Krise in der Automobil-Industrie: Was die Bundesregierung jetzt tun muss

Deutschland befindet sich nach Ansicht des Präsidenten des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Achim Wambach, in einer anhaltenden Wirtschaftskrise. Als Gründe dafür nennt Wambach die Überregulierung sowie die hohen Steuern und Abgaben. Hinzu kämen konjunkturelle Probleme infolge hoher Energiepreise durch den Iran-Krieg. Insbesondere im Automobilsektor habe man "massive Standortprobleme". Die Bundesregierung müsse Deutschland als Wirtschaftsstandort attraktiver machen, so der ZEW-Präsident im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Andreas Böhnisch.

Teilen

Stand

"Wir haben drei Jahre lang kein Wirtschaftswachstum gehabt. Hier kommt sehr vieles zusammen. Da sind wir noch nicht durch", so der Professor für Volkswirtschaftslehre an der Uni Mannheim.

"Massive Standortprobleme"

Wambach befürchtet, dass diese Entwicklung noch weitergehen wird. Die Finanzmarktexperten des ZEW gehen davon aus, dass die Europäische Zentralbank ihre Zinsen auch erhöhen wird und dadurch auch nochmal ein Dämpfer in die Wirtschaft gehen wird.

Die große Frage ist, ob es der Bundesregierung gelingt, die Standortprobleme in den Griff zu bekommen. Die Investitionen bleiben aus - und investiert wird mit Hinblick auf die Zukunft. Die Frage ist also, ob die Wirtschaft daran glaubt, dass wir in fünf Jahren gute Standortbedingungen haben. Das sind dann nicht die konjunkturellen Probleme, sondern tatsächlich die Standortprobleme.

"Deutschland ist ein Hochsteuerland"

Das größte Problem ist nach Meinung des ZEW-Präsidenten, dass die Investitionen ausbleiben. Diese seien stark an den Standort geknüpft. "Wir waren bei den Unternehmensbesteuerungen im Mittelfeld. Dann haben Frankreich, die USA und Großbritannien die Steuern gesenkt, sodass Deutschland jetzt ein Hochsteuerland geworden ist." Die Unternehmen sagten sich, wenn die Infrastruktur nicht auch gleichzeitig so viel besser geworden ist, dann ist es attraktiver, woanders zu investieren.   

Es müsse in Bahn, Straßen und Digitalisierung investiert werden - damit es die Unternehmen attraktiv finden, die alten Stärken mit neuen Technologien zu verknüpfen. Im Moment blieben die großen Investitionen aus. Damit sei der Standort noch nicht da, wo er sein solle. Wie die neue baden-württembergische Landesregierung die Autoindustrie wieder flott machen könnte, darüber hat Achim Wambach mit SWR Aktuell-Moderator Andreas Böhnisch gesprochen.