Der Film ist erschreckend nah an der Realität dran, obwohl die Geschichte eigentlich fiktiv ist, findet Wollner. "Dem Drehbuch ist eine jahrelange Recherche vorausgegangen: Eingeflossen sind reale Fälle, wie der NSU-Komplex, Hanau, Halle oder der Neukölln-Komplex." Regisseur Faraz Shariat bezeichnet "Staatsschutz" deshalb als "eine Art Bestandsaufnahme".
Wir haben mit Opfern von rechter Gewalt gesprochen, aber auch mit Menschen, die in der Justiz arbeiten.
Das mache den Film so beklemmend: "Man hofft die ganze Zeit, dass er übertreibt, aber er tut es nicht", so die Filmexpertin.
Darum geht’s in "Staatsschutz"
Seyo Kim, gespielt von der Newcomerin Chen Emilie Yan, ist eine junge deutsch-koreanische Staatsanwältin, die ihren ersten Job in Ostdeutschland antritt. Sie glaubt an den Rechtsstaat, bis sie selbst Opfer rechter Gewalt wird. Als sie den rassistischen Anschlag aufklären will, erlebt sie, wie er verharmlost wird und stößt auf weitere Fälle, bei denen die Ermittlungen auffällig schnell eingestellt worden sind.
Hinter Seyos Coolness verbergen sich Angst und Wut
Kein leichter Stoff, aus dem Shariat ganz bewusst einen Thriller macht: "Seyo hält sich immer weniger an die Regeln. Sie wühlt sich durch die Akten, ermittelt auf eigene Faust - und wird irgendwann von ihrer Behörde zur Rede gestellt", erzählt die Filmkritikerin.
Hauptdarstellerin Chen Emilie Yan trägt diesen Film wirklich beeindruckend. Sie spielt Seyo sehr kontrolliert, fast kühl - gerade deshalb spürt man irgendwann umso stärker die Angst und die Wut hinter ihrer Fassade.
Der Film will nicht nur erklären, wie institutioneller Rassismus funktionieren kann, sondern er will, dass man Seyos Ohnmacht körperlich nachvollzieht. Dafür passt die Form des Thrillers ganz gut", so Wollner.
Das Fazit: "Einer der wichtigsten deutschen Filme"
Seyo gibt nicht auf. Sie zieht sich nicht zurück. Der Film erzähle Widerstand als Entscheidung, sich einzumischen und demokratische Institutionen nicht denen zu überlassen, die sie von innen verändern wollen. "Gerade angesichts der politischen Lage halte ich Staatsschutz für einen der wichtigsten deutschen Filme des Jahres: Denn: Shariat will nicht, dass wir bei der Angst stehen bleiben."