"Zunächst mal haben wir festgestellt, dass es deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern gibt, das hat uns überrascht", erklärt Holger Hofmann. Der Abstand zwischen den Ländern sei außerdem größer geworden als bei der Pilot-Studie.
Wo liegen die Probleme?
Mängel gebe es im Bereich der frühkindlichen Bildungsangebote, der Mitbestimmungsmöglichkeiten in der Kommune, in der Schule oder im Verein. Ein weiteres Problem sei die ärztliche Versorgung. Aber vor allem die Kinder- und Jugendarbeit sei ein länderübergreifend schwierig.
Welche Länder sind Streber, welche Sitzenbleiber?
Berlin habe sich beim Thema Kinderarmut deutlich verbessert, sagt Holger Hofmann. Die Stadt habe ein Präventionsprogramm aufgelegt und eine landesweite Strategie gegen Kinderarmut entwickelt. Ähnlich finde das auch in Rheinland-Pfalz statt, dort gebe es dafür aber andere Probleme. In anderen Bundesländern, wie in Baden-Württemberg vermisse man solche Initiativen. Hier gebe es auch Probleme im Bereich der frühkindlichen Bildung und der kindgerechten Justiz. Dabei gehe es darum, Kindern und Jugendlichen, die an einem Gerichtsverfahren beteiligt sind, ausreichend Informationen zur Verfügung zu stellen. Positiv sei in Baden-Württemberg, das Jugendliche die Jugendtreffs gut bewerten würden. Auch die Arbeitslosenquote sei bei jungen Leuten niedrig.
Kinderrechte sind unabhängig vom Geld
Mit den Kinderrechten sei es anders, als man es sonst gewohnt sei, erklärt Holger Hofmann. Es gebe durchaus Bundesländer mit weniger Wirtschaftskraft, die es trotzdem schafften, Kinderrechte besser umzusetzen. Das hänge vor allem mit dem politischen Willen zusammen. Aber auch die Auswahl der Faktoren bei der Untersuchung spiele eine Rolle – zum Beispiel bei der Frage, welchen Stellenwert die Kinder- und Jugendbeteiligung bei der Bewertung habe. Jugendliche ab 16 Jahren an Kommunalwahlen teilnehmen zu lassen, koste beispielsweise nicht viel.
Hamburg hat sich an die Spitze gearbeitet
Es gebe Bundesländer, die seien davon geprescht, meint Holger Hofmann. Nach dem ersten Kinderrechte-Index habe das Kinderhilfswerk klar aufgezeigt, an welchen Stellen sich Länder an guten Beispielen anderer Länder orientieren könnten. Hamburg habe sich vom unteren Mittelfeld bis an die Spitze gearbeitet, indem es ganz intensiv in Bildung investiert habe. Gerade in Bereichen, die einem nicht sofort in den Sinn kämen. Zum Beispiel bei der kindgerechten Justiz und der ärztlichen Versorgung von Familien habe Hamburg punkten können.