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Julian Djabarian: Wie er seinen Tennisverein aus der Krise führte

Vom Krisenverein zur neuen Gemeinschaft. Julian Djabarian wurde mit nur 25 Jahren Vorsitzender beim TC Rot-Weiß Worms. Wie er es trotz Widerständen schafft, seinen Verein zu modernisieren.

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Von Autor/in Kira Rutkowski

"Als ich 2015 in die Verantwortung kam, war der Verein in einer schwierigen Lage", erinnert sich Julian Djabarian. Er ist seit mittlerweile zehn Jahren der Vereinsvorsitzende des Tennisclubs Rot-Weiß Worms. Die Mitgliederzahl war auf 230 geschrumpft und die finanzielle Lage angespannt. Julian Djabarian kannte den Verein schon, begann mit zehn Jahren hier das Tennisspielen und durchlief alle Altersklassen. Vier Jahre schon arbeitete er im Vorstand mit, als er dann vor zehn Jahren den großen Schritt an die Vereinsspitze wagte.

Djabarian kämpft gegen große Widerstände

Als 25-Jähriger übernimmt Julian Djabarian also den Vereinsvorsitz. Seine Ideen werden immer wieder mit viel Skepsis abgetan, das sei rückblickend der größte Widerstand gewesen, sagt er. "Wenn ich jedes Mal einen Euro bekommen hätte, wenn jemand 'Das haben wir schon versucht, das hat noch nie geklappt' gesagt hat, wäre ich heute reich." Das kostet viel Energie: "Wir mussten beweisen, dass unsere Ideen nicht nur gut, sondern auch umsetzbar sind." Ein Verein, dessen Zukunft ungewiss ist, braucht nun mal neue Impulse und Veränderung. Dafür kämpft Julian Djabarian. Maßgeblich dabei: ganz viel kommunizieren und erklären. "Seine Ansätze, den Verein schuldenfrei zu bekommen und Stück für Stück die Infrastruktur zu sanieren, wurden zu Beginn teils belacht", schreibt sein Vereinskollege Lukas Gaedt.

Neue Impulse führen zum Erfolg beim TC Rot-Weiß Worms

Doch der aufwendige und kräftezehrende Weg hat sich gelohnt. "Die Jungen" im Verein haben in den vergangenen Jahren bewiesen, dass ihre Ideen erfolgreich sind. Mittlerweile hat der Verein wieder mehr als 500 Mitglieder, die Generationen sind miteinander verbunden, die Gemeinschaft lebt. Genau das ist es auch, was ihn antreibt, sich bei seinem Herzensverein so reinzuhängen: "Wenn ich sehe, wie über 100 Kinder und Jugendliche im Trainingsbetrieb sind, wie hier Freundschaften über Generationen hinweg entstehen und der Club für so viele Menschen ein zweites Zuhause geworden ist. Das ist der eigentliche Antrieb."

Mitglieder zur Mitarbeit motivieren

"Meine größten Erfolge sind immer die, die zeigen, dass sich die harte Arbeit der Menschen im Verein lohnt und wir gemeinsam Sichtbares erreichen", sagt Julian Djabarian. So wie bei der kernsanierten Tennishalle: Vor fünf Jahren hat sein Verein die bestehende Halle langfristig gepachtet und nun, im November 2025, wird sie offiziell eingeweiht. In dem Projekt stecken mehr als 1.000 Stunden Eigenleistung der Vereinsmitglieder und die Hoffnung, dadurch zukünftig finanziell noch unabhängiger zu werden. Vereinskollege Lukas Gaedt sagt, das Engagement von Julian sei mitreißend "und hat dazu geführt, dass sich viele Mitglieder regelmäßig engagieren. Dabei schafft er es immer wieder zwischen verschiedenen Positionen zielführend zu vermitteln und Menschen durch seinen Ansatz 'Tennis ist für alle' zusammenzubringen."

"Kampf um Zeit und Geld" am schwierigsten

Auch nach dem Erfolg der vergangenen zehn Jahren an der Vereinsspitze bleiben viele Herausforderungen für Julian Djabarian bestehen: "Das Schwierigste ist der ständige Kampf um Zeit und Geld. Wir haben zwar das riesige Glück, dass wir mit 14 Vorstandsmitgliedern und einem aktiven Jugendausschuss dem Trend des Ehrenamtler-Mangels entgegenwirken. Aber die Zeit ist die knappe Ressource. Die meiste Arbeit fällt abends oder am Wochenende an, neben dem Job."

Julian Djabarian ist beruflich in Vollzeit als Berater tätig und Dauerkarten-Besitzer beim FCK. Der Einsatz als Vereinsvorsitzener frisst Zeit, auch ans Aufhören hat er schon gedacht: "Manchmal fühlt es sich aber auch an, als ob das eigene Engagement und das des Vorstands nicht wahrgenommen wird. Die Vereinbarkeit mit der beruflichen und privaten Situation ist natürlich auch Thema." Aber die Erfolge und die Gemeinschaft im Verein ermutigen ihn dann doch wieder. "Aber am Ende des Tages hängt mir der Verein sehr am Herzen."

Ständige Weiterentwicklung nötig

Der heute 35-jährige Julian Djabarian hat durch sein Engagement schon viel im Verein umgekrempelt, aber es geht immer weiter: Er und sein Team wollen und müssen den Verein immer wieder neu erfinden - von der Infrastruktur bis zur Digitalisierung. "Außerdem dürfen wir nicht in alten Mustern verharren, sondern müssen offen für neue Ideen sein, um attraktiv zu bleiben. Und das Wichtigste: Wertschätzung. Die Arbeit jedes einzelnen Ehrenamtlers und Mitglieds muss gesehen und gewürdigt werden."

Julian Djabarian hat den TC Rot-Weiß Worms mit frischen Ideen, Widerstandsfähigkeit und enorm viel Einsatz aus der Krise geführt und zeigt, wie das Vereinsleben wieder aktiviert werden kann. Deshalb spüren sie hier auch wieder Gemeinschaft und leben Zusammenhalt.