Neue Staffel "Babylon Berlin": So viel historische Forschung steckt drin

Fans der Serie "Babylon Berlin" können ab sofort online in der ARD-Mediathek die fünfte und letzte Staffel sehen. Die Historikerin Prof. Claudia Christiane Gatzka von der Uni Freiburg mit Einschätzungen zur historischen Faktentreue und dem Verdienst der Serie, Interesse an der deutschen Demokratie-Geschichte zu wecken.

Teilen

Stand

Sie wird von den Fans sehnsüchtig erwartet - und das Warten hat ein Ende: Die fünfte und letzte Staffel der Serie "Babylon Berlin" ist von heute an online verfügbar in der ARD-Mediathek. So geht’s weiter: Die 1920er Jahre sind vorbei und die Handlung dieser letzten Staffel spielt im Februar und März 1933, nachdem Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde. Historisch gesehen ist das also eine Zeit, in der die Gesellschaft aus den Fugen gerät. Darum geht es auch in der TV-Doku "Wie die Demokratie unterging", in der es um die Entstehung der Serie geht.

Historische Umbrüche und eine große Liebesgeschichte


Claudia Christiane Gatzka, Professorin für Neuere und Neueste Geschichte Westeuropas an der Uni Freiburg, ist ebenfalls gespannt wie es weiter geht. Wie wird die Serie die Geschehnisse und die große Liebesgeschichte zwischen Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) und Gereon Rath (Volker Bruch) darstellen? Zur historischen Einordnung meint sie: Wegmarken wie der Reichstagsbrand und das Geschehen rund um das Ermächtigungsgesetz oder der Fackel-Lauf der Nationalsozialisten seien bestimmt auch im Bild sehr eindrückliche Momente. In der vierten Staffel habe man viel Gewalt gesehen, nämlich "Gewalt gegen Unterschichten. Die Weimarer Republik war eine eminente Klassengesellschaft, das können wir uns heute gar nicht mehr vorstellen. Und im Januar 1933 kippt das auf den Straßen nochmal in ein sehr brutales Gewalt-Geschehen."

Ein TV-Drama ist nicht 1:1 historische Realität, macht aber neugierig

Prof. Gatzka findet es beeindruckend, wie die Vielfältigkeit dieser Zeit im TV-Drama eingefangen wird. Rauschhafte und prunkvolle Momente im Berlin der 1920er, auch "Goldene 20er" genannt, die aber gleichzeitig geprägt waren von Armut und Arbeitslosigkeit. Solche sozialen Spannungen von Wohnungsnotstand bis zu Kinderarbeit kämen in historischen Sachbüchern oft zu kurz. Niemand erwarte, dass historische Realität in einer TV-Produktion 1:1 abgebildet werde, aber: "Die dramatische Aneignung des Stoffes kann das Interesse an dieser Epoche neu wecken." Sollte Babylon Berlin auch im Geschichtsunterricht in Schulen gezeigt werden? Da gibt Prof. Gatzka zwar keine Handlungsempfehlung, doch sie findet: "Das, was auf dem Spiel steht in dieser Zeit, kann durch fiktionale Erzählung im Film sehr gut vermittelt werden." Nicht als Ersatz des Sach-Unterrichts, aber "als Appetizer gewissermaßen für die Demokratie-Geschichte Deutschlands".

Die letzte Staffel Diese deutsche Erfolgsserie feiert jetzt ihr fulminantes Ende

Die Erfolgsserie der ARD geht in die letzte Staffel: Lohnt es sich jetzt noch, mit „Babylon Berlin“ anzufangen? Definitiv, sagt unsere Serien-Checkerin Theresa Itzinger.