Schon Tabellendritter

Momentaufnahme oder langfristiger Trend: Ist der VfB Stuttgart schon ein Spitzenteam?

Der VfB Stuttgart ist nach dem Sieg beim VfL Wolfsburg Tabellendritter in der Bundesliga. Die reife Leistung der Schwaben macht Mut, aber ist der DFB-Pokalsieger schon ein Spitzenteam?

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Stand

Von Autor/in Johann Schicklinski

Nach Fußballspielen, in denen eine Mannschaft die andere klar dominiert und sich dies final auch deutlich im Ergebnis ausdrückt, stellt sich oft die Frage: War Team A so gut oder Team B so schlecht? Meist bedingt das eine das andere - so auch beim klaren 3:0-Auswärtserfolg des VfB Stuttgart gegen den VfL Wolfsburg. Die Wölfe spielten so enttäuschend, weil die Schwaben schlicht zu stark waren. Die Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß war mit einer überraschenden Aufstellung in die Partie gegangen, die auf dem Papier sehr defensiv aussah. Auf dem Feld spielte aber nur eine Mannschaft nach vorne: der VfB. Stuttgarts Spieler rochierten insbesondere in der Offensive ständig, waren zweikampf-, lauf- und vor allem viel kombinationsfreudiger als die Niedersachen.

Wolfsburg, Stuttgart

Klarer Sieg in Wolfsburg Tomás trifft: Der VfB Stuttgart im Stil einer Spitzenmannschaft

Souveräner kann man kaum ein Fußballspiel gewinnen: Der VfB Stuttgart dominiert beim 3:0-Erfolg in Wolfsburg den Gegner und setzt sich in der Spitzengruppe der Bundesliga-Tabelle fest.

Stadion SWR1

Starke Zahlen für den VfB Stuttgart

Der VfB ist nach dem Auswärtserfolg Dritter. 15 Punkte nach sieben Spieltagen bedeuten eine starke Bilanz. Der Sieg in Wolfsburg war der vierte Bundesliga-Dreier in Serie für den DFB-Pokalsieger, zum vierten Mal bereits stand hinten die Null. Sechs Gegentreffer sind gemeinsam mit dem BVB zweitbester Defensivwert der Liga hinter den Bayern, vor heimischer Kulisse kassierte man noch überhaupt kein Tor. Ist Stuttgart also eines der Spitzenteams in dieser Saison?

Zur Wahrheit gehört, dass das Auftaktprogramm Stuttgart in die Karten gespielt hat. Gladbach, St. Pauli und Heidenheim (alle zuhause) sowie Union Berlin, Freiburg, Köln und Wolfsburg (alle auswärts) waren jetzt nicht die ganz hohen Hürden. Aber: In der abgelaufenen Saison holte der VfB gegen Union (A), Gladbach (H), Freiburg (A), St. Pauli (H), Heidenheim (H) und Wolfsburg (A) zwei Punkte, in der aktuellen Spielzeit zwölf Zähler (Köln spielte 2024/2025 in der 2. Liga).

Die wahren Prüfsteine kommen noch

Dennoch: Der VfB hat noch gegen kein absolutes Top-Team gespielt. Die warten im November und Dezember. Am neunten und elften Spieltag stehen schwierige Auswärtspartien bei RB Leipzig und Borussia Dortmund an. Am 13. Spieltag ist Meister FC Bayern München zu Gast. In der Europa League geht es nun gegen Fenerbahce Istanbul und Feyenoord Rotterdam, später gegen die AS Rom. Die wahren Prüfsteine kommen also noch.

Was Mut macht: Die Mannschaft scheint sich zu entwickeln. Die Abwehr steht - Luca Jaquez wird immer stärker, Jeff Chabot, der den VfB in Wolfsburg erstmals als Kapitän aufs Feld führte, wirkt in seinem zweiten Jahr bei den Schwaben souveräner. Maximilian Mittelstädt hat auf seine jüngste Nicht-Nominierung fürs DFB-Team mit zwei starken Leistungen gegen Heidenheim und nun bei den Wölfen geantwortet. Rechts deutet Lorenz Assignon immer mehr an, warum Stuttgart im Sommer einen zweistelligen Millionenbetrag für ihn auf den Tisch gelegt hat.

Variabilität als Pluspunkt

Im Mittelfeld agierte Angelo Stiller, der schwer in die Saison fand, nun in Wolfsburg überragend. Der spät verpflichtete Bilal El Khannouss lieferte eigentlich von seiner Ankunft an, Chema Andres könnte sich, wenn er so weitermacht, als Schnäppchen des Jahres entpuppen. Und vorne machte nun Tiago Tomas in Wolfsburg ein starkes Spiel. Der Angriff galt nach dem Abgang von Nick Woltemade (Newcastle United) kurz vor Ende der Transferperiode und den Verletzungen von Deniz Undav und Ermedin Demirovic als Problemposition, die Partie in Wolfsburg bewies allerdings, dass es auch ohne klassischen Mittelstürmer geht. So wie beim VfL, als Tomas, El Khannouss, Stiller oder die aufrückenden Schienenspieler abwechselnd die Tiefe suchten. Der Gegner kann sich darauf nur schwer einstellen - ein Pluspunkt fürs Hoeneß-Team. Zudem ist Undav zurück und erweitert die Offensiv-Optionen - in Wolfsburg reichte es bereits für einen Teil-Einsatz.

Der VfB Stuttgart wirkt gereifter

Insgesamt wirkt der VfB gereifter, es macht den Anschein, als habe das Team einen weiteren Entwicklungsschritt getan. Im Vergleich zur abgelaufenen Rückrunde stimmen Effizienz und Defensivverhalten. Das Team spielt seriöser. Nicht unwichtig angesichts der Dreifachbelastung.

Platz drei nach sieben Spielen ist zwar zu großen Teilen dem Auftaktprogramm geschuldet - aber die nötigen Punkte muss man erst einmal holen. Ob der VfB Stuttgart aber tatsächlich in diesem Jahr zu den Top-Teams der Liga gehört, wird sich allerdings erst im "heißen Herbst" entscheiden. Das Auswärtsspiel bei Fenerbahce wird zeigen, wie weit der DFB-Pokalsieger tatsächlich ist. In der Bundesliga wartet danach Mainz 05 - hier sind die Schwaben Favorit und können ihren starken Start weiter ausbauen.

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Johann Schicklinski