Nadelöhr Beschaffung: Kommt das Sondervermögen bei der Bundeswehr an?

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat Milliarden für die Truppe. Wie aber setzt er sie ein? Dafür gibt es das Beschaffungsamt in Koblenz.

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Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr sitzt in Koblenz. Der Chef persönlich, Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) will sich ein Bild davon machen, wie die Behörde in Koblenz das Sondervermögen zur Stärkung der Truppe einsetzt. Er will mit der Leitung des Amtes sprechen sowie auch mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die mit dem Alltagsgeschäft betraut sind. Johannes Binder ist Volkswirt am Kiel Institut für Weltwirtschaft. Im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Leon Vucemilovic betont er, wie viel Geld gerade in Koblenz verwaltet wird, nämlich allein 2026 seien das 100 Milliarden Euro:

Das sind ja enorme Summen. Was wichtig ist, dass wir uns genau überlegen, wofür wir dieses Geld ausgeben.

Er habe aber große Zweifel, dass "wir aktuell auf dem bestmöglichen Pfad sind". Das gelte sowohl für die Beschaffung, aber auch für die Rüstungsunternehmen. Diese arbeiteten noch mehr nach dem Vorbild von Manufakturen, wo über Jahre einzelne Modelle zusammengeschraubt werden, statt tatsächlich auf eine industrielle Fertigung umzustellen, die sich auch leicht skalieren lasse, so Volkswirt Binder.

Veränderung in Beschaffung braucht offensichtlich viel Zeit

Kleinere Bewegungen seien dennoch spürbar, sagt Johannes Binder. Man merke in Koblenz, "dass man versucht, von Zeit zu Zeit etwas innovativer ranzugehen". Anstatt das ganze System zu hinterfragen, werde aber an kleinen Stellschrauben gedreht. Großbritannien habe etwa in seinem neuen Strategiepapier festgelegt, rund 10 Prozent seiner Militär-Ausgaben in Forschung und Entwicklung zu investieren. In Deutschland seien es nur 4 Prozent - bei optimistischer Rechenweise. Vor wenigen Wochen hatte Pistorius bei einem Wahlkampftermin in Koblenz eine Standortgarantie für das Beschaffungsamt gegeben. Es sei nicht seine Absicht, das Amt abzuwickeln, im Gegenteil: Das Verteidigungsministerium wolle am Standort Koblenz perspektivisch 1,1 Milliarden Euro investieren.