Was Menschen vor der Landtagswahl BW bewegt

"Ich glaube nicht, dass das Verbrenner-Aus eine Zukunft hat": E-Auto zwischen Klimaziel und Stromausfall

E-Auto, Hybrid oder Verbrenner - Baden-Württemberg steht am Wendepunkt: Zwischen Klimazielen, Industrieumbau und Mobilitätsdebatten. Wo steuert die Zukunft hin?

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Von Autor/in Catharina Straß

Ein wichtiges Thema der Landtagswahl im Autoland Baden-Württemberg ist die Zukunft der Mobilität. Das zeigen auch zahlreiche Zuschriften, die den SWR auf einen Aufruf im Vorfeld der Wahl hin erreicht haben. Auch das E-Auto wird diskutiert: Ist es die Lösung für eine klimafreundliche Zukunft oder nur ein Zwischenschritt?

Johannes Iffländer aus Gaggenau (Kreis Rastatt) arbeitet in der Automobilindustrie und erlebt die Herausforderungen der Branche hautnah. Er hat sich beim SWR vor der Wahl gemeldet. "Von der Landesregierung wünsche ich mir, dass wir endlich mal ehrlich über Lösungen sprechen", sagt der 26-Jährige. Das Verbrenner-Aus zu verschieben, hält er für eine Scheinlösung, so Iffländer. "Dadurch kriegen wir die Industrie nicht gerettet."

Autoindustrie kann Beitrag zu klimaneutraler Zukunft leisten

Iffländer sieht viele Beschäftigte, die sich Sorgen um ihre Zukunft machen. Gleichzeitig ist er überzeugt, dass die Branche sich neu erfinden kann - so, wie schon oft zuvor.

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2001 fuhr erstmals ein serienmäßiges Hybridauto auf deutschen Straßen: Durch den Toyota Prius wurde die Kombi aus Verbrenner und Elektromotor beliebt. Die Technik ist umstritten.

Neben seiner Arbeit engagiert sich Iffländer bei Fridays for Future. Für ihn ist das E-Auto zwar nicht perfekt, aber ein wichtiger Schritt in Richtung Klimaneutralität. Die technischen Lösungen seien da. "Wir in der Automobilindustrie haben die Chance, für diese klimaneutrale Zukunft unseren Beitrag zu leisten und ein neues Erfolgsprodukt zu entwickeln."

Johannes Iffländer in seinem Heimatort Gaggenau, wo er die Ausbildung in einem Automobilunternehmen gemacht hat.
Das E-Auto muss nicht perfekt sein, meint Johannes Iffländer aus Gaggenau. "Aber es muss besser sein, als das was wir haben."

BW ist weiter Verbrennerland

Gerade im Verkehr hat sich beim CO2-Ausstoß in den vergangenen Jahren wenig getan. Das sagt auch das Verkehrsministerium und will nachsteuern. Im Juli 2025 waren laut Landesagentur e-mobil BW gut vier Prozent der Autos in Baden-Württemberg elektrisch, doppelt so viele waren Hybridfahrzeuge. Bis 2030 soll der Anteil klimaneutraler Autos auf den Straßen in Baden-Württemberg die 50-Prozent-Marke knacken - das sehen die Klimaziele der grün-schwarzen Landesregierung vor. Laut einer SWR-Datenrecherche ist das unrealistisch.

Auch Gustav Schlecht aus Tuttlingen setzt auf Elektromobilität. Seit vier Jahren fährt der frühere ehrenamtliche Bürgermeister von Hausen ob Verena (Kreis Tuttlingen) ein Hybridfahrzeug, das er meist elektrisch nutzt. Besonders praktisch findet er, dass er den Strom zu einem großen Teil selbst mit seiner Solaranlage auf dem Dach produzieren kann. "Es war eine Preisentscheidung", sagt er, "und für kurze Strecken wie Einkäufe ist das E-Auto ideal".

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Das Verbrenner-Aus ist vom Tisch: Der CO2-Ausstoß von Autos, die ab 2035 zugelassen werden, soll an anderer Stelle ausgeglichen werden. Für Susanne Henn, SWR Redaktion Umwelt und Klima, ist das Augenwischerei.

Verbrenner bleibt - und die Diskussion auch

Schlecht glaubt durchaus an das Können der Unternehmen: "Es wird hinter verschlossenen Türen in den Entwicklungsanstalten viel Arbeit geleistet." Das sei auch notwendig, denn das deutsche E-Auto stehe noch am Anfang. Für mehr Innovation wünscht sich der Tuttlinger eine engere Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und der Wirtschaft.

Die Menschen brauchen Vertrauen.

Gustav Schlecht mit Sohn Harald Schlecht vor ihrem Haus, neben einem Auto. Gustav Schlecht hat ein Ladekabel für ein E-Auto in der Hand.
Gustav Schlecht und sein Sohn Harald sorgen sich um die vielen Arbeitsplätze in der Automobilindustrie. "Ich wünsche mir, dass da die Regierung zusammen mit der Industrie Lösungen findet, wie die Arbeitsplätze erhalten werden", sagt Harald Schlecht dem SWR.

Was passiert im Notfall, wenn wir keinen Diesel mehr haben?

Trotz seiner positiven Erfahrungen mit der Elektromobilität sieht Schlecht die Zukunft aber nicht ausschließlich elektrisch. "Ich glaube nicht, dass das Verbrenner-Aus eine Zukunft hat", meint er. In bestimmten Situationen, etwa bei Stromausfällen durch Naturkatastrophen, könnten Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor weiterhin wichtig sein.

Ähnlich sieht es sein Sohn, Harald Schlecht. Er erinnert sich an einen Stromausfall in Tuttlingen vor einigen Jahren. Das Seniorenheim hätte damals zwar ein Notstromaggregat gehabt, aber keinen Diesel. Seine Bedenken: "Wenn wir die Tankstellenstruktur nicht mehr haben, weil wir nur noch E-Fahrzeuge fahren, ist das eine größere Herausforderung." Denn dann könne der Treibstoff knapp werden, sorgt sich Harald Schlecht - besonders, wenn bei Katastrophen die Nachfrage groß sei. Mit diesem Gedanken an ein mögliches Szenario hat sich Gustav Schlecht beim SWR gemeldet.

Fast zwei Drittel der Neuzulassungen im Land elektrisch

Die EU-Kommission hat im Dezember entschieden, dass auch nach 2035 noch neue Verbrenner hergestellt werden dürfen. Das E-Auto, so Gustav Schlecht, sei in den Haushalten und Köpfen um ihn herum angekommen. Das betrifft die Neuzulassungen. Laut Landesagentur e-mobil BW waren fast zwei Drittel der Neuzulassungen 2025 in Baden-Württemberg batterieelektrisch oder hybrid. Gas-, Benzin- und Dieselfahrzeuge wurden hingegen weniger oft neu angemeldet.

Laut dem BW-Trend, einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag von Südwestrundfunk (SWR) und "Stuttgarter Zeitung", sehen zwölf Prozent der Befragten den Umweltschutz und elf Prozent Mobilität und Verkehr als wichtigste Probleme im Land. Die Meinungen über den richtigen Weg gehen dabei auseinander. Wie die Politik die Weichen für die Mobilität Zukunft stellt, wird die neue Landesregierung zeigen.

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Catharina Straß
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