Weniger als einen Euro für 250 Gramm Butter - so günstig war der Preis im Discounter lange nicht mehr. Doch was die Kundinnen und Kunden freut, bereitet den Erzeugern Sorgen. So geht es auch dem Landwirt Hans-Jürgen Stängele aus Gerstetten im Kreis Heidenheim. Der Milchwirt hält rund 200 Kühe, seine Produktionskosten für einen Liter Milch liegen bei 44 Cent. Im Verkauf bekommt er für den Liter aber aktuell nur 46 Cent. Ziemlich wenig zum Leben, meint er.
Der Rohmilchpreis ist niedrig, wir sind mit den Produktionskosten noch kurz darunter. Wenn er weiterhin fällt, dann geht das alles an unserem Gewinn weg, unsere Arbeit ist nicht mehr entlohnt und dann wird es schwierig.
Ackerbau, Weinbau und Milchwirtschaft Dumpingpreise für Butter? Landwirte in Baden-Württemberg klagen über angespannte Lage
Für manche Landwirte in Baden-Württemberg lief die Ernte im vergangenen Wirtschaftsjahr schlecht. Den Milchbauern machen nun niedrige Preise für Milch und Butter zu schaffen.
Wer bestimmt den Milchpreis? Erklärung für günstige Butter
Den Rohmilchpreis legen die Landwirte nicht selbst fest, sondern die Molkereien. Diese wiederum orientieren sich am Weltmarktpreis. An den Märkten gilt das Prinzip: Ist viel Ware da, sinkt der Preis. Genauso sei es aktuell mit Rohmilch, erklärt Sebastian Hess, Agrarökonom an der Universität Hohenheim.
Die Rohmilch ist gerade günstig, weil wir deutlich mehr Rohmilchaufkommen in den vergangenen Monaten hatten als in den Jahren davor und die Gründe dafür sind günstiges Klima, besseres Futter, durch die Witterung bedingt.
Dadurch sinkt nicht nur der Preis für die Milch im Supermarkt, sondern auch für Produkte, die aus Milch hergestellt werden, darunter vor allem Butter.
Die Rolle der Discounter bei den Butterpreisen - sie wollen günstige Endpreise
Auch wenn die Molkereien den Rohmilchpreis bestimmen: Was die Verbraucherinnen und Verbraucher am Ende an der Kasse zahlen, bestimmen die Supermärkte. Durch das Überangebot an Rohmilch wird deren Verhandlungsposition deutlich stärker. Vor allem die Discounter bieten sich derzeit bei Produkten wie Kartoffeln, Milch und Butter aktuell einen regelrechten Preiskampf. Sie wollen die Menschen mit den billigsten Preisen in ihre Läden locken.
Milchbauer Hans-Jürgen Stängle hat dafür zwar Verständnis, kritisiert die extreme Niedrigpreis-Politik aber auch.
Es ist klar: Wenn Angebot und Nachfrage nicht zusammenpassen, geht der Preis runter. Wobei ich sagen muss: Auf 99 Cent muss man nicht reduzieren - auch bei 1,29 € könnte man die Grenze ziehen.
Was sagen die Discounter selbst zum Billigpreis für Butter?
Die Discounter verweisen auf den Markt - so zum Beispiel Lidl, wo man die Preissenkungen als Maßnahme sieht, um den "Mengenstau" an Milch aufzulösen. ALDI SÜD schreibt dem SWR auf Anfrage, dass man - wo immer möglich - auf deutsche Ware setzt und viele Produkte aus deutscher Landwirtschaft führt.
Bauern protestieren gegen Butterpreise - und gegen Mercosur
Viele Bauern haben sich als Reaktion auf die niedrigen Butter- und Milchpreise am Montag auf den Weg in die baden-württembergische Landeshauptstadt gemacht. Dort gab es am Vormittag ein Treffen von Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) mit Vertretern von Bauernverbänden und Discountern. Laut Polizei haben währenddessen 15 bis 20 Traktoren vor dem Agrarministerium demonstriert. Der Veranstalter war der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), er spricht von insgesamt 150 Teilnehmern.
Anlass für den Protest waren aber nicht nur die niedrigen Butter- und Rohmilchpreise. Die Landwirte kritisieren auch das Mercosur-Abkommen, das die EU nach vielen Jahren Verhandlungen mit mehreren südamerikanischen Staaten abschließen will. Das Abkommen soll für die größte Freihandelszone der Welt sorgen.
Die Bauern fordern, dass Freihandelsabkommen wie Mercosur gestoppt werden. Diese würden den Wettbewerbsdruck weiter erhöhen, kritisiert der Verband BDM. Er sieht vor allem die Politik in der Pflicht. So fordern die Landwirte unter anderem, dass Lieferverträge vorab klar geregelt werden, mit festen Bedingungen zu Preis, Menge, Qualität und Lieferzeit. Trotz der Kritik will die EU das Mercosur-Abkommen am Wochenende unterzeichnen.