Konflikte und Streit sind überall präsent, wo Menschen miteinander leben. In der Vorstellung der Menschen im alten Griechenland haben sogar die Götter beständig miteinander gestritten. Ganze Kriege und Tragödien fußen in der griechischen Mythologie auf kleinen Streitigkeiten.
Streitort Familie
Streit gibt es unter Kindern im Kindergarten, in WGs, mit den Nachbarn, im Job - und häufig auch innerhalb der Familie: Offene Zahnpastatuben, eingetrocknetes Geschirr und unaufgeräumte Kinderzimmer sorgen für kleinere und größere Konflikte. Kinder fühlen sich häufig ihren Geschwistern gegenüber benachteiligt oder sind eifersüchtig, wenn der Bruder oder die Schwester vermeintlich mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung bekommt. Wie man seine Position in einem Streit behauptet und wie man Kompromisse schließt, lernen Kinder schon sehr früh, beispielsweise im Kindergarten.
WG-Streit: So lassen sich Konflikte mit Mitbewohnern vermeiden
Wer Kindergarten und Schule hinter sich hat und zum ersten Mal auszieht, findet sich meist schnell an einem weiteren konfliktträchtigen Ort wieder: Der Wohngemeinschaft. Hier prallen häufig unterschiedlichste Charaktere, Mentalitäten und Sauberkeitsbedürfnisse aufeinander. Ohne klare Regeln ist das harmonische Zusammenleben meist nicht von Dauer.
Streit in der Beziehung ist ganz normal
Auch zwischen Paaren kann es immer mal wieder Streit geben, sagt der Paartherapeut und Psychologe Prof. Christian Roesler von der Katholischen Hochschule Freiburg im Gespräch mit dem SWR. Wichtig sei hierbei, Streit nicht als eine große Katastrophe zu betrachten, sondern als etwas Normales. Wo Menschen mit unterschiedlichen Ansichten und Vorprägungen zusammenkommen, kann es schon mal Diskussionen geben. Wichtig sei, Dinge am besten schon anzusprechen, bevor man über das Verhalten des anderen richtig verärgert sei, so Roesler.
Richtig Streiten kann man lernen
Die gute Nachricht: Richtig streiten kann man lernen. In Kommunikationstrainings können beispielsweise Paare und Eltern lernen, wie sie ein Problem ansprechen, ohne den anderen zu verletzen. Dabei sei es zum Beispiel wichtig, Ich-Botschaften zu nutzen, ohne Vorwürfe zu erheben.
Hilfe bei Streit in der Partnerschaft
Immer mehr Menschen suchen bei andauerendem Streit mit dem Partner oder der Partnerin Hilfe im Internet. Eine Hilfestellung bei Problemen in der Beziehung bietet beispielsweise das Lotsenportal der Erzdiözese Freiburg. In einen anonymen Fragebogen können Einzelpersonen oder auch Paare herausfinden, wo es in ihrer Beziehung hakt. Auf der Seite werden außerdem konkrete Anlaufstellen bei Problemen in der Paarbeziehung vorgestellt. Paartherapeut Christian Roesler ist übrigens überzeugt, dass Paare, die gelernt haben, richtig zu streiten, glücklicher sind als Paare, die selten oder gar nicht streiten. Auch nach vielen Jahren Beziehung könne man diesen Effekt noch feststellen.