Lena Cassel: Aufstieg in die Champions-League der Sportreporter

Fußball ist Lena Cassels Leben. Ihre Markenzeichen: laut, meinungsstark und bunt. Gegen alle Widerstände setzt sie sich in der von Männern dominierten Sportwelt durch.

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Stand

Ich habe ja schon die kühne These aufgestellt, dass Thomas Müller irgendwann entweder Trainer des FC Bayern wird oder Trainer der Deutschen Nationalmannschaft.

Fußball und Sportwelt: Lena Cassel kann sich behaupten

Sie ist Sportjournalistin, Fernsehmoderatorin, Podcasterin und sie liebt Fußball. Fußball sei der "rote Faden", an dem sie sich in ihrem Leben entlanghangelt, sagt Lena Cassel.

Entsprechend bewegt sie, dass der FC Bayern in der aktuellen Saison der Champions League im Viertelfinale ausgeschieden ist und es damit für Thomas Müller keinen "schönen Abschied von den Fans" beim Finale in München gebe. Damit hätte er womöglich auch das "Trauma der Final-Niederlage von 2012" bekämpfen können.

Ich mag das, wenn man im Fußball solche Geschichten hat, weil solche Geschichten schreibt eben nur der Fußball. Mich berührt das immer.

Von der Fußballerin zur Sportjournalistin

Lena Cassel stürmte als Spielerin für den SV Allner-Bödingen, den SC Fortuna Köln und Türkiyemspor Berlin.

Ihr Wechsel in die Regionalliga stand damals auf der Kippe, da ihr Verein eine Ablösesumme von 500 Euro verlangte, Fortuna Köln eine Ablöse für Spielerinnen (im Gegensatz zu Spielern) allerdings nicht zahlen wollte. Sie müsse das Geld selbst aufbringen, hieß es von Fortuna – unmöglich für die Studentin. Schließlich war es Lena Cassels Opa, der ihr das Geld schenkte, um ihr den Traum zu ermöglichen.

Die Strukturen im Fußball der Frauen sind nach wie vor wirklich schwierig.

Da sie mit Fußballspielen kein Geld verdiente, führte ihr Weg schlussendlich aber doch in eine etwas andere Richtung. Sie studierte Medienwissenschaften und fing mit 21 Jahren als Mitarbeiterin bei der Sportschau an. Stück für Stück arbeitete sie sich nach oben. Heute moderiert sie eine Highlight-Show der UEFA Champions League bei Prime-Video und im Bezahlsender DAZN die Fußball-Bundesliga.

Darum verdient Frauenfußball mehr Anerkennung

Ich glaube, das wird dem Frauenfußball nicht gerecht, ihn ständig mit dem Männerfußball zu vergleichen.

Lena Cassel glaubt nicht an die Behauptung, es würden sich zu wenige Menschen für Frauenfußball interessieren und deswegen könne weniger in den Sport investiert werden.

Die Fußball-WM der Männer 2022 in Katar habe gezeigt, dass viele Fans den "abgehobenen" Männerfußball nicht mehr mittragen wollen. Im gleichen Jahr fand die Fußball-EM der Frauen in England statt. Das Finale in der ARD war das meistgesehene TV-Event des Jahres in Deutschland. Für Lena Cassel ein Beispiel dafür, woran der Männerfußball krankt, während der Frauenfußball noch "richtig gesund" sei.

Der Fußball der Frauen ist divers. Der ist vielfältig. Und ich glaube, er ist nach wie vor ein Spiegelbild der Gesellschaft und dementsprechend nah.

Lena Cassel: Durchsetzungsvermögen in der Männerwelt des Sports

Sie stamme aus einfachen Verhältnissen, sagt Lena Cassel. Niemand in ihrer Familie hatte Abitur, sie habe keine Vorbilder gehabt für ihren Weg. Als junge Frau musste und muss sie sich in der Männerwelt des Sports und insbesondere des Fußballs durchsetzen. Ihre Taktik: gute Vorbereitung!

Oft sei sie die einzige Frau in einer Runde. Durch gute Vorbereitung biete sie weniger Angriffsfläche. Lena Cassel sieht sich in ihrer Position auch als Repräsentantin für alle Frauen, die davon träumen Fußballjournalistin zu werden.

Um gesehen zu werden, muss ich lauter, selbstbewusster, mutiger sein, als ich eigentlich bin.

Forderung: Mehr Diversität im Fußball

Diversität ist für Cassel nicht nur eine Frage des Geschlechts. In ihrem Bereich seien auch Männer nicht sonderlich divers. Viel zu oft und lange schon sehe sie "dunkelblaue Anzüge und weiße Sneaker", meint sie. Diversität bedeute auch "schwarze, dicke, arme, reiche, linke und konversative Menschen".

Ich finde schon, dass der Sportbereich sehr elitär ist und nach wie vor sehr eng und nicht so durchlässig für unterschiedlichste Menschen. Ich glaube, wenn wir relevant bleiben wollen, muss sich dieser Bereich weiter öffnen.

Rheinland-Pfalz

Martina Keller Als sie mit Fußball anfing, spielten Frauen noch um ein Kaffeeservice

Schon als Kind ist sie verrückt nach Fußballspielen. Damals gab es noch gar keinen Frauen- oder Mädchenfußball. Sie kickt überall – Schulflur, Hof, Park, Straße. Ihre Grätschen hauen auch die Jungs um. Heute – mit knapp über 60 – steht sie immer noch regelmäßig auf dem Platz für Union 03 Altona.  

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Sabine Mammitzsch Welche Chancen hat der Frauen- und Mädchenfußball in Deutschland?

Zwischen Kritik an den Bundesliga-Schiedsrichterinnen, Hoffnungen auf Olympia und die Euro 2025: wo steht der deutsche Frauenfußball? Sabine Mammitzsch ist zu Gast in SWR1 Leute.

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