Dienstagvormittag, Pressekonferenz im Ulmer Donaustadion. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt gibt sich der neue Cheftrainer des SSV, Daniel Jungwirth, selbstbewusst und angriffslustig. Er kündigt einen "dynamischen und dominanten" Fußball an. "Wir wollen Ballbesitz haben oder andernfalls sofort ins Gegenpressing gehen", erklärt der 44-Jährige.
SSV-Trainer Jungwirth spricht nicht von Aufstieg
Das Wort "Aufstieg" vermeidet Jungwirth jedoch. Hier versteckt sich der neue Ulmer Cheftrainer hinter übliche Phrasen: Man werde von Spiel zu Spiel schauen, was möglich sei. Er wolle keine großen Töne spucken, wisse aber auch um die Erwartungshaltung an der Donau. "Natürlich wollen wir als SSV Ulm gleich oben angreifen. Das ist ja klar."
Jungwirth war zuletzt Jugendtrainer beim VfB Stuttgart, ist erst am vergangenen Wochenende mit der U17 Deutscher Meister geworden. Jetzt übernimmt er zum ersten Mal ein Männer-Team als Coach. "Für mich geht es darum, eine Mannschaft zu formen und zu führen. Da spielt es keine große Rolle, wie alt die Spieler sind." Außerdem habe er in seiner Zeit als Trainer beim Bayerischen Fußballverband bereits Lehrgänge für erwachsene Fußballer angeboten.
Neuer Trainer und neuer Sportdirektor ohne Vorbelastung
Der SSV Ulm 1846 Fußball ist gerade zwei Mal abgestiegen von der Zweiten Liga in die Regionalliga Südwest. "Die Leute im Verein, die mit runter gegangen sind, sind schon alle traurig und enttäuscht", beschreibt Jungwirth seine ersten Eindrücke. Aber viele freuten sich auch auf den Neuanfang. Sportdirektor Murat Isik ist neu, Trainer Jungwirth ist neu. "Wir gehen ohne Vorbelastung ran, sehen das Positive und wollen die Leute mitnehmen."
Das größte Problem des neuen Trainers: Er hat noch keine Spieler. Von der abgestiegenen Drittligamannschaft wird kaum einer bleiben. Die Vereinsführung hat vorgegeben, auf "Regionalität" zu setzen. "Nur mit Spielern aus der Region - das werden wir nicht schaffen", stellt Jungwirth klar. "Denn es geht um Qualität. Aber wenn wir die Qualität in der Region finden, werden wir versuchen, den Spieler von uns zu überzeugen."
Gegen VfR Aalen statt gegen 1. FC Köln
Vor gut einem Jahr hatten die Ulmer Spatzen noch gegen den 1. FC Köln, Schalke 04 und den Hamburger SV gespielt. In der nächsten Saison geht es unter anderem gegen den VfR Aalen, der gerade von der Oberliga aufgestiegen ist. Daniel Jungwirth kann sich vage daran erinnern, dass er als junger Spieler selbst einmal gegen den VfR Aalen gespielt hat. Das Regionalliga-Derby werde nun für ihn "kein besonderes" Spiel.
Dafür aber für den VfR Aalen. "Wir freuen uns drauf. Das werden für uns zwei absolute Hightlight-Spiele", sagt Mehmet Deli, VfR-Vorstand für Finanzen und Sponsoring. Bei den Derbys gegen Ulm habe in der Vergangenheit immer tolle Stimmung geherrscht. Das ganze Stadion in schwarz-weiß, denn beide haben dieselben Vereinsfarben.
Zuschauer-Boom beim VfR Aalen
Während man in Ulm nach einer desolaten Saison erst noch die Spieler für das Regionalliga-Team finden muss, berichtet der VfR-Vorstand in Aalen von beispielloser Geschlossenheit und Teamgeist, mit dem man den Aufstieg geschafft hat. Die Fußball-Stimmung in Aalen habe sich nach zwei Insolvenzen komplett gedreht. Mehmet Deli: "Wir hatten in der vergangenen Saison im Schnitt 2.180 Zuschauer. Das ist in der Oberliga deutschlandweit ein absoluter Spitzenwert."
Zuletzt haben die beiden Clubs vor gut drei Jahren bei einem offiziellen Ligaspiel gegeneinander gespielt. Damals auch in der Regionalliga, bevor die Ulmer auf- und die Aalener abgestiegen sind. Die Partie am 4. April 2023 im Donaustadion endete 0:0.