freuen und deswegen war es jetzt auch schön, dass es wieder losging.

Torwart Max Weiß wechselt in die Premier League zu Aufsteiger Burnley. Von einem ganz großen Traum, der in Erfüllung geht, spricht der Keeper. Sie hatten gesagt, dass dieser Wechsel zeigt, was beim KSC alles möglich ist. Wie meinen Sie das?

Wir reden über die beste Liga der Welt. Wir haben die letzten Jahre genug Beispiele gehabt, wo Spieler von uns in die Bundesliga gewechselt oder zurück zu ihren Leihvereinen gegangen sind und da jetzt eine herausragende Rolle einnehmen. Wenn ich an Paul Nebel denke, der hier zwei Jahre durch die Decke ging und jetzt in Mainz auf einem höheren Level ein unverzichtbarer Faktor geworden ist und auch bei der U21 eine tolle Rolle spielt. Das zeigt, dass wir als Verein die Möglichkeiten bieten, dass die Spieler den nächsten Schritt machen können und gleichzeitig zeigt es natürlich auch den Kreislauf, dass wir als Verein mehr denn je darauf angewiesen sind, über solche Schritte Transfererlöse einzunehmen, um dann als Klub, als Mannschaft, Schritt für Schritt qualitativ zu wachsen.

Wie groß ist die Lücke, die Max Weiß zurücklässt?

Das ist natürlich das Ende der ganzen Geschichte, das man nicht vergessen darf, dass natürlich jetzt erst mal kein Torwart da ist, der diese Rolle direkt einnehmen kann. Jetzt müssen wir schauen, wer die kommende Nummer eins ist, wer das Tor sauber halten kann und das kann auch den einen oder anderen Moment dauern. Es ist halt eine sehr, sehr wichtige Position.

Sie haben ja Anfang der Woche auch gesagt, es werden Neuzugänge kommen. Was braucht der KSC auf dem Transfermarkt?

Zwei Stürmer und einen Torwart. Das sind die Hauptpositionen, wo wir Zuwachs brauchen, sowohl in der qualitativen Spitze und vielleicht dann auch nochmal jemanden, der den Herausforderer darstellt. Im Tor brauchen wir einfach eine Nummer Eins, die kommt, den Rückhalt spürt von allen Leuten. So eine Torwartposition kann man gar nicht hoch genug bewerten.

Ich bin ehrlich, ich hatte Sie in der vergangenen Saison als Aufstiegskandidat auf dem Zettel. Es hat dann zu einem stabilen Platz acht gereicht mit sechs Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz. Weniger wollen sie wahrscheinlich in der kommenden Saison aber ja auch nicht erreichen?

Nein, eigentlich nicht, weil das ist der Antrieb jedes Einzelnen hier und auch bei anderen Vereinen. Ich bin trotzdem überrascht, dass Sie uns letztes Jahr auf dem Zettel hatten, weil wir da eigentlich einen riesigen Aderlass hatten. Wenn wir uns an den Winter erinnern, wer uns da noch verlassen hat im Sturm (Budu Zivzivadze, Anm. d. Red.) - also wenn wir den berühmten Strich drunter machen, waren wir echt zufrieden mit dem letzten Jahr. Mit einem großen Aber: Ich glaube, dass nicht viel gefehlt hätte, um einfach mal den ganz großen Wurf zu landen. Wir müssen kein Geheimnis daraus machen, wir sind jetzt schon lange da. Fünfter, Sechster, Siebter, Achter. Scheinbar fehlt noch irgendwas, dieser letzte Step. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass wir nicht zu den wirtschaftlich stärksten Klubs der Liga gehören und wir werden auch immer wieder Leute ziehen lassen müssen aus unterschiedlichen Gründen. Trotzdem ist mit uns immer zu rechnen und das wird auch das Ziel sein fürs neue Jahr. Ich habe Hoffnung, da viele Jungs geblieben sind, dass wir nicht erst sieben, acht, neun Wochen brauchen, bis wir merken, dass die zweite Liga begonnen hat.

Die Frage nach Saisonzielen ist ja bei Spielern und Trainern nie so wirklich die Beliebteste. Wie ist das denn intern? Ist das vor der Saison tatsächlich klar oder entsteht das, nachdem der Saisonstart erfolgt ist?

Es ist tatsächlich ein extrem einseitiges Thema in der Öffentlichkeit. Ich habe dafür aber totales Verständnis. Sie können mir glauben, ich hätte überhaupt kein Problem damit zu sagen, wir werden Zweiter. Jetzt gibt es nur ein Problem. Diese Liga lässt das einfach nicht zu. Wir sind uns einig, wenn wir zwei diese Spiele tippen würden, werden wir wahrscheinlich total unterschiedliche Tendenzen erleben. Das ist der Charme dieser Liga. Der Anspruch wird extrem hoch sein, der ist nach wie vor hoch und wird es auch bleiben. Nur eine Prise Realitätssinn hat uns in den letzten Jahren immer gut zu Gesicht gestanden und deswegen werden wir alles dafür tun, um diese Dinge, die uns ab und zu vielleicht mal gefehlt haben, weiterhin zu verkürzen und vielleicht sind wir irgendwann mal dran - und das muss das Ziel bleiben.

Was wollen Sie denn auf jeden Fall von Ihrer Mannschaft in der kommenden Saison sehen?

Ich will, dass die Leute, die alle vierzehn Tage hier nahezu zu vollem Haus geführt haben, egal übrigens gegen wen, dass diese Leute zufrieden nach Hause gehen und das Gefühl haben, dass sie sich mit dieser Mannschaft und mit der Art und Weise identifizieren können, dass die Leute sagen: Hey, es macht Spaß, deiner Mannschaft zuzuschauen. Das ist als Trainer fast die größte Bestätigung und Zufriedenheit, die man mir geben kann. Und das wird das ganz, ganz große Ziel sein, dass sie weiterhin charakterfest bleibt, dass sie schwer zu schlagen ist, dass wir speziell zu Hause weiterhin sehr, sehr unangenehm bleiben und im Optimalfall erfolgreich.

Erstmals publiziert am
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Das Interview führte
Jens Wolters