Fastenzeit ohne Kaffee: Verzichten muss wehtun

Fastenzeit und Ramadan haben begonnen: Wochen von Besinnung, Buße und Verzicht auf Kaffee. Constance Schirra sagt in der Kolumne: Ich versuche es.

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Von Autor/in Constance Schirra

Ich will verzichten!

Schluss mit lustig, nix mehr Hoch die Tassen und Hellau, Narri, Narro und so, Stille jetzt, bitte. Die christliche Fastenzeit hat begonnen. 40 Tage Verzicht, Besinnung, Buße, Glauben. Verzicht auf Fleisch und/oder Süßigkeiten, Alkohol, Zigaretten, Kaffee, Medien, Sex, Tanzen, egal… Was man gerne macht, lässt man jetzt, um abzuschwören den weltlichen Genüssen als da wären viele. Besinnen möge man sich. Worauf jetzt genau? Nach kirchlicher Lehre auf den Glauben, das Leiden, die Nähe zu Gott, sich selbst. 40 Tage mit sich selbst, ohne weltliche Genüsse – puh, das ist hart.

SWR1 Sonntagmorgen vom 22. Februar 2026 Fasten – eine Zeit des Verzichts und der Besinnung

In diesem Jahr hat die christliche und muslimische Fastenzeit in derselben Woche begonnen. In beiden Religionen geht es in der Fastenzeit um die Besinnung auf Gott.

Sonntagmorgen SWR1

Aber, verehrte katholische Kirche, ja, ich will! Ich verzichte jetzt auf asoziale Medien! Kein TikTok, kein Instagram! Moment, nein, geht nicht, weil: Ich hab das alles gar nicht, da verzichte ich schon immer drauf, ganz ohne Altersbeschränkung, gilt nicht. Alkohol gilt auch nicht, mag ich nicht. Wenn ich auf was verzichte, was ich nicht mag, ist es kein Verzicht. Die katholische Kirche ist da streng. Also in dieser Angelegenheit. Bei anderen Angelegenheiten nicht so.

Kaffee! Ich hab’s! Ich verzichte auf Kaffee! Das ist eine „wirkliche Einschränkung“, wie es die katholische Kirche verlangt. Also eine richtige Buße. Keine Sorge, man muss nicht unbedingt wissen, wofür. Einfach so mal ein bisschen grundsätzlich büßen, langt völlig. Ich greife also zu Tee statt Kaffee. Ich koche Wasser. Bewusst. Nur bei mir selbst. Gott lässt sich nicht blicken. Ich hole eine Tasse aus dem Schrank. Ich hänge einen Beutel Ashwagandha Balance in die Tasse. Ich warte auf das Wasser. Ich atme ein. Ich atme aus. Ich kippe das Wasser in die Tasse, 200 Milliliter genau, eins…  zwei… 136… jedem Milliliter schaue ich achtsam beim Fließen zu. Ich sauge den Duft der Acerola Kirsche ein…. Ahhhh. Ach ich mach mir doch was vor! Nix ahhh. Ich rieche nix. Ich schmecke nix, ich spüre nix. Doch, so ein kleines bisschen Wut, dass ich meinen Kaffee nicht kriege und mir selbst labberiges rosa Wasser verordnet habe. 40 Tage lang!

Vielleicht sollte ich mich den Muslimen anschließen, der Ramadan hat auch gerade begonnen. Und wenn ich richtig informiert bin, verlangt der liebe Gott im Islam, dass man nur tagsüber fastet. Nicht nachts, da ist es dunkel, da sieht niemand nix, kein Mensch, kein Gott. Da könnte ich kannenweise Kaffee trinken.

Aber wenn das dem Gott im Christentum auffällt, dass sich da eine Christin unter Zuhilfenahme einer anderen Religion durch die Fastenzeit mogelt? Frevel! Trau ich mich nicht. Also: 40 Tage rosa Plörre, zur Besinnung und Buße. Was kriege ich dafür? Pfui! Was für eine schäbige Frage! Die „Bekehrung des Herzens“ kriege ich, sagt die Kirche. Noch 37 Tage. Und ich werde schweben, bekehrten, leichten Herzens, durch diese komische Welt. Ich glaube es bestimmt.

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Autor/in
Constance Schirra
Onlinefassung
Stefan Eich
Stefan Eich steht im Gang eines SWR-Gebäudes.