Seine Fußballschuhe stellte Oliver Baumann hinter sich ab. Auf Socken zog der Nationaltorhüter der TSG 1899 Hoffenheim seine überaus positive Bilanz des ersten Saisonabschnitts in der Fußball-Bundesliga. Auch in den kommenden Tagen kann Baumann seine Arbeitsutensilien zur Seite legen. Der 35-Jährige machte aber nach dem 0:0 beim VfB Stuttgart sofort klar, dass seine Energie reichen würde, um direkt weiterzumachen. Angesichts des Wandels hin zum Europapokal-Kandidaten sehnt der Fast-Absteiger der Vorsaison die Winterpause längst nicht so herbei wie andere Clubs.
TSG-Trainer Ilzer: "Jetzt geht es schon um die Champions League"
"Im August habe ich mich noch rechtfertigen müssen, dass wir nicht absteigen werden. Und jetzt geht es schon um die Champions League", erinnerte TSG-Trainer Christian Ilzer. "Als Fazit kann ich nur sagen: Wir sind heute eine klar bessere Mannschaft, als wir es im Sommer waren", bilanzierte der Österreicher. "Es gibt uns allen aber auch den Hunger mit, dass wir sagen, wir wollen auch so eine große Mannschaft in einem Auswärtsspiel bezwingen - und dafür müssen wir noch besser werden."
Sie können jeden Stuttgart-Spieler fragen: Richtig Spaß hat es heute keinem gemacht. Wir haben ihnen die große Stärke genommen.
Grischa Prömel: "An den Spielen müssen wir wachsen"
Schön anzusehen war das zähe, torlose Remis in Stuttgart nicht. Beim Schlusspunkt des Bundesliga-Jahres 2025 störten die Gäste erfolgreich den Stuttgarter Spielfluss. Sie wehrten sich in der Defensive mit großem Laufaufwand, spielten "hart und eklig gegen den Mann", wie VfB-Kapitän Atakan Karazor beschrieb. Baumanns Spielanalyse lautete: "Manchmal waren wir ein bisschen zu gierig." Torchancen erspielte sich die TSG eine Woche nach dem 4:1 gegen den Hamburger SV praktisch nicht, nur ein recht ungefährlicher Schuss flog in den gesamten 90 Minuten aufs Tor. "Wir haben gekämpft und haben die Basics auf den Platz bekommen. Zu mehr hat es nicht gereicht", resümierte der in Stuttgart geborene Grischa Prömel. "An den Spielen müssen wir wachsen. Man sieht schon eine super Entwicklung, wir sind noch lange nicht am Ende."
VfB war näher dran am Sieg
Mitte der zweiten Hälfte hätte den Hoffenheimern die Partie angesichts einiger VfB-Chancen entgleiten können. In der Nachspielzeit sah es dann nur kurz nach einem Happy End für die Stuttgarter aus, Deniz Undav stand vor seinem Kopfballtor aber im Abseits. So verteidigte Hoffenheim den einen Punkt Vorsprung vor dem Landesrivalen und überwintert als Fünfter "in elitärer Gesellschaft" in der Tabelle, wie Ilzer kommentierte. Nur zwei Punkte fehlen zu einem Champions-League-Rang. "Wir haben der TSG gemeinsam ein sehr schönes, ansehnliches Gesicht verpasst. Wir haben gezeigt, dass wir sehr, sehr gut Fußball spielen können. Das hätte es heute auch noch gebraucht", fasste Ilzer den ersten Saisonabschnitt und das Spiel zusammen. Königsklassen-Träume, die Andrej Kramaric in der vergangenen Woche klar benannt hatte, sind für ihn "Zukunftsmusik".
SWR Sport | 24. Mai ab 22:00 Uhr SWR Sport mit DFB-Pokalfinale, Europa League-Finale und Nils Petersen
Europa League-Finale mit dem SC Freiburg, DFB-Pokalfinale VfB Stuttgart gegen FC Bayern und der deutsche WM-Kader. Viel Gesprächsstoff mit Studiogast Nils Petersen, Ex-Freiburg-Profi.
Baumann kann "bestes halbes Jahr jemals" Revue passieren lassen
So hat die TSG auch noch etwas Arbeit vor sich. Und bevor es nach dem Trainingslager in Girona Anfang des nächsten Jahres am 10. Januar mit dem Auswärtsspiel bei Werder Bremen weitergeht, freut sich auch Baumann auf ruhigere Tage. "Für mich persönlich war es unglaublich. Das war mein bestes halbes Jahr jemals", sagte der Keeper, der in Abwesenheit von Marc-André ter Stegen zur Nummer eins im Nationalteam aufgestiegen ist. Auch für den Verein sei der erste Saisonabschnitt "sehr, sehr positiv". Man müsse "auf dem Weg bleiben", forderte der 35-Jährige. "Nicht so viel links, nicht so viel rechts. Viel arbeiten."