In diesem Jahr überschneiden sich die christliche Passions- und Fastenzeit und der islamische Fastenmonat Ramadan. Im Mittelpunkt stehen Verzicht, Besinnung, Innehalten im Alltag, Neuorientierung und gastliche Gemeinschaft.
Indem Gläubige auf Nahrung oder auf andere Dinge, die ihnen sonst wichtig sind, verzichteten, könnten sie sich im Sinne der Religion auf Wesentlicheres zu konzentrieren, erklärt Dr. Michael A. Schmiedel von der Uni Bielefeld. "Also auf die religiösen Inhalte, auf den Sinn des Lebens." In den großen Religionen würden sinnliche Genüsse manchmal als Ablenkung vom Wesentlichen verstanden werden.
Was bringt das Fasten aus religiöser Perspektive
"Der Sinn des Lebens ist natürlich ein weiter Begriff", sagt Schmiedel. In vielen Religionen sehe man das diesseitige Leben als eine Vorbereitung auf etwas, das danach kommt, "was wesentlich und wichtiger" sei und es gebe Verhaltensweisen, die einen diesem Ziel näher bringen und es gebe Verhaltensweisen, die einen davon entfernten.
"Wenn man dann eine Verhaltensweise einübt, die man als von Gott befohlen oder zumindest empfohlen ansieht, dann kommt man eben wieder näher zu Gott hin und das ist ja zumindest christlich, muslimisch, jüdisch und so weiter gesehen der Sinn des Lebens, sich Gott zu nähern und Gottes Gebote zu befolgen", erläutert der Religionswissenschaftler.
Das Fasten und die Gesundheit
"Fasten ist etwas, was unser Körper eigentlich schon seit Urzeiten kennt", erklärt Professorin Dr. med. Michaela Axt-Gadermann. "Es gab immer mal Missernten oder ausbleibende Jagderfolge und da hat er sich dran angepasst." Unser Körper habe Strategien entwickelt, um sogar aus solchen Notsituation "etwas Gutes zu machen, nämlich Recycling-Prozesse in Gang zu setzen, wenn keine Nahrung da ist, alte Zellen abzubauen und den Stoffwechsel zu optimieren."
Verjüngungsprozess
Beim Fasten verändere sich das Immunsystem. Das habe eine entzündungshemmende Wirkung. Der Zucker- und der Fettstoffwechsel würden optimiert, der Blutdruck sinke häufig. In den Zellen liefen Regenerationsprozesse ab, bei denen alte Zellbestandteile oder auch alte Zellen abgebaut würden, so Prof. Axt-Gadermann. "Man nennt diesen Prozess Autophagie und das ist eigentlich ein Verjüngungsprozess in jeder einzelnen Zelle." Wenn wir regelmäßig fasten, bliebe auch die geistige Leistungsfähigkeit länger erhalten.
Fasten für Einsteiger
"Für den Einsteiger ist wahrscheinlich das Intervallfasten am besten", sagt Michaela Axt-Gadermann. Man verzichte dabei 14 bis 16 Stunden pro Tag auf Nahrung. "Das kann man relativ einfach in den Tagesplan einbauen, also man isst zum Mittag, vielleicht nimmt man um 14, 15 Uhr noch einen kleinen Snack zu sich und frühstückt dann erst wieder am nächsten Tag."
Wirkung des Fastens
Menschen fühlten sich nach dem Fasten stärker, erklärt der Religionswissenschaftler Michael Schmiedel. "Das ist wie ein Training, das einem zeigt, man kann souverän damit umgehen und man ist nicht so abhängig, dass man gar nicht mehr loslassen könnte." Man habe es bewiesen, man könne loslassen "und dann kann man sich auch wieder fröhlicher dem sinnlichen Genuss zuwenden."