Noch immer werden neue Fälle von sexualisierter Gewalt bei den Kirchen bekannt. Erst im Februar hat eine Umfrage des ARD-Magazins Fakt bei allen 27 Bistümern der katholischen Kirche ergeben, dass es seit 1945 in Deutschland mehr als 6.500 Betroffene und fast 3.000 Beschuldigte gibt - deutlich mehr als bisher angenommen. Die Kirchen sind - spät aber immerhin - um Aufklärung bemüht. Und das Bistum Trier zum Beispiel hat inzwischen mehr als 780.000 Euro - "in Anerkennung des Leids", wie es heißt, an Betroffene gezahlt.
Mehr als vier Millionen Euro bewilligt Kirche zahlt an Opfer im Bistum Trier: Missbit fordert mehr Transparenz
Die Unabhängige Kommission für Anerkennungsleistungen der katholischen Kirche in Deutschland hat mehrere Millionen Euro für Opfer sexuellen Missbrauchs im Bistum Trier bewilligt.
Bistum verzeichnet 19 weitere Fälle im vergangenen Jahr
Heute hat das Bistum einen Jahresbericht zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt vorgelegt. "Bei der sogenannten Interventionsstelle gab es demnach im vergangenen Jahr 19 neue angezeigte Fälle, zehn davon konnten in internen Gesprächen beigelegt werden", berichtet Ludger Peters, Reporter im SWR-Studio Trier, im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Gerald Pinkenburg. Dabei gehe es nur in zwei Fällen um Priester. "Es gibt auch Hinweise auf Mitarbeitende in den Pfarreien, auf ehrenamtliche Erzieher, Lehrer und in einem Fall eine Pflegekraft".
Zwischenbericht über die Jahre 1981 bis 2001 Missbrauch im Bistum Trier: Viele Intensivtäter unter Bischof Spital
Auch in der Amtszeit von Bischof Hermann Josef Spital missbauchten Priester Kinder. Darunter viele Wiederholungstäter. Harte Sanktionen gegen sie gab es kaum.
Worum geht es bei den Vorwürfen konkret?
"In einem der Fälle ging es tatsächlich um sexuelle Nötigung, in vier anderen um Berührungen über den Kleidern.", sagt Peters. Teilweise gingen die Beschuldigungen bis in die 80er Jahre zurück. "Zwei Fälle sind dann der Staatsanwaltschaft übergeben worden, einer davon wurde von den Ermittlungsbehörden eingestellt." Die einzelnen Pfarreien im Bistum hätten sich in den vergangenen Jahren Schutzkonzepte überlegt, erklärt Peters. Dabei seien Standards erarbeitet worden, wie mit solchen Vorwürfen umgegangen werden soll - Mitarbeiter wurden entsprechend geschult.
Es gibt immer mehr Fälle sexualisierter digitaler Gewalt
"Die Kirche stellt zunehmend fest, dass es oft um Vorkommnisse zwischen Jugendlichen geht. Und da reden wir über Übergriffe im digitalen Rahmen." Hier würden zum Beispiel Bilder verschickt oder Fake-Pornovideos auf Social-Media-Plattformen hochgeladen, sagt Peters. Gerade bei der digitalen Gewalt wolle die Kirche mehr Prävention und Aufklärung betreiben. "Das Problem ist, dass Eltern ganz häufig keine Idee davon haben, was ihre Kinder an den Smartphones machen und welchen Gefahren sie ausgesetzt sind." Härtere Strafen würde da aus Sicht der Kirchen erstmal nicht weiterhelfen. "Es gehört mit in das Fortbildungskonzept, auch Aufklärungsarbeit bei jungen Menschen zu leisten und Anlaufstellen zu bieten", sagt der Trierer Bischof Stephan Ackermann.
Katholische Kirche unterstützt Beirat Betroffene von sexueller Gewalt wollen in Speyer aufklären
Im Bistum Speyer hat sich ein Betroffenenbeirat gegründet. Er will Missbrauchsfälle im Bereich der Diözese aufklären. "Die Kirche kann das alleine nicht", sagte der Sprecher des Beirats, Bernd Held.