SWR1 Sonntagmorgen vom 30.11.2025

Advent – von Kinderfreuden, Licht im Dunkeln und Stress an besinnlichen Tagen

Advent ist die Zeit der Sterne, Krippen und Adventskränze. Eine Zeit der Besinnung und Vorfreude auf Heiligabend. Und manchmal auch eine stressige Zeit.

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Die Adventszeit steckt für Kinder voller Magie. Gleich morgens aufgeregt ein Fensterchen im Adventskalender öffnen, überall glitzernde Lichter, süße Plätzchen und das Warten auf das Christkind. Die Adventstraditionen bedeuten aber noch viel mehr. "Brauchtum kann Kindern Sicherheit geben", sagt Sylvia Schädlich, Kindergartenleiterin in Mainz. "Etwas zum Festhalten, etwas zum daran glauben und da ist es völlig egal, welche Religion das Kind hat."

Im Kindergarten von Sylvia Schädlich haben die Kinder eine große Vielfalt an Migrationshintergründen. Einen Adventskalender gibt es nicht in allen Familien. Die Eltern der Kinder sind aber daran interessiert, dass ihre Kinder die Traditionen kennenlernen. Im Kindergarten gibt es einen großen Adventskalender. Den darf jeden Tag ein anderes Kind öffnen.

Tradition und Brauchtum im Advent

Die Adventstradition ist richtig alt. Vermutlich reicht sie in Gallien bis in die Zeit vor dem Jahr 400 zurück. "Die Adventszeit war damals eine Buß- und Fastenzeit und dauerte 40 Tage oder acht Wochen," erklärt Ulrich Pick, SWR-Fachredakteur für Religion.

"Jetzt stutzt man", sagt Ulrich Pick. "40 Tage sind keine acht Wochen, aber als Fastentage galten nur Montag bis Freitag. Samstag und Sonntag wurde nicht gefastet und so ging die Fastenzeit vom 11. November, also vom Martinsfest bis zum 6. Januar zum Fest der Erscheinung des Herrn oder wie wir heute sagen Heilige Dreikönige." Im frühen Mittelalter hat dann Papst Gregor der Große die Adventszeit auf vier Wochen festgelegt.

Die Farbe des Advents

Tatsächlich hat der Advent eine liturgische Farbe: Violett. Traditionell steht Violett für Umkehr. Sowohl in der Zeit vor Ostern wird in den Kirchen Violett getragen als auch in der Zeit vor Weihnachten, denn die Zeit vor Weihnachten war früher auch eine Bußzeit.

Der Adventskranz entstand in Deutschland

"Den Adventskranz gibt es seit 1839. Sein Vater war ein Theologe und Erzieher aus Hamburg, Johann Hinrich Wichern, ein evangelischer Theologe, der Leiter eines Waisenhauses war", weiß Ulrich Pick. "Wichern wollte seinen Jungs die Bedeutung des Advents näher bringen und hat deshalb in der Vorweihnachtszeit ein großes Wagenrad aufgestellt. Und auf dieses Wagenrad hat er Kerzen montiert, vier große weiße für die Sonntage und dazwischen kleine, meistens rote, für die Werktage, mindestens 22, höchstens 28, weil ja der erste Adventssonntag immer sich wandelt, je nachdem wann der Beginn ist."

Das Licht als Symbol für Jesus Christus

Die Kerzen symbolisieren Christus als Licht der Welt. Später kamen noch Tannenzweige zum Adventskranz hinzu. "Tannenzweige sind immerwährend, verblühen nicht, dieses immerwährende Grün ist Zeichen für das Unvergängliche, das Ewige", erklärt Pick. Die ursprünglich protestantische Tradition haben dann Katholiken rund 100 Jahre später übernommen."

Stress in der Vorweihnachtszeit

Psychologe Dr. Michael Ziegler von der Uni Erlangen-Nürnberg empfiehlt als Strategie gegen vorweihnachtlichen Stress Meditation. Gerade jetzt in der Weihnachtszeit könne man das schön verbinden, indem man eine Kerze nimmt und für eine angenehme Atmosphäre sorgt. Dann setze man sich vor die brennende Kerze. "Die Flamme dann einfach auch mal bewusst wahrnehmen, den Blick dann auch auf die Kerze und die Flamme richten, sich anschauen, was sieht man? Welche Farbe hat denn zum Beispiel die Flamme oder welche Form hat die Flamme?"

Dabei sei es wichtig, dass man sich nur auf die Flamme konzentriere. "Ich richte die Aufmerksamkeit auf die Flamme. Ich nehme dabei wahr, wohin mich die Gedanken ziehen wollen." Ziehen einen die Gedanken eher zu den Terminen und Fristen, die anstehen? Dann solle man das bewusst wahrnehmen. Man gehe dann aber relativ schnell wieder auf die Flamme und auf die Beobachtungen und auf die Empfindungen, die man dabei hat, wenn man die Flamme anguckt, zurück.

Zum Adventskranz kam der Adventskalender

Die ersten Abreißkalender oder Kreidestriche auf der Wand sind im Laufe des 19. Jahrhunderts aufgetreten, sagt Ulrich Pick. "Dann hat ein Münchner Verleger den ersten kommerziellen Kalender mit 24 Klebebildern auf den Markt gebracht und der entwickelte sich dann weiter in einen Kalender mit 24 Türchen, hinter denen sich dann Bilder, Schokoladen, kleine Geschenke verbargen. Der Brauch soll ja den Kindern zeigen, ja bald ist Weihnachten und es soll die Zeit verkürzen bis Weihnachten."

Typisch Deutsch

"Der Adventskalender ist ein typisch deutscher Brauch", sagt Ulrich Pick. Man findet den Adventskalender aber auch noch in den USA. "Hintergrund ist, dass die G.I.'s, die nach dem Zweiten Weltkrieg hier stationiert waren, diese Adventskalender ihren Lieben in die Heimat schickten und die fanden das ganz toll, dass da kleine Geschenke oder Schokoladen verpackt wurden."

Einladung zur Teilnahme am Lebendigen Adventskalender 2025 in Vaihingen an der Enz
Lebendiger Adventskalender in Vaihingen an der Enz

Lebendiger Adventskalender

Ein Blick in die Supermärkte und Drogerien zeigt, die Vielfalt an Adventskalendern wird immer größer, gefüllt mit allerlei Dingen, von Bierdosen über Werkzeug bis zu Hundeleckereien. "Es gibt aber auch Gegenbewegungen", weiß Ulrich Pick. "Beispielsweise den des lebendigen Adventskalenders nämlich dass in Gemeinden Familien sich bereit erklären, ihre Wohnung oder ein Fenster ihrer Wohnung als Türchen des Adventskalenders zu deklarieren und dann zieht man so Tag für Tag durch die Gemeinde, begegnet sich, hält Schwätzchen und trinkt auch Glühwein."

Porträtfoto von Christian Rönspies

Moderator SWR1 Sonntagmorgen Christian Rönspies

Moderator SWR1 Sonntagmorgen

Erstmals publiziert am
Stand
Onlinefassung
Utku Pazarkaya
Porträt Utku Pazarkaya
Redakteur/in
Ulrich Pick
Bild von SWR-Redakteur Ulrich Pick von der Redaktion Religion, Migration und Gesellschaft