Nach 13 Jahren in Liga Zwei

KTV Koblenz turnt sich dominant in die Bundesliga: Stimmen zum Aufstieg

Nach mehr als 20 Jahren gibt es wieder ein rheinland-pfälzisches Team in der Bundesliga. Die KTV Koblenz steigt auf. Und Trainer Ralf Schall zeigt sich emotional.

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Von Autor/in Tim Saynisch

"Es war der größte Wettkampf, den wir in der Geschichte des Vereins je hatten", so beschreibt Ralf Schall, Cheftrainer der Kunstturnvereinigung Koblenz (KTV), das Aufstiegsfinale zur Bundesliga vom vergangenen Samstag. Am Nikolaustag, 6. Dezember, kämpfte die KTV mit der TSG Grünstadt, dem StTV Singen und der TSV Unterhaching um den Aufstieg - mit Erfolg.

Sieg gegen Unterhaching bringt den Aufstieg

Ein für Turnverhältnisse relativ deutliches 39:21 gegen die TSV Unterhaching brachte die Koblenzer ans Ziel ihrer Träume: Den Aufstieg in die 1. Bundesliga - nach 13 Jahren Zweitklassigkeit am Stück. "Dieser Wettkampf ist von Anfang an gut für uns gelaufen. Es war am Ende ein unglaublicher Vorsprung im Aufeinandertreffen zweier gleichwertiger Mannschaften", ordnet Ralf Schall das Ergebnis nüchtern ein. Ehe ihn die Emotionen dann ein bisschen überkommen.

Der Name Schall steht für Koblenzer Turn-Tradition. Der Opa war schon Turner, wie auch Vater und KTV-Gründungsmitglied Herbert Schall. Von ihm übernimmt Ralf Schall 1990 das Amt als Cheftrainer, der Vater stirbt 2011. "Wenn mein Vater das noch erleben könnte. Er kommt ja noch aus einer Zeit, da war Turnen mehr oder minder eine Randerscheinung", erinnert sich Ralf Schall.

Rückhalt aus der gesamten Stadt

Umso glücklicher ist er über den Zuspruch, den die KTV mittlerweile aus der gesamten Stadt erhält. "Wir haben über 500 Zuschauer in der Halle, das ist Wahnsinn für Turnen", freut sich der Cheftrainer. Diese Atmosphäre sei auch ein immenser Ansporn für sein Team: "Das macht den Wert eines Wettkampftages umso größer." Auch nach dem Aufstieg hätten die Gratulanten nicht lange auf sich warten lassen: Fans, Bekannte, aber auch die Stadtpolitik schickten Glückwünsche.

Wir sind in Koblenz die einzige Erstligamannschaft in einer olympischen Sportart.

"Koblenz nennt sich Sportstadt, hier wird viel für den Breitensport getan", findet Schall. Aber es brauche auch Vorbilder, an denen sich beispielsweise der sportliche Nachwuchs orientieren könne. "Ich freue mich, dass wir diese Rolle jetzt annehmen können. Wir sind in Koblenz die einzige Erstligamannschaft in einer olympischen Sportart." Er sei stolz, dass Koblenz neben der TuS und den Baskets jetzt ein weiteres, erstklassiges sportliches Aushängeschild habe.

Trainer und Turner: Die Mannschaft ist der Held

Zu verdanken hat der Trainer, hat die Stadt das natürlich vorrangig den Athleten der KTV. Übrigens allesamt Amateure, sie kommen nach der Arbeit, nach der Schule, nach der Uni in die Halle. "Sie gehen viel ans Gerät, arbeiten hart. Was ich für diese Truppe empfinde, lässt sich in Worten nicht fassen. Das ist noch eine Stufe über Stolz, wenn es das gibt", schwärmt der Trainer.

Auch Nikita Prohorov, Nachwuchstalent der KTV, stellt die Mannschaft in den Fokus. Prohorov, mehrfacher Deutscher Jugendmeister, sagt gegenüber dem SWR: "Der Aufstieg ist viel schöner als eine Goldmedaille für eine Einzelleistung. Das Team hat einen super Job gemacht, der Zusammenhalt war ein Grund für den Erfolg". Einen solchen Aufstieg erlebe man nicht jeden Tag: "Es ist etwas ganz Besonderes."

Bundesliga-Saison startet im März 2026

Ungeachtet aller Freude will die KTV jetzt schnell wieder ihren Fokus finden. Nach einem Tag Trainingspause stehen heute wieder lockere Übungen auf dem Plan. Denn: Zum Leistungsniveau in der Bundesliga gilt es, noch aufzuholen. "Da müssen wir konstant 25 Prozent mehr bringen", prognostiziert Ralf Schall.

Mit seinem Stab möchte der Cheftrainer deshalb einige Athleten zu regelrechten Experten an einzelnen Geräten ausbilden, damit sie in ihren Disziplinen sichere Punkte holen. Außerdem lässt Schall durchblicken: "Wir verstärken uns auch." Die Bundesliga-Saison startet für die KTV am 28. März 2026.

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Autor/in
Tim Saynisch
Foto von Multimediareporter Tim Saynisch