Stuttgart zwischen Pokalfinale und Kaderplanung

VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth: "Werden alles tun, um Deniz Undav zu halten"

Mit dem Pokalfinale am Samstag krönt der VfB Stuttgart eine erneut starke Saison - und blickt nach vorne Richtung Champions League. Im Interview mit SWR Sport spricht Fabian Wohlgemuth über die Zukunft von Deniz Undav, Alexander Nübel und einen möglichen verspäteten Woltemade-Ersatz.

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Stand

SWR Sport: Im Pokalfinale geht es jetzt gegen die Bayern. Die letzten Spiele gegen die Münchner waren allesamt nicht sehr erfreulich. In der Pokal-Historie hat Stuttgart außerdem noch nie gegen den FCB ein Finale gewonnen. Was muss dieses Mal anders werden?

VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth: Es ist völlig korrekt, dass wir im Supercup und auch in den letzten beiden Bundesligaspielen deutlich den Kürzeren gezogen haben. Wir waren mehr oder weniger chancenlos, das muss man sagen. Und trotzdem geht es in so einem Finale, in dem alle letztmalig in dieser Saison Fußball spielen, schon auch ein Stück weit um das Momentum.

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Wer ist wie drauf, wer hat welche Tagesform, wer tritt in welcher Aufstellung an? Wer kann wie viel Feuer entwickeln, wie viel Gier? Wer funktioniert am besten als Gruppe? Ich bin total sicher, dass wir, wenn wir all unsere Möglichkeiten ausspielen, auch eine Chance haben. Deshalb fliegen wir total zuversichtlich nach Berlin.

Gibt es einen Pokal-Moment, der Ihnen besonders in Erinnerung bleibt?

Das Halbfinale zu Hause gegen Freiburg. Wir sind nicht besonders gut ins Spiel gestartet, Deniz macht dann den Ausgleich. Im Grunde haben schon alle mit einem Elfmeterschießen gerechnet und dann macht Tiago Tomas ein Traumtor. In unserem Stadion, mit den Fans, mit den Rahmenbedingungen - es war auch das erste Heimspiel innerhalb des DFB-Pokals in diesem Jahr und deshalb ein extrem besonderer Moment.

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Badredine Bouanani hatte die Vorlage für Tiago Tomas geliefert. In ihn wurde viel Geld investiert. Aus Sicht der Fans hat sich das bislang nicht ausgezahlt.

Badredine ist ein Spieler, der mit seinen Dribbelkünsten und seinem Eins-gegen-Eins im letzten Drittel immer besondere Aktionen hat. Wenn er so weiter wächst, werden wir viel Freude mit ihm haben. Nehmen wir zum Vergleich mal Ramon Hendriks: Den haben wir aus Holland geholt nach einem Abstieg mit Vitesse Arnheim. Auch er brauchte Zeit, sich an das Niveau zu gewöhnen, an die Sprache, die Umgebung und die Stuttgarter Mentalität. Und jetzt haben wir einen Innenverteidiger mit einem linken Fuß, der auf dem Sprung in die holländische Nationalmannschaft ist. Deshalb ist das für mich ein ganz natürlicher und normaler Prozess.

Mit Chema Andres hat der VfB einen jungen Spieler, der direkt eingeschlagen ist. Was sind Ihre Pläne mit ihm? Bleibt er in Stuttgart oder muss er wieder zurück nach Madrid?

Ich gehe zu sehr großer Wahrscheinlichkeit davon aus, dass er bei uns bleibt. Er hat sich während der Saison extrem gesteigert und wir brauchen ihn. Er hat eine gewisse Ruhe am Ball und strategische Fähigkeiten. Zum Beispiel sieht er in der Rückwärtsbewegung ganz genau, welcher Raum noch geschlossen werden muss, um Konter zu verhindern. Er ist ein sehr angenehmer, auch sehr intelligenter Mensch, der sehr gut zu uns passt. Klar, steht die Transferperiode vor uns. Aber jetzt gehen wir mal alle davon aus, dass wir ihn auch im nächsten Jahr bei uns Fußballspielen sehen werden.

Was ist eigentlich mit dem im letzten Jahr angekündigten Nick-Woltemade-Ersatz?

Wir haben mit Deniz Undav und Ermedin Demirovic zwei Stürmer, die beide eine überragende Saison spielen. Das sieht man auch an der Statistik. Ich bin gar nicht so sicher, ob man überhaupt einen Ersatz braucht. Aktuell können wir erst mal sehr gut mit dem leben, was wir haben. Dann wird man sehen, welche Kader-Änderungen sich nach der Transferperiode noch ergeben.

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Deniz Undav ist aktuell der beste deutsche Stürmer. Sein Vertrag läuft 2027 aus. In einem Interview vor Kurzem hat er gesagt, dass man nie weiß, was im Fußball passiert. Wie positiv sind Sie, dass Sie ihn beim VfB halten können?

Erstmal kann ich nur bestätigen, dass man nie weiß, was im Fußball passiert. Und genauso kann ich bestätigen, dass Deniz inzwischen zur Kultur des VfB Stuttgart gehört und deshalb für uns ein extrem wichtiger Spieler ist. Das ist ja kein Geheimnis. Wir befinden uns im Gespräch mit ihm.

Woran kann es denn scheitern? Geht es nur um das Thema Geld?

Natürlich werden wir an unsere Grenzen gehen und alles dafür geben, dass Deniz bei uns bleibt. Dazu gehören manchmal auch verrückte Dinge. Und dann schauen wir, wie weit die Grenzen ausgedehnt werden.

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Wie kompliziert ist die Lage mit Alexander Nübel? Steht er nächstes Jahr im VfB-Tor? Oder Dennis Seimen?

Alex Nübel ist der Spieler, der in den letzten drei Jahren die meiste Spielzeit für unseren Verein abgeleistet hat. Das bedeutet, dass sein Anteil am Erfolg extrem groß ist. Völlig unabhängig davon, was in der Sommertransferperiode passiert, wäre es grundsätzlich traurig, wenn er uns verlässt, weil er einfach auch ein toller Mensch ist. Jemand, der die Dinge richtig einordnet und auf dem Boden geblieben ist.

Es gibt Menschen, die sagen, VfB-Trainer Sebastian Hoeneß bräuchte ein Denkmal. Wann bekommt er von Ihnen den Vertrag auf Lebenszeit?

Das hängt natürlich nicht nur von uns im Verein ab. Basti hat ja eine eigene Lebensplanung. Aber natürlich würden wir alle gut daran tun, wenn diese Konstellation für den Verein, für die Mannschaft und für alle Beteiligten so lange wie möglich erhalten bleibt.

Sie sind jetzt 47 Jahre alt. Wie sieht Ihr Lebensplan aus, in Bezug auf die Zukunft mit dem VfB Stuttgart?

Ich bin jetzt dreieinhalb Jahre hier. Die Schritte nach oben, die werden natürlich immer kleiner. Und der Kampf wird dementsprechend härter, weil man mit diesen kleinen Schritten auch zufrieden sein muss. Aber wir sind noch lange nicht am Ende und deshalb kann ich mir natürlich vorstellen, hier auch noch die nächsten Jahre zu verbringen.

Erstmals publiziert am
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Das Interview führte
Johannes Holbein
Michael Bollenbacher
Onlinefassung
Lena Bergmann
Profilbild der Volontärin Lena Bergmann