Team Sorge gegen Team Leben: Was man von Kindern, Autos und Blumen lernen kann

Krisen und Sorgen gibt’s genug - aber auch genug natürliche Lebensfreude. Das kann man sich gut bei kleinen Kindern abschauen, meint Peter Knetsch in der Kolumne. Feedback? Gerne! Kolumne@swr.de

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Von Autor/in Peter Knetsch

"Opa, Aupo!" Mein anderthalb Jahre alter Enkel hat noch seine Schwierigkeiten mit dem "t", aber das tut seiner unlängst erwachten Leidenschaft für Automobile keinen Abbruch. Alles, was vier Räder hat, und nicht bei Drei in der Parkgarage ist, wird bespielt als gäbe es kein Morgen: Vom kleinen Matchboxauto, über Bagger, Betonmischer bis zum Bobby-Car; Motorräder gehen auch. "Opa, Aupo, Aupo, bruuuummmm."

Wenn der Opa mit dem Grübeln anfängt ...

Ich mache mir Sorgen. Sorgen darüber, dass er sich auf eine Branche einlässt, deren Zukunft ungewiss ist. Ich halte ihm einen sehr ausgewogenen Vortrag, um seine Kompetenzen im notwendigen Diskurs zu stärken. Dass die Automobilität in Deutschland gerade eine gewaltige Transformation durchmacht. Dass die deutschen Unternehmen technologische Entwicklungen verschlafen haben. Dass die Chinesen davonfahren. Dass die CO2-Bepreisung einen klassischen Verbrenner langfristig unrentabel macht und dass moderne "Aupos", äh Autos heutzutage nicht mehr bruuuuumm machen. Sondern eher sssssss oder huuuuuu. Offfenbar gibt’s noch kein zertifiziertes Verbum für Geräusche machende E-Autos.

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Mein Enkel quittiert meinen Vortrag mit einem nachsichtigen "Aupo" und rollt mit seinem Bobby-Car die Einfahrt entlang. Sein unterschwelliges Signal ist unmissverständlich: Ich bin mobil, du offenbar weniger. Denk mal drüber nach!

... und die Enkeltochter einfach nur glücklich ist

Seine Zwillingsschwester ist ganz anders gestrickt und interessiert sich wenig für Autos. Klingt nach Klischee, ist aber so. Sie sortiert gerne, räumt ein und aus, beobachtet und entdeckt. In besagter Einfahrt eine "Bume". "Opa, Bume!" Das "t" ihres Bruders ist ihr "l".

"Oh ja, wie schön, eine Blume, ein erster Frühlingsbote, ein so genannter Winterling aus der Familie der Hahnenfußgewächse. Leuchtend gelb, liebt kalkhaltige Böden, sehr robust, aber in allen Teilen für uns Menschen giftig. Also nie in den Mund…." Da ist sie schon bei der nächsten "Bume". Auch hier die klare Botschaft: Lebensfreude statt Lebensgefahr.

Es könnte so einfach sein. Weniger Team Sorge und Vorsicht, mehr Team Freiheit und Leben. Der Moment zählt. Pure Unmittelbarkeit. Alles ist eher spannend als kompliziert, alles eher heller als dunkler.  

Wenn wir gleich rein gehen, werden wir wahrscheinlich gefragt: "Na, wie war's?" Und wenn die Kinder besser sprechen könnten, würden sie sagen, dass der Opa wieder was gelernt hat.

Das ist unsere Kolumne vom vergangenen Wochenende: