Das Problem ist längst in der Politik angekommen: Eine Fachtagung zu Hofnachfolge und Existenzgründungen in der Landwirtschaft beschäftigt sich mit dem Problem, dass viele Betriebe keine Nachfolge finden, wenn Bäuerinnen und Bauern in den Ruhestand gehen. Theresa Lehr, Leiterin der Fachgruppe Jugend und Existenzgründung bei der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, hat im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Andreas Böhnisch betont, dass die Nachfolge-Problematik nicht primär am Interesse nachfolgender Generationen liege: "Die Ausbildungsquote ist seit Jahren konstant, also viele möchten in die Landwirtschaft gehen." Einen Hof übernehmen, das müssten sich Menschen aber erst mal leisten können - vor allem angesichts geringer Margen und wenig Rentabilität.
Bei fast 900.000 Euro Kapitaleinsatz pro Arbeitsplatz in der Landwirtschaft ist es fast unmöglich.
Deshalb fordert sie, Programme zur finanziellen Unterstützung zu erhalten und auszubauen, damit möglichst jeder Hof erhalten werden könne. Sie argumentiert, dass die Politik unbedingt verhindern müsse, dass es zunehmend Zusammenschlüsse zu immer größeren Gehöften gebe. Das Problem des hohen Kapitaleinsatzes wachse nämlich mit der Größe des Betriebs.
Proteste aus der Landwirtschaft seit Mercosur-Abkommen
Bundesweit haben seit dem Abschluss des Mercosur-Abkommens zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund vor allem Milchbauern gegen stark gesunkene Milch- und Butterpreise protestiert. Auch in der Stuttgarter Innenstadt gab es Proteste gegen das Mercosur-Handelsabkommen mit Lateinamerika, die Marktmacht der großen Konzerne sowie die oft schlechte Stellung der Landwirtschaft in der Wertschöpfungskette.
Landesregierungen wollen der Landwirtschaft helfen
Baden-Württemberg fördert seit Beginn des Jahres ein neues Hilfsnetzwerk für Landwirte und Winzer in Not. Nach Angaben des Agrarministeriums bekommt das Netzwerk 350.000 Euro vom Land. Es besteht aus ehrenamtlichen Vertrauenspersonen, die selbst aus der Landwirtschaft kommen und als Lotsen fungieren sollen - bei betrieblichen, privaten oder gesundheitlichen Problemen. Grund für das Angebot ist laut Ministerium der hohe Druck auf die Betriebe durch den Klima- und Strukturwandel sowie durch wirtschaftliche Unsicherheiten.